Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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-sr-Ss©- PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN

vollen Arbeiten als künstlerische Ausbeute heim zu Farben gegen den leuchtenden Körper fein und
bringen. Die Studien und Skizzen haben durch die mannigfaltig abgetönt, so daß das Ganze eine schöne
Frische und Unmittelbarkeit der Anschauung einen Farbenharmonie bietet, der als Hintergrund ein nach
besonderen Wert. Ergänzt wird diese Studien-Aus- oben hin im Halbrund abgeschlosser grauer Himmel
Stellung durch ein von Rocholl jüngst gemaltes mit schweren, aufsteigenden Wolken sich bestens
Porträt des Generalfeldmarschalls Waldersee. tz. anpaßt. Das Heydecksche Werk macht dem bewährten

Meister unserer heimischen Kunst alle Ehre.

[/"ÖNIGSBERG. In den letzten Wochen hatte

Professor Dr. Heydeck, jetzt der Senior unserer D ERLIN. Auf der Großen Berliner Kunstaus-
Kunstakademie, in seinem Atelier seine jüngste Stellung erhielten die große goldene Medaille
Schöpfung den Freunden und Verehrern seiner der Maler Prof. Arthur Kampf (Berlin) und der
Kunst zugänglich gemacht: ein Altarbild für die Bildhauer Prof. W. v. ROmann (München), die kleine
Haberberger Kirche hierselbst, das, vor längerer goldene Medaille wurde zuerkannt den Malern Karl
Zeit begonnen, durch einen Schlaganfall, den der Böhme (München), Otto H. Engel (Berlin), Hermann
Künstler erlitt, unterbrochen, jetzt glücklich vollendet Hartwich (München), Alex. Koester (München), dann
ist. Das Bild, das im Spätherbst zur Feier eines den Plastikern Pietro Canonica (Turin), Jules Lagae
Kirchenjubiläums seine Aufstellung finden wird, ist (Brüssel) und schießlich noch dem Architekten Hans
vom Künstler > Der Tod Jesur benannt und stellt das Grässel (München). — Der Bildhauer Arnold Künne,
zu jeder Zeit gemalte Kruzifix dar, Christus daran dessen Raiffeisen-Denkmal in Heddesdorf bei Neu-
geheftet, zu beiden Seiten die Mutter Maria mit dem wied unlängst (10. Juli) enthüllt wurde, ist mit der
Lieblingsjünger Johannes und Maria Magdalena. Herstellung eines Entwurfes für ein Kaiser Friedrich-
Der Gekreuzigte ist eine durchaus edle Jünglings- Denkmal in Soest betraut worden. — Die Enthüllung
gestalt, auf deren blassen Lippen das Erlösungs- des von Prof. Fritz Schaper geschaffenen Denkmals
wort >Es ist vollbracht« zu schweben scheint. Das des Großen Kurfürsten für Fehrbellin ist für Ende
Auge bricht, und um den Helden und Kämpfer Oktober in Aussicht genommen. — Dem Bildhauer
leuchtet der Friede nahender Verklärung. Der bis Max Meissner wurde die Ausführung eines Peter
auf das Lendentuch nackte Körper des Heilands ist, Heinlein-Denkmals für Nürnberg auf Grund seines
vor allem im oberen Teile, mit reifer Pinselführung dafür vorgelegten Entwurfes jetzt definitiv über-
modelliert und zeichnet sich schon dadurch wirksam tragen. — Im Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses
als die Hauptfigur des Bildes aus, zur rechten Seite werden die von Prof. Georg Koch nach den Ideen
bildet Johannes, der die Mutter Maria in ihrem großen des Geh. Baurats Schulz auszuführenden Gemälde
Seelenschmerze liebevoll mit Sohnesarmen stützt, der preußischen Provinzial-Hauptstädte wie folgt
eine schön harmonisch ausgestaltete Gruppe, links verteilt werden: Das größte Mittelfeld der Nordwand
erblickt man die schöne Sünderin Maria Magdalena, hinter dem Präsidentensitz gehört der Provinz Bran-
schmerzvoll zusammengebrochen, in edler Rücken- denburg, mit einem Blick auf das Kgl. Schloß in
ansieht. Die Gewänder sind in dunkeln, stumpfen Berlin (Wasserseite), so daß auch der Dom und im

Hintergrunde das Denkmal des Großen
Kurfürsten sichtbar werden. Rechts
für den davorstehenden Beschauer
kommt für Ostpreußen das Bild des
Kgl. Schlosses zu Königsberg; links
für die Provinz Sachsen ein Blick auf
Magdeburg, auf den Fürstenwall und
den Dom vom Roten Horn gesehen.
Die Ostseite ist für die Provinzen
Schleswig-Holstein, Westpreußen und
Pommern bestimmt, so daß zwei
Hafenbilder von Kiel und von Stettin
dem Gemälde des Langen Marktes
von Danzig zur Seite stehen werden.
Auf der südlichen Wand folgen dann
Posen und Schlesien mit den Rat-
häusern von Posen und Breslau und
Hannover mit einem Gemälde, das
noch nicht fest bestimmt ist. Die
vierte, westliche, Seite nimmt die Pro-
vinzen Hessen-Nassau, Westfalen und
die Rheinprovinz auf; von Frankfurt
wird man den Römer mit dem Blick
. auf den Dom zu sehen bekommen,
von Köln den Dom von der Rhein-
brücke aus und von Münster die
Türme der Lambertikirche. Auch
einen figürlichen Schmuck erhält noch
der Saal; für die beiden Nischen zu
Seiten der Brandenburger Wand sind
zwei allegorische Standbilder be-
stimmt: Recht und Gesetz, deren
Ausführung Professor Adolf BrCtt
übertragen worden ist. — Der Bild-
hauer Louis Tuaillon beabsichtigt
im kommenden Frühjahr von Rom
franz von lenbach Fridtjof Nansen nach hier zu übersiedeln.

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