Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 12.1901

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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE

herausgeber:
Dr. Max Gg. Zimmermann

UNIVERSITÄTSPROFESSOR

Verlag von e. a. seemann in Leipzig, Gartenstrasse 15
Neue Folge. xii. Jahrgang. 1900/1901. Nr. 27. 30. Mai.

Die Kunstchronik erscheint als Beiblatt zur »Zeitschrift für bildende Kunst« und zum • Kunstgewerbeblatt« monatlich dreimal, in den Sommer-
monaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der »Zeitschrift für bildende
Kunst« erhalten die Kunstchronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden, leisten Redaktion und Verlags-
handlung keine Gewähr. Inserate, ä 30 Pf. für die dreispaltige Petitzeile, nehmen ausser der Verlagshandlung die Annoncenexpeditionen von Haasen-
stein 81 Vogler, Rud. Mosse u. s. w. an.

EINE ERWERBUNG DER GALLERIA
NAZIONALE IN ROM

Die Galleria Nazionale in Rom, welche unter der
Leitung Venturi's in stetem Aufblühen begriffen ist,
hat unlängst
eine Erwer-
bung ge-
macht, um
welche sie
die anderen
Galerien Eu-
ropas benei-
den dürfen.
Aus Privat-
besitz ist ein
Ölgemälde
indieSamm-

lung ge-
langt, wel-
ches den
Kampf des
Ritters Ge-
org mit dem
Drachen dar-
stellt und
von Venturi
niemanden
anders als
dem Gior-
gione zuge-
schrieben
wird. Das
Bild ist auf
Leinwand

gemalt von derselben Höhe und Breite etwa wie das
Konzert im Louvre und das Aeneas-Bild in Wien.
Es ist jetzt gereinigt worden, in eine würdige Um-
rahmung gethan und im besten Lichte aufgehängt.

Der Gegenstand war ja den Venezianern seit
Carpaccio sehr geläufig, aber er ist niemals so natür-
lich behandelt worden wie hier. Auf dunklem

Der hl. Georg. Rom, Galleria Nazionale.

Vordergrunde heben sich die Figuren ab, zwischen
den Felsen öffnet sich eine heitere Landschaft
mit fliessendem Wasser und hohen Bergen. Der
Drache in der Mitte hat sich mit weit geöffnetem,
feuerspeiendem Rachen gegen Ross und Reiter er-
hoben, und

entsetzt
flüchtet die
zierliche
Prinzessin
gegenüber
von dannen.
Das grau-
weisse Pferd
bäumt sich
hoch empor,
den Kopf
mit der flat-
ternden
Mähne zur

Seite ge-
wandt, un-
fähig, den
Anblick des
Scheusals zu

ertragen.
Der Ritter
aber hat fest
und ruhig
die fähnlein-
geschmück-
te Lanze er-
hoben und

sie mit
wuchtigem

Stoss dem Drachen mitten durch den Rachen
hindurch gebohrt. Seine goldenen Haare flackern
wie Feuerflammen über seiner Stirn empor, der
hellrote Mantel fliegt hoch im Winde, und auf
der Stahlrüstung funkelt es wie lauter Sonnenlicht.
Der Reitersmann scheint eins geworden zu sein mit
seinem Pferde, so fest hat er ihm die Schenkel in
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