Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 17.1902

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~^Ö> NICOLAUS GYSIS


ihr her, die Gestalten des Handels, der In-
dustrie und des Handwerks umgeben den
Wagen, den die Liebe des Volkes lenkt. Und
rückwärts schreitet ein Genius des Glückes.
Das Bild ist ganz licht und mit seltsam neuen
Mitteln, unter reichlicher Anwendung von
Gold- und Silberfarben gemalt. Diese Technik
machte es wohl aus, dass es zunächst unter
den farbenreichen modernen Werken seiner
Umgebung im Glaspalast ein wenig fremd-
artig sich ausnahm — je näher, je öfter man
es betrachtete, umsomehr nahm es gefangen,
umsomehr sah man, welch reifes Können
und welche klare Ueberlegung hinter diesen
Gestalten sich barg. Die triumphierende Ge-
stalt im Wagen war freilich mehr eine hel-
lenische Muse, wie etwa man sich die unseres
Meisters vorstellen mag, als eine Verkörperung
des bier- und kraftadel-berühmten Bayern-
landes. Aber sie sollte ja auch nur die idealsten
Seiten des Landes und Volkes verkörpern!

Emanuet Geibel

LESEFRÜCHTE
Lorbeer ist ein bittres Blatt,
Dem, der's sucht, und dem, der's hat.
nic. gysis plakat für die münchener Fliessend Wasser ist der Gedanke,
kunstausstellung 1888 «« Aber durch die Kunst gebannt
In der Form gedieg'ne Schranke
nale" in München und für die Jahresausstel- Wird er blitzender Demanl.
lungen im Glaspalast hat er die hier abgebil-
deten Plakate geschaffen, das erstere mehr ori- Was ich vom Kunstwerk will? Dass es schön und
gineil und wirksam, das letztere von grandioser . . . _ , SM*. se}?el~ SenuS se'-
o , ~ . ... j t • • j j jr i> ii In dem einen Gesetz wohnen die übrigen all.
Schönheit der Linien und der Komposition. Voll
Geist und Hoheit in seiner klugen Symbolik ist
das Diplom „Theorie und Praxis der Ingenieur-
kunst in vereintem Schaffen", ein musterhaftes
Vorbild für Allegorie höheren Stils, überaus
edel und durchgeistigt — zu sehr durchgeistigt
vielleicht für seinen Zweck — das Diplom, das
er 1896 für die „Olympischen Spiele" gezeich-
net (s. S. 305). „Ein trauernder Genius", der
als Eröffnungsbild dieses Heftes gegeben ist,
und eine ganze Reihe von Entwürfen zu poe-
tischen und allegorischen Darstellungen der
verschiedensten Art, welche wir die Jahre her
und ganz besonders 1901 im Glaspalast sahen,
zeigen Gysis' Idealismus und seine sublime
Zeichenkunst im schönsten Lichte.
Im Jahre 1899 ist sein grösstes Werk fertig
geworden, ein dekoratives Kolossalbild für
das Nürnberger Gewerbemuseum „Triumph-
zug der Bavaria" (s. d. doppelseitige Wieder-
gabe a. S. 302/3). Die Zeichen des Friedens
in der Hand fährt sie heran von einem Löwen- NIC gysis plakat der ja hb es-aus-
gespann gezogen, von freundlichen Genien ge- Stellungen im mün-
leitet. Kunst und Wissenschaft schreiten vor chener glaspalast««


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