Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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■m-^> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <ö^~

ludwig willroider acl.

wir an der Serie ebenso poetischer, als in ihrem
PERSONAL- UND Schwarz-Weiß virtuos behandelter Zeichnungen, was

wir freilich auch aus manchem seiner Staffeleibilder
ATELIER - NAGHRIGHTEN schon erkannt, daß er auch für die intimste Landschaft,

die diskreteste Stimmungskunst, nicht weniger Talent
MÜNCHEN. Im Kunstverein und jetzt wieder und Neigung mitbringt, als zu seinen Katas-trophen-
im Münchener Glaspalast hat der Land- Schilderungen. Ja, es waren unter den Blättern der
schafter Ludwig Willroider durch die Ausstel- im Kunstverein ausgestellten Kollektion handgroße,
lung einer großen Serie von Handzeichnungen mit den allerbescheidensten und einfachsten Mitteln
kleineren, ja kleinsten Formates aufs angenehmste geschaffene Zeichnungen, die in ihrer Art geradezu
überrascht. Die wenigsten Münchener Kunst- als Meisterstücke gelten konnten und an Stimmungs-
freunde hatten den Maler bisher von dieser Seite gehalt, an dichterischer Verklärung ihrer anspruchs-
einer intimen, mit leichter Hand geübten Kunst losen Motive sicherlich auch in farbiger Behandlung
gekannt. Sein eigenstes Gebiet war ja bis jetzt ein nicht mehr hätten überboten werden können. Ein
sozusagen gegenteiliges, die heroische Landschaft. paar hier reproduzierte Blätter sind charakteristisch
Noch im vorigen Jahre sahen wir im Glaspalast ein für jene Serie und kennzeichnend für Willroiders
Riesenbild von seiner Hand, das in großzügiger ganze Landschaftsmalerei überhaupt,mit ihren schön-
Auffassung und gewaltigem Ernst geformten und geschickt im Raum

der Stimmung die Erde nach dem ^_ plazierten Baumgruppen,den starken

Verlaufen der Sündflut darstellte. Gegensätzen breiter Schattenmassen

Seine »Sündflut« in der Neuen Pina- *^MH^^ri^H* zum '■'-h'611 Himmel. Es wird inter-

kothek, seine >Dies irae u. s. w. IHiiV —^^^^^^^^^^P essieren, daß diese stattliche Reihe
sind typische Werke seines nach tjL von Zeichnungen im Krankenhause

hohen Zielen strebenden Geistes. HIB entstanden ist, an das den Künstler

Der Schüler eines Lier und Eduard f I AT. ein langwieriges, zum Glück nicht

Schleich, der, nun wieder erst in \ . l * allzu schmerzhaftes Leiden fesselte,

voller Würdigung erkannten, be- Hier hat er die unfreiwillige Muße

rufenen Schilderer der oberbaye- r - <v^k ^Mtes-Eft und die Arbeitsruhe, die damit

rischen Hochebene, hat aus sich ^mnH Br? verbunden sind, genutzt, um jene

eine landschaftliche Monumental- i schönen Griffelspiele zu schaffen,

kunst großen Stils schaffen und t von denen s'cn fünfzehn Blatt das

gleichzeitig doch auf der Basis ^^~m M^HHk. hiesige Kupferstich-Kabinett sofort

treuer Naturbeobachtung bleiben i^^^^B gesichert hat. .Manch andere öffent-

wollen. Aber unsere Zeit ist jeder liehe oder private Sammlung dürfte

heroischen Kunstauffassung eher ab- darin nachfolgen. Auch ist, wie wir

als zugeneigt, und nur ausnahms- *d mit Freuden bei dieser Gelegenheit

weise konnte sich Ludwig Willroider. HHflG^^fll anzeigen, für ein weiteres Bekannt-

jenen Neigungen entsprechend, in *=^^=^^^^^^^^^^^m Werden der Schöpfungen dadurch

großen Werken ausleben. Nun sehen ludwig willroider gesorgt, daß eine größere Anzahl

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