Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

Page: 148
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1902_1903/0163
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
«!f-SÖ> DIE KOSTÜMFRAGE IN DER DENKMALSKUNST <Ö^-

mehr zur Heimat der Plastik, zur Antike und zu
ihren Wiedergeburten zurückführen. Eine aber-
malige Wiedergeburt der antiken, ursprünglich
hellenischen und zuletzt Goetheschen Kunst- und
Kulturideale scheint uns nicht bevorzustehen. Unter
unseren Augen bildet sich eine durchaus neuartige,
spezifisch moderne Kultur, eine Kultur der Maschine,
des internationalen Fernverkehrs. Die neue Zeit
drängt zur Schaffung neuartiger, spezifisch moderner
Kunstformen, die den modernen Geist in sich auf-
nehmen werden, ohne daß dann, wie bei aller
heutiger Denkmalskunst, ein ungelöster Rest stehen
bliebe. Formen, die unserem realistischen Empfinden
genügen werden, ohne anderseits unästhetisch zu
sein. Ist es aber der Denkmalsplastik unmöglich,
diese Ausdrucksformen zu rinden, so würde eben
mit ihr eine veraltete Kunstform absterben, und
diejenigen, denen es Herzensbedürfnis ist, unsere
Großen, außer durch ihre Taten, noch durch künst-
lerische Huldigung auf die Nachwelt gebracht zu
wissen, müssten zur Befriedigung dieses Dranges
eben einen anderen Weg suchen als den der plasti-
schen Darstellung.
München Ernst Neumann Hermann Esswein

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

MÜNCHEN. Zu Ehrenmitgliedern der hiesigen
Kgl. Akademie der bildenden Künste sind er-
wählt worden die Maler Professor Waldemar
Kolmsperger-München und Lucien Sl.mon-Paris,
der Bildhauer Professor Hermann hahn-München
und der Architekt Professor Karl Hocheder-

München. — Die >Se-
cession* hat neuer-
lichst den Verlust eines
ihrer tüchtigsten, jün-
geren Mitglieder zu ver-
zeichnen. Am 27. Ok-
tober starb, erst 34Jahre
alt, der Landschafts-
maler Hans Fehren-
berg. Der Dahinge-
schiedene ward am
2. November 1868 zu
Kassel geboren und
machte seine ersten
Studien an der Kunst-
akademie seiner Vater-
stadt; 1889 kam er nach

hans fehren berg München. Seine Bilder
(gest. am 27. Oktober) zeichnete ein kraft-

voller, manchmal etwas
schwerer Kolorismus
und ernste, tiefe Naturempfindung aus. In den
letzten Jahren litt Fehrenberg unter einem starken
Nervenleiden, das ihn im September 1901, als er
auf der Reise von Kassel nach Worpswede sich be-
fand, zwang, eine Bremer Heilanstalt aufzusuchen.
Dort hat ihm jetzt der Tod Erlösung gebracht.
— Ferner ist der Hofmaler Ferdinand Knab,
Architektur- und Landschaftsmaler, am 3. No-
vember hierorts verstorben. Geboren am 12. Juni
1837 zu Würzburg, erhielt der jetzt Verewigte den
ersten gründlichen künstlerischen Unterricht bei
Heideloff in Nürnberg; 1859 ging er zur weiteren
Ausbildung nach München, wo er Schüler von
E. Kirchner, Ramberg und Piloty wurde. Es ge-
schah bald, daß Knab durch seine Stimmungsbilder

148
loading ...