Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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DIE NEUEN BERLINER AKADEMISCHEN HOCHSCHULEN HAUPTFRONT

DIE NEUEN AKADEMISCHEN HOCHSCHULEN
ZU BERLIN-CHARLOTTENBURG

Mit großem Glänze sind am 2. November Jene merkwürdige Konstellation hat nun
die neuen akademischen Hochschulen endlich aufgehört. Der Marstall ist ganz am
zu Berlin-Charlottenburg ihrer Bestimmung Schloßplatz, neben Schlüters Großem Kur-
übergeben worden. Auf dem Gelände der fürsten, zusammengezogen, und hat da einen
Tiergarten-Baumschule haben die räumlich stattlichen Barockbau von Ihne. Die alte
bisher getrennten Unterrichtsanstalten der Akademie Unter den Linden wird abgerissen
Kgl. Akademie der Künste eine gemeinsame und ist später im wesentlichen für den Neu-
Stätte der Arbeit gefunden, und da nördlich bau der Königlichen Bibliothek bestimmt,
hievon die imposante Technische Hochschule In Charlottenburg aber hat sich jetzt eine
sich ausbreitet, so ist jetzt zu Charlottenburg besser geartete „Realunion" vollzogen: Den
zwischen Hardenberg- und Berlinerstraße ein bildenden Künsten ist die bisher in der
neues, umfangreiches Akademieviertel ins Potsdamerstraße befindliche Musikhochschule
Leben getreten. Oestlich, an der Fasanen- hinzugetreten. Zu Farbe und Ton gesellen
Straße, reiht sich eine dem Mars geweihte sich nun anregende „Töne"; das ist eine
Stätte an: die Artillerie- und Ingenieurschule. Verbindung, die sich hören läßt. Hier führt
Bei dem Charakter dieser militärischen Bil- Anton von Werner, dort Josef Joachim das
dungsanstalt wird hoffentlich das geflügelte Scepter, und unter diesem Doppelklang gehen
Wort nicht gelten: Inter arma silent musae. nun die räumlich vereinigten Hochschulen

Die Kunstakademie hat ja über zwei Jahr- ihrer Zukunft entgegen,
hunderte in dem altersgrauen Bauwerk Unter „Musis et mulis", so hatte einst Friedrich
den Linden zu Berlin eine ganz andere der Große mit Recht in Bezug auf die alte
Nachbarschaft ertragen: Die jungen Künstler Akademie gespottet. Heute steht am Haupt-
hatten dort die beste Gelegenheit zu— Pferde- gebäude der neuen Kunsthochschule in gol-
studien; denn mit den Akademien der Künste denen Lettern über dem Portal die vom
und Wissenschaften war in trauter Harmonie Kaiser persönlich bestimmte Inschrift:
der Marstall vereinigt, das „Haus für die Erudiendae artibus iuventuti (Der Jugend zur
königichen Pferde", wie in Stockholm ein Ausbildung in den Künsten). Darüber hat
Kollege vom „ Aftonbladet" mir ein gleich- Ludwig Manzel das Giebelfeld mit einer wohl-
artiges Institut verdeutschte. gegliederten Komposition geschmückt: Die

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