Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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entwicklung bekanntlich stark beeinflußt haben. Das Brinckmann. Diese Arbeitsteilungträgtsehrzurglück-
Buch wird, so angreifbar manche Urteile über ein- liehen Bewältigung und Belebung des riesenhaften
zelne Künstler auch sein mögen, als Ganzes kaum Gebietes der Knackfuß-Zimmermannschen Kunst-
Widerspruch erregen. Während das Interesse für geschichte bei, wie schon die Behandlung des Stoffes
die französische Malerei in den letzten Jahren ge- nach Architektur, Plastik, Malerei und Kunstgewerbe
waltig gewachsen ist, scheint die Begeisterung für teils in lichtbringenden Charakteristiken teils in mehr
die englische Kunst in den Kreisen des gebildeten pragmatischen Exkursen das Werk sowohl zur orien-
Publikums mehr und mehr zurückzugehen. Auch tierenden Lektüre wie als Nachschlagebuch em-
die englische Malerei gewinnt nicht bei näherer pfiehlt. — Freilich wird niemand in nur drei sehr
Bekanntschaft. Muther müßte nicht mitten in der handlichen Bänden, die, wenn man ihnen die äußerst
Bewegung stehen, wenn von dieser Stimmung nicht zahlreichen Illustrationen nähme, einen einzigen
ein gutes Teil in seine Geschichte gelangt wäre. So kaum sehr starken Textband bilden würden, einen
ist sein Buch in gewissem Sinne auch wieder ein in jedem Falle genügenden Aufschluß über einen
Kulturdokument geworden, das kennen zu lernen Künstler, seine Art und seine Werke erwarten. —
sich in jedem Falle lohnt. Hans Rosenhagen Wie die Mehrzahl der jüngst erschienenen zusammen-
fassenden Kunstgeschichten ist auch diese von Vel-

Allgemeine Kunstgeschichte von H. hagen & Klasing veröffentlichte in erster Linie

K nackfu ß un d Max Gg. Zim m ermann. II. Band: ein verdienstvolles und sicherlich auch verdienst-

Kunstgeschichte der Gotik und Renaissance. (Pr. bringendes Verlagsunternehmen. Diese Kunstge-

gebd. 12 M.) III. Band: Kunstgeschichte des Barock, schichten nach dem Standpunkte der Verfasser, dem

Rokoko, und der Neuzeit. (Pr. gebd. 14 M.) Biele- Geiste der Kunsthistoriker, ja sie nur nach dem

feld, Velhagen & Klasing. Werte der Abbildungen stichhaltig zu würdigen, wäre

Der zuerst genannte Herausgeber dieser Allge- eine umfangreiche Arbeit für sich. Diese Arbeit
meinen Kunstgeschichte hat nur geringen Anteil dürfte aber noch weniger Dank seitens der Kunst-
an der Bearbeitung des zweiten und dritien Bandes. Wissenschaft ernten, als diese kompilatorischen
Knackfuß hat nur den gotischen Stil und die Frühzeit Kunstgeschichten und sie wäre unzeitgemäßer als
der Renaissance behandelt. Die Renaissance und diese, die doch dem gesteigerten Bedürfnisse aller
die Kunst im Zeitalter des Barockstils hat M. G. nur einigermaßen intellektuell Regsamen entgegen-
Zimmermann mit gewinnender Frische und klarem kommen, den Wandel und das Werden im großen
Geiste geschildert. Die moderne Kunst seit dem künstlerischen Schöpfungsgebiete retrospektiv ver-
Zeitalter der französischen Revolution hat in Walter folgen zu können. Ich wüßte keinen Kunsthistoriker,
Gensei einen berufenen Würdiger gefunden. Klei- der nach dieser großen Leistung, die dem umfassen-
nere, von M. G. Zimmermann überarbeitete, Beiträge den historischen Geiste Max Georg Zimmermanns
zur Kunstgeschichte des sechzehnten Jahrhunderts Ehre und Dank zubringt, sobald ein ähnliches Werk
lieferten H. Michaelson, F. Schottmüller und Albert herausgeben könnte und dürfte. w. B.

LUDWIG RICHTER ABENDANDACHT (18*2)

Das Original im Städtischen Museum zu Leipzig

Redaktionsschluss: 22. August 1903. Ausgabe: 3. September 1903.

Für die Redaktion verantwortlich: F. Schwartz.
Verlagsanstalt F. Bruckmann a.-g. — Druck von Alphons Bruckmann. Sämtlich in München.
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