Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 17.1902

Seite: 499
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-*-^Ö> MÜNCHENER SECESSION — PERSONAL-NACHRICHTEN
Bronzegruppe von Hugo Kaufmann „Zur gekehrt, bald auf eigene Füsse. Er schuf zuerst neben
Freiheit", die einen Teil des Frankfurter verschiedenen Porträts eine Reihe von grösseren
r-;„:„ j , , , •,, • j Historienbildern, darunter für das Maximihaneum
Einigungsdenkmals bilden wird. die >Krönung Karls des Grossen in Rom«, wandte
— Ich lasse mir in der Garderobe meinen sich aber in der Folge fast ausschliesslich der Bild-
Regenschirm und mein historisch-kritisches nismalerei zu, auf die ihn ein glückliches Gefühl
Selbstbewusstsein zurückgeben, und freue für Charakteristik und Noblesse der Auffassung be-
_j- «. ■ , .r. ... , ■ sonders hinwiesen. Seine Reisen, die er mit zahl-
mich, indem ich die Freitreppe hinunter- reichen Aufträgen überhäuft an die verschiedenen
steige, dass, wenn ich das nächste Mal in Hefe machte, führten ihn Mitte der fünfziger Jahre
die „Secession" komme, mein Bericht für des vorigen Jahrhunderts auch nach Hannover. Der
die „Kunst für Alle" schon geschrieben ist kunstsinnige König Georg V. bewog ihn zur Nieder-
, - , j .__■ „ lassung in seiner Residenz, indem er ihm in der
und ich dann mit gutem Gewissen ausrufen Nähe |es aken Leineschlosses eine Atelier-Villa zur
darf: „Jetzt bin ich Mensch, jetzt darf ich s Verfügung stellte, welche der greise Meister heute
sein!" £ pASCENT noch bewohnt. Als eines der Kaulbachschen Haupt-
werke darf das grosse Porträtgruppenbild gelten, das
PFR90NAI IIMH ^en König Georg im Kreise seiner Familie auf einer
r CliOUINAL- \JNU Gartenterrasse darstellt und das in derPorträt-Galerie
ATELIER - NACHRICHTEN cies Herzogs von Cumberland in Herrenhausen auf-
gestellt ist. Das Provinzialmuseum bewahrt zwei
LJANNOVER. Am weitere bedeutsame Porträts von Kaulbachs Hand:
** 23. Juni verstarb das der Bildhauerin Elisabeth Ney und des Wiener
hier im Alter von fast Bildhauers Hans Gasser. Prof. Kaulbach bekleidet
neunundachtzig Jahren ein Lehramt an der Technischen Hochschule und ist
derBildhauerProfessor Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Mit
Friedr. Wilh. Engel- grosser körperlicher Rüstigkeit und ungeschwächter
hard, der Nestor der geistiger Frische ist der greise Meister noch bis vor
hannoverschen Künst- kurzem künstlerisch thätig gewesen und hat die
lerschaft. Er wurde am grosse Ausstellung des Künstlervereins 1901 noch mit
9. September 1813 in verschiedenen Porträts beschickt. PI.
Grünnagen bei Lüne-
burg geboren und DASEL. Der Bilhauer August Heer ist gegen-
wandte sich, herange- " wärtig mit der Ausarbeitung einer ruhigen
wachsender Elfenbein- Grabfigur beschäftigt, die ihm infolge einer Konkur-
schnitzerei zu. Wäh- renz für das Monument eines verstorbenen Kunst-
rend seines Aufent- freundes aufgetragen worden ist. Eine andere Grab-
haltes in London und figur desselben talentvollen Skulptors, die in dieser
Paris erkannte er sei- Zeitschrift bereits reproduziert ward (XV. Jahrg.,
cd.c^d «i BM/~ci „ .„„ nen höheren künstle- S. 161), hat soeben in Heilbronn Verwendung resp.
23 lunii Tischen Beruf und trat
' ' zuerst in das Atelier
Thorwaldsens in Kopen-
hagen ein, um später bei Schwanthaler in München
seine Studien fortzusetzen. Von München, wo die
ersten Entwürfe zu seinem berühmten Edda-Friese
entstanden, ging er zu zweieinhalbjährigem Aufent-
halte nach Rom und Hess sich, 1859 in seine
Heimat zurückgekehrt, in Hannover nieder, wo der
kunstsinnige König Georg V. ihm lohnende und
dankbare Aufträge, namentlich für den Schlossbau
»Marienburg: erteilte. Von seinen zahlreichen
Arbeiten seien hier nur genannt: eine Reihe Genre-
gruppen wie j Amor auf dem Schwane«, 'Der Schleu-
derer mit dem Hunde«, »Bacchus als Bezähmer des
Panthers« etc. Von Arbeiten grösseren monumentalen
Charakters sind anzuführen: die Schillerstatue für
Hannover, die Marmorfigur der Kurfürstin Sophie im
Grossen Garten zu Herrenhausen, die Entwürfe fürdie
Statuen Thors, Odins, Wotans (s. 1. J. S. 455) und der
Walküren und die grossen Friese aus der altnordischen
Sage, die auf der Marienburg, in der Aula der techni-
schen Hochschule hier und am Thile-Winklerschen
Hause in Berlin zur Ausführung gekommen sind. —
Hofmaler und Professor Friedr. Kaulbach, der
Vater Fritz Augusts von Kaulbach, feierte am 8. Juli
in leidlichem Wohlsein seinen achtzigsten Geburtstag.
Ueber den Lebensgang des greisen Meisters sei kurz
das Folgende berichtet. Am 8. Juli 1822 in Arolsen
geboren, trat Kaulbach schon mit siebzehn Jahren
in das Atelier seines älteren Vetters Wilhelm von
Kaulbach ein und stellte sich, von einer längeren friedr. kaulbach d. ä. selbstporträt
Studienreise durch Italien nach München zurück- (feierte am 8. Juli seinen achtzigsten Geburtstag)



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