Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 17.1902

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echtheit« zu erreichen. Ueber den Wert eines der- T""VÜSSELDGRF. Seit 1880 hatte die rheinische
artigen Eklekticismus bedarf es keines Wortes, noch Kunststadt keine Kunstausstellung mehr ins
weniger über den bei einem solchen Verfahren natür- Werk setzen können, die an Umfang über ihre lokale
lieh sich einstellenden Mangel an jeglicher inneren Bedeutung hinausging, weil es an einem grossen Aus-
Proportion. Wohl aber verdient der Entscheid einer Stellungsgebäude mangelte. So wurde denn Düssel-
Jury, die dem letztgenannten Bewerber für seine dorf durch seine rührigen Rivalen Berlin und Mün-
zwar fleissige, aber völlig unselbständige Leistung chen immer mehr ins Hintertreffen gedrängt und
(wie bereits gemeldet) den ersten Preis und den geriet bedenklich in Gefahr, vollständig aus seiner
Auftrag zur Ausführung erteilen konnte, das all- früheren bedeutenden Position verdrängt zu werden,
gemeine öffentliche Verdikt, welches ihr zu teil DerBau eines grossen Kunstausstellungsgebäudes,ge-
ward. Diese seltsame Entscheidung wird selbst eignet, allen Anforderungen zu entsprechen, wardaher
dann kaum verständlich, wenn man erfährt, dass, eine unabweisbare Notwendigkeit. Schon seit Jahren
wurden Pläne zur Einrichtung eines solchen Gebäudes
aufgestellt und erwogen, die alle wegen der Schwierig-
keit, die Mittel dafür zu beschaffen, nicht realisiert
werden konnten. Endlich gelang es Prof. Fritz
Roeber, einen Plan auszuarbeiten und vorzulegen,
der in der Generalversammlung der gesamten Düssel-
dorfer Künstlerschaft vom 8. März 1898 zur ein-
stimmigen Annahme kam. In grossen Zügen hatte
Prof. Roeber ausgeführt, wie die Mittel zu dem er-
forderlichen Kunstausstellungsgebäude durch Ver-
anstaltung einer grossen deutsch-nationalen Kunst-
ausstellung, in Verbindung mit einer Industrie- und
Gewerbeausstellung, zu erlangen seien. Mit ihm
zusammen hatte der Geheime Kommerzienrat Lueg
emsig vorgearbeitet und seiner Thatkraft gelang es,
die Zustimmung der industriellen und gewerblichen
Kreise zu gewinnen. Das Jahr 1902 wurde für die
Ausstellung festgesetzt. Nach Ueberwindung aller
noch vorhandenen Schwierigkeiten wurde 1900 mit
dem Bau des Gebäudes begonnen, welches am 8. März
d. J. feierlich der Stadt Düsseldorf übergeben wurde.
Bei dem Preisausschreiben zur Erlangung eines ge-
eigneten Entwurfes wurde demjenigen des Düssel-
dorfer Architekten A. Bender der erste Preis zuer-
kannt, vornehmlich wegen der meisterhaften Grund-
risse seines Entwurfes, der eine vorzügliche Lösung
des gestellten Problems enthielt und der deshalb
zur Ausführung bestimmt wurde. Für die Fassade
wurde eine Abänderung in Aussicht genommen. Die
gesamte Ausführung des Gebäudes, einschliesslich
derarchitektonischen Entwürfe für Aussen- und Innen-
bau wurde im Frühjahr 1900 der Firma Philipp Holz-
mann & Co. in Frankfurt a. M. übertragen, dieselbe
betraute mit der Ausarbeitung und Leitung die Archi-
/ tekten E. Rückgauer und Kraefft, unter dem künst-
/ lerischen Beirat der vom Kunstausschuss dazu be-
stimmten Professoren A. Schill und J. Kleesattel.
Naturgemäss legten diese besonderen Wert auf die
Ausgestaltung der Fassade. Sie wählten dazu den
prächtigen Barockstil und schufen damit dem Baue
f. g. pollak .flos paludis. eine Vorderseite, welche sich seines hohen Zweckes
Frühjahr-Ausstellung der Münchener Secession durchaus würdig erweist. In gleich trefflicher Weise
sind auch die Anordnung und Dekoration der Innen-
räume ausgebildet. Als Krönung des Gebäudes über-
abgesehen von einem Delegierten der Stadt Wasser- wölbt es ein imponierender Kuppelbau, der in
bürg, in jenem Preisrichterkollegium vier Künstler seiner Spitze die Höhe von 40 m erreicht. Eine be-
sassen, von denen drei, nämlich die Proff. Lenbach, sondere Zierde bildet auch der inmitten des Gebäudes
SeitzundHauberrisser,alsausgesprochensteVertreter liegende, einen Garten umschliessende Ehrenhof; er
jenereinseitig-retrospektiven Kunstrichtung zu gelten ist in italienischer Hofarchitektur, mit reicher Säulen-
haben, die in Fragen der öffentlichen Kunstpflege in und Bogenstellung, gehalten. Das Gebäude, das wohl
München trotz aller heftigen Anklagen immer noch den Namen eines Kunstpalastes verdient, liegt auf
allein ausschlaggebend ist. g. h. dem von der Stadt Düsseldorf erhöhten Gelände der
sogenannten Golzheimer Insel, unterhalb der neuen
W/IEN. Der Bildhauerin Feodorowna Therese Rheinbrücke. Wie an edler Schönheit der Gesamt-
" Ries wurde vom Staat die Schaffung einer anschauung wird der Bau auch an ausreichender
Figur der hl. Barbara übertragen, die für den neu Geräumigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Die
zu erbauendem Dom in Pola bestimmt ist. — Der umbaute Fläche beträgt an 8000 qm, die Länge der
Bildhauer und Titular-Professor Hans Bitterlich nach Westen liegenden Hauptfront 132 m. die grösste
wurde zum Honorar-Dozenten, der Maler Julius Tiefe 90 m und die Höhe der Fassade 18 bezw. 22 m.
Schmid zum a. o. Professor an der Akademie der Im Inneren sind ausser der unter der Kuppel be-
bildenden Künste ernannt. findlichen Empfangshalle sieben grössere und sieben


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