Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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-3-i^> AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS <^=^-

vom 1864er Salon beanstandeten Doppelakt, der da-
mals allgemein für eine Illustration zu Belots schlüpf-
rigem Roman >MlIe. Giraud ma femme« erklärt und
dessen eine Gestalt von Courbet später für das be-
rühmte Bild >La femme au perroquet« verwendet
wurde. Diese Gestalt, ein auf einem Ruhebett nackt
schlafendes Mädchen, das von einem vor ihr knieen-
den jungen Weibe mit begehrlichen Augen betrachtet
wird, hat in der Wiedergabe des Körpers sehr feine
malerische Schönheiten. Das Ganze aber wirkt süß-
lich und akademisch. Man begreift Zola, der in der
femme au perroquet Courbet nicht wiederkennen
wollte Die Ausstellung beweist, daß Courbet ein ge-
schmackvoller, kultivierter Maler war, der sich durch-
aus nicht von der Tradition entfernt hat. Seine
Stellung als Bahnbrecher, als Befreier vom Zwange
des Klassizismus charakterisiert diese Darbietung
nicht. Wenn man von dieser historischen Be-
deutung des Künstlers nichts wüßte, könnte man
von den meisten hier gezeigten Sachen behaupten,
daß sie wenig oder gar nicht interessieren. Viel
bezeichnender für die Schätzung ihrer Urheber sind
die ausgestellten Bilder von Millet, Corot und
Delacroix. Besonders eine Gänsehirtin von Mil-
let, die ihre Tiere mit einem Stecken ins Wasser
jagt, eine aquarellierte Zeichnung, ist ersten Ranges.
Die große Einfachheit, mit der die Scene geschildert,
j. Q. a. ward ««««gruppe vom d'e Bewegung des Kindes und der Gänse ausge-

beecher-denkmal drückt ist, hat etwas Bezwingendes. Man denkt

sogleich an Rembrandt. Auch ein Delacroix,
Blick aus einer Felshöhle auf das Meer, auf dessen
AUS DEN BERLINER bewegten, aber schon wieder blauen Wogen ein

Boot mit Schiffbrüchigen tanzt, ist sehr schön.
KUNSTSALONS Eine Kollektion neuer Bilder von Leistikow,

Grunewald- und Nordlandslandschaften, zeigt den
W/'enn man sich vergegenwärtigt, welche vielum- Künstler von keiner neuen Seite.
" strittene Erscheinung Gustave Courbet in In Ed. Schultes Kunstsalon hatte Adalbert
den Jahren seiner besten Schaffenskraft war, welchen Nie.meyer Bilder ausgestellt, die von den letzten
außerordentlichen Eindruck seine Ausstellung 1869 Münchner Ausstellungen her schon bekannt sind,
im Münchner Glaspalast hinterließ und wieviel einige Der Künstler wirkt durch seine unbefangene Frische,
große deutsche Künstler wie
Leibi, Trübner, Thoma, Victor
Müller u. a. ihm verdanken, ist
man ein wenig enttäuscht über
die Wirkung einer Sammlung
seiner Bilder im Salon Paul
Cassirer. Es handelt sich frei-
lich meist um Landschaften.
Man sieht Wälder im sommer-
lichen Grün oder verschneit.
Schweizerberge und Jurahöhen.
Aber was sind diese Bilder
schwarz, luftlos und starr! Nur
eine große Leinwand zeugt für
einen überragenden Künstler.
Sie stellt einen Schneesturm in
einer weitgesehenen großartigen,
Wälder und Felder, Dörfchen
und Weiler umfassenden Jura-
landschaft dar. Ein schwerer
grauer Himmel hängt hernieder,
und in dem zusammengewehten
Schnee ist auf der Chaussee ein
Postwagen stecken geblieben.
Rosse, die sich bäumen, Passa-
giere, die im Schnee herum-
waten und jammern, hat der
Künstler überaus naiv dazuge-
malt. Aber die Natur ist wunder-
bar geschildert und voll bezwin-
gender Stimmung. Dergleichen
macht kein Talent zweiten Ran-
ges. Man findet hier ferner den w". o. partridge denk ma l des General gr ant

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