Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 12.1901

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Bücherschau. — Nekrologe. — Institute. — Wettbewerbe.

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dieselbe Strömung. Während bisher die ausländischen
Mitglieder der Oesellschaft mit den Franzosen gleich-
berechtigt waren, ist ihnen jetzt die Befähigung, der Auf-
nahme-Jury anzugehören, genommen worden. La France
aux Francais, der Wahlspruch der Chauvinisten, scheint
jetzt auch bei den Künstlern Wiederhall zu finden.

Karl Eugen Schmidt.

BÜCHERSCHAU

Ponpeji in Leben und Kunst. Von August Mau. Mit
278 Abbildungen im Text, 12 Heliogravüren und Voll-
bildern und 6 Plänen. Leipzig, Verlag von Wilhelm
Engelmann. 1900.
Der vor mehr als Jahresfrist erschienenen englischen
Übersetzung (Pompeii, its life and art. New York, The
Macmillan Co. 1899) ist jetzt auch die deutsche Ausgabe
von Mau's »Pompeji in Leben und Kunst« gefolgt, für die,
wie die Vorrede besagt, »das der englischen Ausgabe zu
Grunde liegende Manuskript überarbeitet, hie und da ver-
bessert und durch Hinzufügung des Kapitels über den seit-
dem ausgegrabenen Tempel der Venus Pompejana auf
das Laufende gebracht wurde«.

Das neue Werk des bekannten Archäologen kann als
beste Ergänzung zu seinem kleinen »Führer durch Pom-
peji« betrachtet werden (1898 bereits in dritter Auflage
erschienen) und wird sowohl dem Kenner Pompejis als
Erinnerung an die dort verlebten unvergesslichen Stunden
als auch dem künftigen Besucher der Stadt als treftliche
und eigentlich unentbehrliche Vorbereitung hochwill-
kommen sein.

Mau's Pompeji ist nicht etwa lediglich für den ge-
schulten Archäologen, sondern »für den weiteren Kreis
gebildeter Leser« bestimmt und der Verfasser hat es trefflich
verstanden, diesem Zwecke den Text anzupassen. In klarer,
leicht fasslicher und stets fesselnder Weise führt er uns in
die Ruinenstadt ein und vermeidet es, den Leser durch
näheres Eingehen auf archäologische Streitfragen oder be-
gründende Bemerkungen seiner neuen Forschungsresultate
zu ermüden. Diese, für den Fachmann bestimmt, hat
Mau in den Römischen Mitteilungen des Deutschen Ar-
chäologischen Instituts in einer Reihe von Aufsätzen be-
reits niedergelegt.

Das über 500 Seiten starke Buch ist in 6 Teile, Ein-
leitung und Schluss gegliedert. Die Einleitung schildert
in grossen Zügen die Stadt vor der Zerstörung, die Ver-
schüttung und Ausgrabung und geht auch auf das Bau-
material, die Bauart und die verschiedenen Bauperioden
ein. Der erste Teil ist den öffentlichen Plätzen und Ge-
bäuden, der zweite den Wohnhäusern gewidmet, der dritte
Teil behandelt Handel und Gewerbe, der vierte die Gräber,
der fünfte die Pompejanische Kunst, der letzte die aufge-
fundenen Inschriften, das Schlusswort folgert, inwieweit
Pompeji als Quelle für die Kenntnis des Altertums für uns
wichtig ist. Ein ausführliches, gewissenhaft ausgearbeitetes
Register erleichtert die Benutzung des Buches. Besonders
interessant, auch für den Fachmann, sind die ausseror-
dentlich zahlreichen neuen Abbildungen, welche das Werk
als Textabbildungen und Vollbilder enthält, auch sechs
Pläne sind eingefügt. Grossen Wert verleihen dem Ab-
bildungsmaterial die Rekonstruktionen der Bauwerke, be-
sonders der Wohnhäuser, die ausschliesslich nach Zeich-
nungen hergestellt sind, die auf Skizzen des Verfassers
beruhen. In dankenswerter Weise ist bei diesen Rekon-
struktionsversuchen der Phantasie kein grosser Spielraum
gelassen worden, »rekonstruiert wurde nur, wo es mit
Sicherheit, oder doch mit grosser Wahrscheinlichkeit ge-

schehen konnte«, und das ist in wissenschaftlicher Be-
ziehung besonders wichtig.

Hervorgehoben sei auch zum Schluss, dass die Ver-
lagsbuchhandlung für einen geschmackvollen, stilgemässen
Einband Sorge getragen hat, der dem trefflichen Werk nur
zur Zierde gereicht. n.

NEKROLOGE

München. Hier starb am 4. Februar im 51. Lebens-
jahre der Maler Alfred Seifert, der besonders durch seine
etwas weichlichen weiblichen Studienköpfe und Genrebilder
bekannt geworden ist. §

INSTITUTE

Rom. Archäologisches Institut. Seitdem im vor. Jahre die
deutsche Sprache die offizielle Sprache in den Sitzungen gewor-
den ist, ist die Anteilnahme des Publikums eine ausserordent-
lich rege geworden. Zwar ist die italienische Gelehrtenwelt
nicht mehr oder nur wenig vertreten, dagegen versammelt sich
jetzt an jedem zweiten Freitag eine auserlesene Gesell-
schaft von deutschen Gelehrten, Einheimischen und Fremden,
im Archäologischen Institut auf dem Kapitol. Am 7. De-
zember v. J. wurden die Sitzungen wie gewöhnlich am
Winkelsmannsfeste eröffnet. Professor Petersen sprach über
die Dioskuren auf dem Monte Cavallo, die er eben ge-
legentlich ihrer Restauration aus nächster Nähe hatte unter-
suchen können. Er führte aus, dass die Dioskuren mit
ihren Rossen nicht als Portaleinfassung gedient hatten,
sondern ursprünglich an einer geraden Wand aufgestellt
waren. Dr. Amelung sprach über eine bekleidete weib-
liche Statue, die völlig unbekannt in der Villa Doria-Pam-
phili bewahrt wird, und bestimmte dieselbe als die Kopie
eines griechischen Marmorwerkes aus dem Kreise des
Phidias. — Am 21. Dezember sprach Professor Hülsen
über ein kleines Relieffragment mit Resten einer Inschrift,
deren Echtheit angezweifelt war, so lange sie nur aus
einer Aufzeichnung des Flammus Vacca bekannt war, die
aber eben durch den Vergleich mit dem wieder gefundenen
Fragment als echt nachgewiesen werden konnte. Professor
Petersen ergänzte seinen Vortrag über die Dioskuren durch
die wohlbegründete Vermutung, dass dieselben ursprüng-
lich zu einer Brunnenanlage gehört hatten, wie man jetzt
auf dem Forum Romanum die Statuen der Dioskuren neben
dem Quell der Iuthurna gefunden hat. — Am 11. Januar
sprach Professor Mau über die Baugeschichte des Tempels
der Venus Pompejana, des grössten eben ausgegrabenen
Tempels in Pompeji. Dr. Dellbrück trug über die Kuh im
Kapitolinischen Museum vor, in welcher er eine Nach-
bildung der berühmten Kuh des Myron erkennen will,
wogegen Professor Petersen Einsprache erhob. — Am
25. Januar legte Dr. Pollack fünf neue Nachbildungen der
Athena Parthenos vor: zwei Marmorköpfe, eine Glasspaste,
eine Goldfibel und einen Halsbandverschluss; die letzten
beiden konnten im Original vorgelegt werden, dank der
Güte des russischen Botschafters Nelidoff, welcher der
Sitzung beiwohnte. Dr. Pfuhl bestimmte einen Kopf im
Thermenmuseum auf Odysseus und auf eine Kopie nach
einem Bronzewerk des Kresilas. Er führte den Kopf auf
eine Gruppe im Palazzo Spada, den Paladienraub dar-
stellend, zurück, und Professor Petersen stimmte seiner
Bestimmung zu, indem er auch für die eigentümliche
Kopfbedeckung des Odysseus ein Analogon beibrachte.

E. st.

WETTBEWERBE

Berlin. Der Termin für die Bewerbungen um die
diesjährigen akademischen Rompreise ist auf Freitag, den
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