Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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UEBER BILDERPREISE

Von Prof. Dr. Konrad Lange (Tübingen)

Wer einige Zeit mit dem Ankauf von Bildern bequem sein mag, daß an seine pekuniären
für eine öffentliche Sammlung zu tun Interessen gerührt wird, so will ich doch
hat, kommt bald zu der Ueberzeugung, daß hier einmal versuchen die Art, wie Bilder-
es mit den Bilderpreisen bei uns in Deutsch- preise zu stände kommen, etwas zu be-
land nicht so bestellt ist, wie es sollte, d. h. leuchten.

wie man im Interesse sowohl der Käufer Faßt man dabei nur unsere deutschen Ver-
wie der Künstler wünschen könnte. Prof. hältnisse ins Auge, so bemerkt man sofort,
Marc Rosenberg in Karlsruhe, selbst ein fein- daß hier nicht alle Fälle über einen Kamm
sinniger Mäcen, der schon manchen jüngeren geschoren werden können. Zunächst müssen
Künstler durch Ankauf von Bildern unterstützt die Auktionen, bei denen die Höhe der Preise
hat, stellte in einer Besprechung der Karls- oft ganz vom Zufall abhängt, aus dem Spiel
ruher Jubiläums-Ausstellung in der „Allgem. bleiben. Man kann auf einer Auktion, wenn
Zeitung" die Behauptung auf, daß eine man selbst anwesend ist und ein sicheres
mäßige Börse in Karlsruhe nur französische Kunsturteil hat, außerordentlich preiswürdig
und englische Bilder kaufen könne, aber kaufen, man kann sich aber auch, wenn die
wenig deutsche und fast gar keine Karls- Konkurrenz sehr groß ist und der Wetteifer
ruher. Das mag vielleicht übertrieben sein, beim Ueberbieten das Blut zu Kopfe treibt,
aber etwas Wahres ist gewiß
daran. Bei der letzten inter-
nationalen Ausstellung in Dres-
den war das Kabinett der
Schotten gegen Ende der Aus-
stellung fast ganz ausverkauft,
während eine große Menge
sehr tüchtiger deutscher Bil-
der noch immer ihres Käufers
harrten. Man könnte geneigt
sein, dies auf die Ausländerei
zu schieben, d. h. auf die Sucht
der Deutschen, fremde Bilder
den einheimischen nur deshalb
vorzuziehen, weil sie „weit
her" sind. Das erweist sich
aber als Irrtum, wenn man
hört, daß diese schottischen
Bilder nur einige hundert Mark
das Stück kosteten, also jedem
nur halbwegs wohlhabenden
Kunstsammler zugänglich wa-
ren. Es liegt hier ein Fall
vor, wo eine künstlerisch
durchaus anerkannte Schule
des Auslandes, obwohl sie
weiß, daß sie auch höhere
Preise erzielen könnte, doch
freiwillig auf den niedrigeren
beharrt, weil sie wünscht, ihre
Bilder unter allen Umständen
zu verkaufen.

Das sind Tatsachen, die zu
denken geben. Und wenn es
auch manchem Künstler un- franz von lenbach frau von lenbach m. tochter

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