Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Denkmäler —

Ausstellungen

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DENKMÄLER
Ein Monumentaldenkmal für Bismarck an der
Odermündung will die Provinz Pommern bei Stettin
auf dem »Weinberg« errichten, einer Erhebung am linken
Oderufer einige Kilometer unterhalb Stettins. Das Denk-
mal soll wie das Hamburger Hugo Lederers ein weithin
sichtbares Wahrzeichen bilden. Seine Gestaltung wird
völlig den Künstlern anheimgestellt: es kann eine rein
architektonische, eine architektonische und figürliche oder
eine vorwiegend figürliche Lösung gesucht werden. Die
Kosten sollen, unter Ausschluß des Grunderwerbs und der
Wegeanlagen, aber mit Einschluß der Fundamente, der
Stützmauern, Terrassen, Treppen usw. die Summe von
200000 Mark nicht wesentlich überschreiten. An Preisen
werden 4000, 2500 und 1500 Mark verteilt. Termin für die
Einsendung der Entwürfe ist der 1. Februar 1911.

Das Denkmal für Thomas Gainsborough, das ihm

die britische Nation errichtet, wird ein großes Standbild
werden, das der Bildhauer Bertram Mackennal schaffen
soll. Es wird im Geburtsort Gainsboroughs, Sudbury in
Suffolk, errichtet werden.

AUSSTELLUNGEN
Ungarn auf der Großen Berliner Kunst-Aus-
stellung. Auf der diesjährigen Ausstellung ist Ungarn
ungewöhnlich reich vertreten. In zwei großen und zwei
kleineren Sälen sind 93 Gemälde der verschiedensten Rich-
tungen ausgestellt, die zum Teil aus dem Museum der
schönen Künste in Budapest herrühren, zum Teil aus Buda-
pester Privatbesitz (Graf Julius Andrässy, Kgl. Rat Marceil
Nemes, Ministerialsekretär Dr. Paul von Majowszky, Dr.
Adolf Kohner usw.). Die Auswahl dieser Bilder wurde
durch den Direktor am Museum der bildenden Künste in
Budapest, Hofrat Dr. Gabriel von Terey und dem I. und
II. Vorsitzenden der Ausstellung, den Professoren Fried-
rich Kallmorgen und Otto H. Engel getroffen. Besonders
reich sind repräsentiert mit neun Landschaften Michael v.
Munkäcsy und Ladislaus v. Paäl, sodann Paul v. Szinyei-
Merse, dessen bekanntes Bild die »Landpartie« (Majalis)
aus dem Jahre 1873 einen Clou der Ausstellung bildet.
Von der vorteilhaftesten Weise lernt man den feinen Pa-
stellisten Joseph Rippl-Rönai kennen, dessen Arbeiten die
Hälfte eines kleinen Saales füllen. Frisch und lebendig,
dabei poetisch wirken die Landschaften Nändor Katonas,
durch Feinheit der Ausführung zeichnen sich aus die Bilder
der drei Siebenbürger Sachsen: Robert Wellmann, Fried-
rich Mieß und Arthur Coulin. Nicht minder gut sind auch
vertreten Ballö, Stettka, Kacziäny, Herrer, Nyilassy, Miha-
lik, Glatz, Olgyai, Deäk-Ebner, Ferenczy, Csök, Ritta Boemm,
Fenyes, Vaszary, Perlmutter und viele andere, desgleichen
die zwei ausgezeichneten jungen Porträtmaler Cesar Kun-
wald und Julius Glatter. Eine große Wand für sich nimmt
ein das in bedeutenden Dimensionen gemalte historische
Bild von Julius von Benczur, das die Huldigung des un-
garischen Reichstages im Milleniumjahre vor den Maje-
stäten in der königl. Hofburg in Ofen darstellt, eine ge-
waltige Leistung mit über 80 Porträts, die der Meister nach
der Natur gemalt hat. Die Art und Weise, wie das ganze
zusammengehalten und der stoffliche Teil meisterhaft be-
handelt ist, verdient das höchste Lob. Außer diesen
Werken finden sich noch in der deutschen Abteilung Werke
ungarischer Künstler, die zumeist in Berlin leben, so z. B.
eine Kollektion von Arbeiten von Franz und Cornelia
Paczka, Porträts und Stilleben von Cesar Kunwald, eine
Landschaft von Friedrich Mieß, zwei vorzügliche Damen-
porträts von Robert Wellmann, desgleichen zwei charakte-
ristische Bildnisse von dem aus Siebenbürgen stammenden
und in Posen lebenden Prof. Karl Ziegler.

Eine Klinger-Ausstellung im Berliner Kupferstich-
Kabinett zeigt das frühe graphische Werk des Künstlers,
etwa die Zeit von 1878—1884, von der »Sphinx« bis zum
Zyklus »Ein Leben«.

+ München. Die Kunst im Leben des Kauf-
manns betitelt sich eine Ausstellung, die seit einigen
Wochen im großen Saal des alten Rathauses zu sehen
ist und den Zweck hat, zu zeigen, in welcher Weise
der sonst wenig mit Kunst in Berührung kommende Schütz-
ling Merkurs sich dieser nähern und ihre Erzeugnisse in
seinem Betriebe verwerten könne. In Betracht kommt hier-
für hauptsächlich das in den letzten Jahrzehnten^so stark
emporgeblühte Kunstgewerbe, das gerade in einer Betäti-
gung, wie die in der erwähnten Veranstaltung vorgeführte
ein neues, weites Feld für geschmackvolle Anwendung seines
Schaffens findet. Den Passanten der Straße, den Besucher
eines öffentlichen Lokals, oder den Benützer einer allge-
mein zugänglichen Beförderungseinrichtung, sei es nun
Straßenbahn, Eisenbahn oder etwas Ähnliches, sucht der
Kaufmann durch das Plakat auf den von ihm hauptsäch-
lich geführten Artikel aufmerksam zu machen. Den Kunden
in seinem Heim sucht er durch Kataloge, Prospekte, Re-
klameansichtskarten, Zeitungsinserate usw. zum Besuch
seines Lagers zu bewegen und seinen Waren gibt er eine
hübsche, gediegene Verpackung, in der sicheren Erkenntnis,
daß der Käufer sehr oft von der äußeren Aufmachung auf
die Qualität des Inhaltes schließt. Sogar Rechnungen, Brief-
bogen, Formulare werden mit einer einfachen aber guten
Ornamentik ausgestattet, vorausgesetzt, daß der Kaufmann
selbst einigen Geschmack und Urteil besitzt und seine Auf-
träge nicht einem unfähigen Nachahmer der neuen Rich-
tung oder einem der talentlosen Verfertiger jener künstle-
rischen Wechselbälge alter Schablone übergibt, wie sie in
den vergangenen Jahrzehnten mit Vorliebe für Reklame-
zwecke hergestellt wurden. Für diese bisher erwähnten
Hilfsmittel einer rührigen Handelsschaft wird also eine
künstlerische Kraft in Anspruch genommen und solche Ob-
jekte waren es auch, die die Ausstellung bildeten. Unter
den Plakaten, die manches gute in der letzten Zeit ge-
schaffene Stück vermissen ließen, ragten vor allem die von
der Hand Ludwig Hohlweins hervor, so das für die Terra-
novaindustrie (Fliegende Möven auf blauem Grund), das
für die Firma Zechbauer in München (alter Bremenser mit
Schiffsmodell und Pfeife) und das große Plakat mit der
Schulreiterin für den Zirkus Schumann. Auch das Plakat
der Darmstädter Ausstellung 1908 für freie und angewandte
Kunst von Kleukens freute man sich wiederzusehen, wäh-
rend unter der Menge der übrigen sich viel Schwaches
befand, wozu man leider fast auch Julius Diez' Plakat für
die mohammedanische Ausstellung rechnen muß. Aus der
großen Anzahl von Arbeiten für die kleinere Reklame
möchte ich die Reklamebilderbogen von Ehinke (Düsseldorf-
Geresheim) die Katalog- und Prospekttitelblätter von Fritz
Klee für Goldschmied Egersdorfer, München, und für die
Firma Roman Mayr, München, von Paul Neu für die En-
zianbrennerei Eberhardt, München (eine der glücklichsten
Arbeiten, ein einfaches Tonkrügel mit einem Buschen tief-
blauen Enzians, hinten die blaue Bergkette), von Otto L.
Naegele für die Möbelfabrik Georg Veth in München und
von Paul Glaß für die Firma Steigerwald gleichfalls in
München nennen. Speisekarten mit passendem künstlerischen
Schmuck versehen zu haben, ist das Verdienst von Fritz
Gaessl und C. Moos, welch letzterer die Entwürfe für die
Speisekarten der deutschen Abteilung der Brüsseler Welt-
ausstellung gefertigt hat. Eine gute Idee der Ausstellungs-
leitung war es (die Ausstellung wurde von der Vermitt-
lungsstelle der Münchener Vereinigung für angewandte
Kunst veranstaltet) durch sogenannte Gegenbeispiele den
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