Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 12.1901

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Sammlungen und Ausstellungen.

Dresden. Bei Gelegenheit der Feier des 25jährigen
Bestehens der Königl. Kunstgewerbeschule wurden von
Seiten des Dresdner Kunstgewerbevereins 1000 M. be-
willigt, um als Grundstock für eine Krankenkasse für
Kunstgewerbeschü/erm dienen. Es sind ausserdem 2575,73 M.,
von Mitgliedern des Vereins gestiftet, hinzugekommen, so
dass die Gesamtsumme sich auf 3575,73 M. erhöht hat. —
Am 14. und 15. April 1901, Sonntag und Montag nach
Ostern, findet in Hamburg der Delegiertentag des Ver-
bandes deutscher Kunstgewerbevereiue statt. Etwaige
Wünsche bezw. Anträge seitens der Mitglieder sind schrift-
lich dem Vorstand bis 15. März 1901 einzusenden, -r-

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN

Berlin. Im Kunstgewerbe-Museum ist eine Sonder-
ausstellung eröffnet, welche in allen Teilen auf der Pariser
Weltausstellung von igoo beruht. Von ungewöhnlichem
Glänze ist die Gruppe der Prunkmöbel, welche auf Aller-
höchsten Befehl Seiner Majestät des Kaisers für Paris an-
gefertigt und jetzt hier ausgestellt ist. Dieselben sind be-
stimmt, eine Reihe neu eingerichteter Zimmer im König-
lichen Schlosse auszustatten, sie zeigen die Kunsttischlerei
verbunden mit Arbeit in Goldbronze, in einer unvergleich-
lichen Vollendung; zu den Möbeln kommt Gerät in Bronze
und Silber, Kamine, Spiegel, Schreibtischgarnituren, Schmuck-
vasen, alles aus Berliner Werkstätten, von denen Zwiener,
Borchmann, Preetz, Rohloff, Taubert an der Spitze stehen.
Hier wie auch in Paris treten ergänzend hinzu die Go-
belins von Ziesch, die Teppiche der vereinigten Smyrna-
Fabriken; Prachtgeräte der königlichen Porzellanmanufaktur.
Angeschlossen sind Bronzen, welche in den Werkstätten i
des Kunstgewerbe-Museums ausgeführt sind, meist nach
Modellen von Behrendt, von Rohloff gegossen und zise-
liert; ferner die grossen silbernen Kandelaber für den
Reichstag von Widemann. Diese Gruppe von Pracht-
stücken, welche lediglich in Berlin gearbeitet sind, füllt
die eine Hälfte des Lichthofes vollständig.

In der anderen Hälfte steht das grosse Musikmöbel
für die königl. Hochschule nach Zeichnung von Otto Eck-
mann, ferner die sämtlichen Ankäufe, welche das Kunst-
gewerbe-Museum aus den dafür bewilligten Mitteln in
Paris gemacht hat, Arbeiten in Edelmetall, darunter die
Schmuckstücke von Lalique und Falize, Kunsttöpfereien
mit den Figurengruppen von Sevres an der Spitze, die
Gläser von Galle und Tiffany, Bronzen, Holzarbeiten,
darunter die Intarsien von Spind/er. Eine besonders reiche
Gruppe bilden die Drucke und Bucheinbände.

Ueber den Bestand aller dieser Teile giebt ein den
Besuchern eingehändigtes Verzeichnis genaue Auskunft.

Dresden. Die neuere Abteilung der kgl. Gemälde-
galerie ist durch zwei namhafte Ankäufe bereichert worden.
Durch Vermittelung der Firma Ernst Arnold, hier, gelangte
eine stimmungsvolle Abendlandschaft des neuerdings nach
Karlsruhe übergesiedelten Prof. Ludwig Dill in ihren Besitz.
— Direkt aus Paris, wo das herrliche Bild eine der Zierden
der „Centennale" auf der Weltausstellung war, stammt die
andere Erwerbung. Es ist Puvis de Chavannes' wunder-
bare Fischerfamilie. Mit der Vertretung der ausserdeutschen
neuen Kunst kann die Direktion der Gemäldegalerie leider
nur recht langsam fortschreiten; um so willkommener ist
es, wenn eine Neuerwerbung zugleich so einwandsfrei ist
wie diese. Über Puvis kann man sich nicht mehr streiten;
er steht wie Watts unter den Engländern, über den Mei-
nungen der Parteien erhaben. Hat man doch mit Recht von
ihm, als er noch lebte, gesagt, er sei der einzige Maler der
Gegenwart, dem man eine grosse Wandfläche anvertrauen
könne mit dem sichern Bewusstsein, er werde keine Ge-

schmacklosigkeit begehen. Unsere „Fischerfamilie", die
eine Allegorie auf die drei Lebensalter in sich birgt, ist
die grosse erste Fassung des Bildes aus dem Jahre 1875,
von dem der Meister einige Jahre später eine kleinere
veränderte Wiederholung schuf. Sie leistet das höchste
und schönste an dekorativer und monumentaler Verein-
fachung von Farbe und Form. h. w. s.

Karlsruhe. Die Gemäldesammlung der Karlsruher
Kunsthalle ist kurz vor Weihnachten um zwei hervor-
ragende Neuerwerbungen: Arnold Böcklin's »Armut und
Sorge« und Ludwig Dill's »Überschwemmtes Salbeifeld«
bereichert worden, deren Bedeutung um so höher an-
zuschlagen ist, als Dill bis jetzt in der hiesigen Galerie
nicht vertreten war. Gleichzeitig ist noch eine Land-
schaft von Hoch (München) angekauft worden, die in
ihrer vornehmen Farbengebung und monumentalen Ein-
fachheit dem Rahmen sich wohl einfügt und ein stetes
Vorwärtsstreben des Künstlers nach reiferer und geistigerer
Auffassung bekundet. Überhaupt sind in dem vergangenen
Jahr, seit Hans Thoma die Direktion der hiesigen Kunst-
sammlungen übernommen hat, eine Reihe sehr fühlbarer
Lücken ergänzt worden. Als im Frühjahr die Münchner
Secession ihre Wanderausstellung von Donatello- und Ve-
lasquez - Reproduktionen nach Karlsruhe schickte, wurde
eine Anzahl der vorzüglichen Nachbildungen Donatello-
scher Skulpturen angekauft (u. a. die beiden Johannes-
statuen, der hl. Georg, das Paduaner Kruzifix, die Thon-
büste der Cecilia Gonzage) während bisher in der Ab-
teilung für Gipsabgüsse die toskanische Frührenaissance,
bis auf die Ghiberti'schen Bronzethüren, gefehlt hatte.

k w.

Paris. Vor zwei Monaten verkaufte der Direktor des
kaiserlichen Museums in Tokio, Herr Fukutschi, dem Musee
Guimet eine Anzahl Dokumente, die sich auf die Anfänge
der japanischen Kunst beziehen. Herr Fukutschi bot seine
Sammlung, die aus Photographien und Zeichnungen nach
japanischen Kunstwerken aus dem 6. 10. Jahrhundert be-
steht, dem Louvre an, aber im Louvre hatte man kein
Geld dafür, und auf ein Tauschgeschäft, wie es ihm vor-
geschlagen wurde, wollte der Japaner nicht eingehen. Der
Direktor der Sammlungen im Louvre bot ihm nämlich für
seine Dokumente allerlei Photographien und Abgüsse, und
Herr Fukutschi wollte Geld. Sehr hoch war seine For-
derung indessen nicht, und das Musee Guimet kaufte ihm
seine Abbildungen schliesslich für fünfhundert Franken ab.
Vermutlich war das ganz gut bezahlt, denn die Japaner
sind mindestens ebenso helle wie die Sachsen, und in der
That stellte sich nach dem Ankaufe heraus, dass die
meisten dieser Dokumente bereits in japanischen und eng-
lischen Werken über die japanische Kunst veröffentlicht
worden waren und somit nur noch einen geringen Wert
besässen. Indessen hat dieser Ankauf den willkommnen
Anlass zu einer Reihe von Vorlesungen über die Anfänge
der japanischen Kunst gegeben, deren erste der Konser-
vator des Musee Guimet, Herr Deshayes, am 13. ds. Mts.
nachmittags gehalten hat.

Das Musee Guimet ist eines jener kleinen Museen,
die in Paris so zahlreich sind, privaten Schenkungen oder
Legaten ihre Existenz verdanken und nur von solchen
Leuten besucht werden, die sich mit dem hier speziell
kultivierten Gebiet befassen. Das spezielle Gebiet des in
der Nähe des Trocadero gelegenen Musee Guimet ist die
asiatische Kunst, und ich glaube nicht, dass es in Europa
eine vollständigere Sammlung japanischer, chinesischer und
indischer Kunstwerke giebt, als sich hier vereinigt findet.
Wer die Meisterwerke der japanischen und chinesischen
Schnitzer, Töpfer und Schmiede studieren will, dürfte kaum
irgendwo bessere Gelegenheit dazu finden als hier, und
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