Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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-b-5^> AUGUST SCHAEFFER <S*-«-

ÜNCHEN. Der Bildhauer Ignatius Taschner
wurde als Lehrer an die Kunstgewerbeschule in

der „Wolfgangsee bei vorüberziehendem Ge- Und dabei diese Formbeherrschung, dieses
witter" und der „Salzburger St. Petersfried- sichere zeichnerische Detailgefühl und doch
hof" waren im Besitz der verstorbenen diese einheitlich starke Gesamtwirkung!
Kaiserin, ein Altausseer Motiv besitzt die Es liegt eine köstliche Frische, ein unbe-
Erzherzogin Gisela. Eine Buchenwaldpartie schreiblicher Duft auf diesen wie im Früh-
bei Purkersdorf leuchtet in üppigem Früh- lingssafte erschauernden Baumgruppen, mit
sommergrün bei feuchtem Morgen, bei einem ihrem zart durchbrochenen Geäst, das Luft
Helgoländer Küstenbild ist mir die ausge- und Licht durchwittern. Welch kraftvoller An-
zeichnete Perspektive in Erinnerung. Für schlag dagegen der Fichtenwald im November-
das naturhistorische Museum hat Schaeffer schnee! Den Wolfgangsee hatSchaeffer wieder-
sechs große Wandgemälde geschaffen und für holt gemalt; hier überrascht die Spiegelung
das Parlament mehrere Entwürfe. im Wellenflimmer. Ich halte inne! Glück-
Mittlerweile war mit Beginn 1881 unser auf glücklicher Siebziger! Hätten wir nur
Künstler, welcher ein Dezennium an derKunst- ein Halbdutzend solcher in der neuen Kunst
akademie zuerst als Skriptor, dann als Kustos Verjüngter, wie du, wir könnten von einem
gewirkt, als Kustos und Direktorstellvertreter vor allen Tagesströmungen und -Spaltungen
der kaiserlichen Belvedere-Galerie in den sicheren Wiener Kunsterbe sprechen.
Hofdienst getreten. Nach dem Tode Engerths

zum Direktor ernannt wurde Schaeffer zu der -

schwierigen Aufgabe der Umstellung der in-
zwischen in Hasenauers Kunstpalast über- PERSONAL- UND
siedelten Belvedere-Galerie berufen. Diese

Neuordnung war unausweichlich geworden, ATELIER - NACHRICHTEN
sollte dem Besucher der durch die Engerth-

schen Mißgriffe geschmälerte Genuß einer IV1

Reihe von ersten Kunstwerken unverkümmert Breslau berufen. — Am

geboten werden. Schaeffer, der feine Kunst- 12. April ist in Bozen

empfinder und -Gelehrte, löste die Aufgabe in der Bildhauer Professor

!■• j n> • j n u ■ , on^ Syrius Eberle,Lehrer

so glänzender Weise, daß man vom Mai 1894, an der hiesigen Aka-

wo die Neuaufstellung vollendet war, einen demie der bildenden
neuen Abschnitt in der Geschichte der kaiser- Künste, gestorben. Ge-
liehen Galerie datieren kann. Erst seit jenem boren l844 zuu ™™nt?n
_ . , „ . .. , . , im Algau, erhielt Eberle
Tage in der Tat ist uns dieser unvergleich- seine künstlerische

liehe Bilderschatz wahrhaft erschlossen wor- Ausbildung bei Widn-

den. Und inmitten dieser aufreibenden mann in München,

Tätigkeit reifte die Kunst Schaeffers zu machte «cn frühzeitig
,„. , . ■ , , -. einen Namen durch
Werken, wie sie uns zwei Jahre spater, verschiedene kirchliche
1896, zur freudigsten Ueberraschung aller Figuren, die er auftrags-
beschert werden sollten. Wir reproduzieren weise für Brasilien und

einige der hervorragendsten, welche unserem Pe.ru sch,uf' "n,d,f jStlgt?

. , , „ . a , ... seinen Rur bald darauf

Landschaftsmeister zu höherer Ehre ge- QurCh ein glücklich syrius eberle

reichen als Orden und Ehrungen, die ihm komponiertes Krieger- <t am 12. April)

als einem der Hingehendsten an Kunst und denkmal für Kempten.

Pflicht so freier, verdient zuteil geworden. KöniS Ludwig II. bedachte den Künstler mit

. . ,, . , ö ,v.. mancherlei dekorativen Auftragen. Als Nachfolger

Vorwiegend sind s Motive aus dem Wiener Knabls übernahir Eberle inf Beginn der acht-

Walde, dem kaum je ein Maler seine in- ziger Jahre eine Professur an der Münchener Aka-
timsten Reize und Stimmungen so glücklich demie. Von der schlichten und ehrlichen Kunst
abgelauscht hat, wie August Schaeffer, der des Verewigten zeugen das Gabelsberger-Denkmal
, , ,v, .. . , in München, das die Gedankenarbeit der beiden
malende Poet der Waldseele. Die pracht- Forscher so ehrfurchtgebietend verkörpernde Denk-
vollen, saftigen Eichen- und Buchenwald- mal der Brüder Grimm in Hanau (Abb. >K. f. A.<
partien unseres Meisters sind allbekannt XII. Jahrg. H. 3) sowie die beiden großzügig model-
und reproduziert, sie geben seinem früheren Herten allegorischen Gestelten dp Handels und der
_ , _ r . _ .. 0 . Floßfahrt an den westlichen Pvlonen der Ludwigs-
Schaffen das Gepräge, diese duftigen Früh- brücke in München. In dem letzten Jahre beschäf-

lingsmotive aus seinen letzten Jahren sind tigte den Künstler das ihm aus einer Konkurrenz

entzückende Neukunst. Den feinfühligen heraus übertragene Kaiser Wilhelm-Denkmal für

Koloristen erkennen wir sofort selbst im Nürnberg, das Eberle in dem lebensgroßen Hilfs-

_ . ,-,jjn,, c-j Modell fertig hinterlaßt, und das somit in seinem

Schwarzbild, da fehlt, man empfindet es, sinne vollendet werden kann. Von den gelegem-

kein Ton in der leise klingenden Skala. liehen sonstigen Schöpfungen Eberles sei ein

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