Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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Straßenfluchten, mit der konstruktiven, wuch-
tigen Notwendigkeit seiner Hochbahnanlagen
und der Menge jener Formen, die sich das
moderne Leben auf der natürlichen Basis
der neuzeitlichen Lebensbedürfnisse er-
schaffen hat.

Hermann Esswein u. Ernst Neumann

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

DERLIN. Zum >Fall Reinhold Begas«, der im
letzten Heft erwähnt ward, äußerte sich die
Norddeutsche Allgemeine Zeitung« offiziös, daß die
Meldungen von einem unfreiwilligen Rücktritt des
Meisters auf Erfindungen beruhten. Die i Kunsthalle:
bemerkt dazu, daß die Immediateingabe der Meister-
schüler Begas', in der es heißt, daß Begas ihnen
»das Versprechen gegeben habe, sein Lehramt nicht
zu verlassen, wenn ihm wie bisher völlige Frei-
heit in seiner seit fünfundzwanzig Jahren bewährten
Lehrmethode gewährleistet würde«, im ausdrück-
lichen Einverständnis mit dem Meister veröffent-
licht worden sei. Wenn jetzt Begas die Auslassung
der >Nordd. Allg. Zeitg.« als richtig gelten lasse, so
müsse man mit einer Sinnesänderung des Künstlers
rechnen, die »vielleicht als unbeabsichtigte amtliche
Beeinflussung« zu deuten sei. Befremdend wirke auf
alle Fälle sowohl die Hast, mit welcher im akade-
mischen Senat, im Ministerium und an allerhöchster
Stelle der Rücktritt Begas' behandelt worden sei,

als auch die Tatsache, daß die knapp vier Wochen
nach dem Entschluß des Meisters im Dezember
schon vollzogene Ernennung seines Nachfolgers
erst jetzt bekannt gegeben werde. — Otto Eckmann's
künstlerischer Nachlaß an Studien jeder Art und an
Entwürfen seiner graphischen und kunstgewerblichen
Arbeiten ist zu annähernd gleichen Teilen von dem
Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, dem
Krefelder Kaiser Wilhelm-Museum und von der Bib-
liothek des hiesigen Kunstgewerbe-Museums über-
nommen worden. — Im Auftrag des Kaisers wird
Professor Adolf BrOtt ein Standbild Kaiser Wil-
helms I. ausführen, das diesen als siebzehnjährigen
Prinzen darstellen soll. Das Denkmal ist für die
Luiseninsel im Tiergarten bestimmt. — An der un-
längst erwähnten künstlerischen Ausschmückung
des »Großen Sterns«, deren Kosten, wie jetzt be-
kannt wird, die Große Berliner Straßenbahn-Ge-
sellschaft bestreitet, sind außer Kuno von Uecht-
ritz und Karl Begas noch die Bildhauer Prof.
Max Baumbach, Prof. Fr. Schaper, Wilh.
Haverkamp und Reinh. Felderhoff beteiligt.
Richtig ist, daß die Auswahl der Künstler und die
Anordnung der Gestaltung des Ganzen dem Kaiser
überlassen war. — Das dem Tiergarten bestimmte
Haydn - Mozart-Beethoven-Denkmal soll noch in
diesem Jahr zur Aufstellung kommen. Die Haupt-
teile des neuen Denkmals werden bereits in Marmor
ausgeführt, Prof. Dr. Rudolf Siemering arbeitet
nur noch an den drei Reliefs, welche auf die
Eigenart der drei Tonmeister hindeuten, denen die
Denkmalsanlage gewidmet ist. — Geheimrat Prof.
Herm. Ende, der Präsident der Akademie, wurde von
der technischen Hochschule in Charlottenburg zum
Dr. ing. hon. causa ernannt.

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