Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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127 Ausstellungen — Anzeige 128

Ausstellung in den Monaten März und April 1910 in Ant-
werpen abhalten. A. R.

Jubiläums-Ausstellung des Vereins der bildenden
Künstler Steiermarks in Graz. Zehn Jahre hindurch
hat der Verein der bildenden Künstler Steiermarks ge-
wirkt. Wenn er nun jetzt mit einer Jubiläumsausstellung
vor die Öffentlichkeit tritt, so verlangt er, jedoch mit
Recht, den Glückwunsch zum Wiegenfeste. Gerade er
war es, der den modernen und modernsten Kunstbe-
strebungen in dieser Zeit entgegenkam und diese Ab-
sicht ist belohnt worden. Gerade diese Jubiläumsaus-
stellung ist ein Zeichen des Erfolges, sie ist vielleicht die
beste, die veranstaltet wurde. Viele Künstler konnte man
seit den zehn Jahren in ihrer Entwickelung beobachten;
sie haben sich entwickelt; viele neue kamen hinzu. Sie
brachten neue Ideen, neue Kräfte.

Manches hätte ausgeschaltet werden können, da es
keinen Anspruch auf Kunst machen darf. Doch dieses
lokale Entgegenkommen sei verziehen. Hoffentlich wollten
bei solchen Aufnahmen nicht die Besseren und Besten
durch Kontraste wirken.

Die Ausstellung steht unter dem Zeichen der Porträt-
malerei und der Plastik. In diesen Richtungen ist Schönes
geleistet.

Herrmann Torggler bringt eine Reihe seiner faszinie-
renden Damenbildnisse. Wenn man ihn Damenmaler,
Salonmaler nennt, so soll damit das Elegante seines Pinsels
unterstrichen werden. Das Beste schuf er in dem Porträt
der Frau Hansa. Da tritt der Salon zurück. Weichheit
und Lieblichkeit verbinden sich. Ein feines Malergemüt
zeigt sich, nicht die Lust zu faszinieren, sondern die Liebe
zur edelsten Kunst.

Vielleicht sein Gegenstück ist Leo Diet. Dort eng-
lischer Genre, hier Kraft und Wucht. Scharfe Beobachtung
und damit ebensolche Charakterisierung. Es sind keine
Koketterien zu sehen. Ein ehrliches schönes Werk. Viel-
leicht sind diese beiden Stücke die dominierendsten. Eine
Reihe anderer Porträts zeigen Verständnis. Eine sanfte
Farbe malt Oskar Stössel. Treffliche Qualitäten zeigt das
Bildnis der Schauspielerin Erol. Alois Penz malt sicher,
doch vielleicht konventionell. Dasselbe gilt von Pamberger
als Porträtist. Bei den vielen anderen gibt es manche
Härten, die noch auszugleichen sind.

Eine gute Idee war das gemeinsame Unterbringen der
Plastiken. Auch hier treten einzelne besonders hervor.
Franz Ehrenhöfers »Zur Erde zurück« ist sehr packend.
Die künstlerische Idee fesselt durch ihre durchdachte, kräftige
Ausführung. August Rantz ist der Bildner reicher Empfin-
dung. Seine »Sehnsucht« zeigt diese seine gewiß hohe
Kunst. Ein interessanter Bildner ist Ernst Wagner. Ge-
danke und Gefühl arbeiten mit überraschendem Erfolg.
Das Knabenhafte, die Lust am Tanz ist voll und ganz ge-
geben. Ein guter Tiermodelleur ist Hugo Postl. Maria
Peter Reininghaus zeigt markante Anlagen. Weich und
leicht arbeitet Theodor Stundl.

Zum Schlüsse noch einige Worte über Landschaften.
Douzette ist ein großer Könner, etwas süßlich. Ludwig
Dettmann erfreut durch scharfe Charakterisierung, ebenso
wie Hanns Bartels. Zoff, Mytteis, Marussig bringen Gutes.
Pamberger sei hier besonders genannt. Seine Landschaften
sprechen ungemein an. Kleine Bilder voll Poesie; es mutet
das Zarte an, wie sanfte Musik.

DR. RICHARD SCHLOSSAR.

Bismarck-Nationaldenkmal.

Auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück soll dem Fürsten Otto von Bismarck aus Anlaß der Jahrhundertfeier
am 1. April 1915 ein monumentales Wahrzeichen der Dankbarkeit und Verehrung errichtet werden. — Zur Gewinnung von
Entwürfen für dieses Nationaldenkmal wird ein

Wettbewerb für alle deutschen Künstler

ausgeschrieben. — Die Kosten des Denkmals dürfen die Summe von 1800000 Mark nicht überschreiten, wobei die
Ausgaben für Fundamentierung, Erdbewegung, Terrassenanlagen und Stützmauern einbegriffen sind.

An Preisen werden verteilt: Ein L Preis von 20000 Mk., zwei 2. Preise von je 10000 Mk., zwei
3. Preise von je 5000 Mk. und 10 Entschädigungen von je 2000 Mk., zusammen 70000 Mark.

Das Preisrichteramt haben übernommen: Prof. Dr. P. Clemen-Bonn, Provinzialkonservator der Rheinprovinz;
Prof. Dr. Theod. Fischer-München; Prof. Aug. Gaul-Berlin; Prof. Dr. E. von Gebhardt-Düsseldorf; Prof. Herrn. Hahn-
München; Oberst Max Frhr. von Heyl-Darmstadt; Geh. Baurat Dr. Ludwig Hoffmann-Berlin; Geh. Kommerzienrat
E. Kirdorf-Streithof-Mülheim a. d. Ruhr; Prof. Dr. Max Klinger-Leipzig; Museumsdirektor Dr. Lichtwark-Hamburg;
Geh. Regierungsrat Dr. ing. H. Muthesius-Berlin; Prof. Dr. Max Schmid-Aachen; Stadtbaudirektor Prof. Fritz Schu-
macher-Dresden; Prof. Franz von Stuck-München; Geh. Hofrat Prof. Dr. Gg. Treu-Dresden: Prof. L. Tuaillon-Berlin.
Zur Stellvertretung haben sich bereit erklärt: Prof. Dr. Max Dessoir-Berlin; Prof. Ludwig Di 11-Karlsruhe; Prof.
Jos. Floßmann-München; Stadtbaurat Hans Grassel-München; Prof. Otto Gußmann-Dresden; Prof. Habich-Stutt-
gart; Prof. Jos. Hoffmann-Wien; Prof. Leop. von Kalckreuth-Stuttgart; Museumsdirektor Prof. Dr. Karl Kötschau-
Berlin; Dr. Walter Rathenau-Berlin; Museumsdirektor Dr. Swarzenski-Frankfurt a. M.; Museumsdirektor Dr. Theo-
dor Volbehr-Magdeburg.

Die Einsendung der Entwürfe muß bis spätestens 1. Juli 1910, mittags 12 Uhr an den Vor-
sitzenden des Kunstausschusses Geh. Kommerzienrat E. Kirdorf-Streithof bei Mülheim a.d.Ruhr erfolgen.

Die sämtlicbon Unterlagen für den Wettbewerb sind auf schriftlichen Antrag gegen Einsendung von 10 Mk. zu
beziehen durch den I, Schriftführer: Prof. Dr. Max Schmid in Aachen, Viktoria-Allee Nr. 14.

Für den Kunst- und Bauausschuß:

I. A.: Der 1. Vorsitzende E. Kirdorf.

Inhalt: Berliner Brief. Von Max Osborn. — Die Entstehung des Rijks-Museums. Von A. Bredius. — Peter Severin Kroyerf; Otto Sinding f. —
Personalien. — Neuerwerbung des Walhaf-Richartz-Museum; Veränderungen im Rijksmuseum zu Amsterdam; Reiff-Museum in Aachen;
Ankauf der ^Römerin« vom nassauischen Kunstverein in Wiesbaden. — Ausstellungen in Amsterdam; Brüssel; Antwerpen; Graz. — Anzeige.

Herausgeber und verantwortliche Redaktion: E. A. Seemann, Leipzig, Querstraße 13
Druck von Ernst Hedrich Nachf. o. m. b. h. Leipzig
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