Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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leon hereo salome

AUS DEN BERLINER

KUNSTSALONS

enn die Berliner Kunst im allgemeinen auch
noch nicht dahin gelangt ist, eine größere An-
zahl Aufsehen erregender Kunstwerke in schnellerer
Folge zu produzieren, so läßt sich doch nicht ver-
kennen, daß das Niveau von Jahr zu Jahr besser
wird. Eine als Gesamtheit so anständig wirkende
Ausstellung, wie sie die ^Vereinigten Clubs* im
Künstlerhause zu zeigen haben, wäre vor einem
Dezennium noch undenkbar gewesen. Sie enthält
gewiß nichts Aufregendes, aber viele Arbeiten, die
überall als gut bemerkt werden würden. Freilich
sind es immer wieder nur die bekannteren Künstler,
deren Leistungen Erwähnung verdienen. Der Nach-
wuchs will noch nicht recht nachkommen. Otto
H. Engel läßt u. a. einen recht gut beobachteten
>Sturm< sehen. Nichts von in Not geratenen Men-

schen und Schiffen! Ein hoch gelegenes Fischerdorf,
gegen dessen Dünen die aufgeregten Wogen stür-
men. Die Bewegung im Wasser vortrefflich und
die Wirkung der heftig gehenden Luft auch in der
Vegetation gut zum Ausdruck gebracht. Bei Ludwig
Dettmann erscheint dergleichen schon viel heroi-
scher. Sein See, über dem sich >Nach dem Ge-
wittersturmi ein Regenbogen spannt, und dessen
langschleppende Wellen gegen ein grünes, vom
Regen nasses Ufer schlagen, sieht imposanter aus
als Engels Meer, ist aber kaum wahrer. Und dann
kann Dettmann wieder, beweglich wie er ist, so
liebenswürdig sein, wie nur irgend ein Genremaler.
Seine Friesin, die in ihrer weißen Kammer vor
einer braunen Kommode, neben einer grünen Truhe
an ihrem »Schmuckkästchen* hantiert, empfiehlt
sich aber trotz aller sauberen Details durch gute
malerische Qualitäten. Einer, der stetig voranrückt,
ist Philipp Franck. Sein Realismus wirkt zwar
häufig noch recht prinzipiell, ist aber entschieden
ehrlich. Er malt Situationen aus dem Leben der

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