Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

Page: 233
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1902_1903/0252
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
^s5> DAS KÜNSTLERISCHE IN DER KUNST <ö£-»~

PETER SEVERIN KROYER BILDNIS: BJÖRNSTJERNE BJÖRNSON

Genuß möglich. Die Illusionstheorie ist also Vortäuschung der Natur hinstellte, was sie
tatsächlich die erste Theorie der Aesthetik, die gar nicht ist? Muß ich nicht glauben, daß
der künstlerischen Persönlichkeit vollauf Rech- meine Kritiker mit einer vorgefaßten Mei-
nung trägt, während z. B. die Theorien der nung, einem voreilig gebildeten Begriff von
Einfühlung und Assoziation dieselbe so wenig „Illusion" an meine Aesthetik herangehen,
berücksichtigen, daß sie nicht einmal das statt vor allen Dingen meiner Beweisführung
Kunstschöne vom Naturschönen (bei dem die unbefangen zu folgen! Ich wiederhole, daß
künstlerische Persönlichkeit doch wegfällt) sich mein Illusionsbegriff aus dem Gegensatz
scharf unterscheiden. zu den wirklichen oder beabsichtigten Täu-
Wie ist es möglich, daß diese meine Mei- schungen der Jahrmärkte, aus dem Gegensatz
nung so völlig mißverstanden werden konnte? zu Panoptikum und Panorama, zu Stereoskop
daß man sich einbilden konnte, meine Lehre und Kinematograph, kurz zur Unkunst gebildet
zu widerlegen, indem man mir einen Begriff hat. Und gerade weil das Wort Illusion in
der Illusion unterschob, den ich gar nicht dieser Beziehung mißverständlich ist, habe
habe, und meine Illusion als eine einfache ich an seine Stelle mit voller Ueberlegung

Die Kunst für Alle XVIII

233

30
loading ...