Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Sammlungen

Gespanns den großen Eimer zum Trinken hinhält, seinen
großen Kopf an die Brust des Mannes anschmiegt, wäh-
rend das andere ruhig abwartend, ohne Zeichen von Un-
geduld danebensteht, das ist auch ein charakteristischer
Moment aus dem Leben dieser Tiere. — Von Kirchen hat
er einige große gotische nordfranzösische Kathedralen ge-
zeichnet; die Fassade von Notre-Dame, von Amiens und
St. Oudule in Brüssel; fein wirkt ein Portal von Notre-
Dame, die schweren Bronzetüren schimmern rötlich und
spiegeln sich auf den feuchten Steinfliesen des Vorplatzes;
die eine Tür ist geöffnet, und man blickt in den dunkeln
Kirchenraum, in dem ein buntes Glasfenster einen pikanten
Effekt bildet. M. D. ff.

SAMMLUNGEN
Louvre und Luxembourg. Der Louvre soll be-
kanntlich demnächst erweitert werden, da aber diese Er-
weiterung schon seit 25 Jahren auf dem Programm steht,
darf man es mit dem »demnächst« nicht so genau nehmen.
Das Ministerium der Kolonien wird den Pavillon de Flore
bald völlig geräumt haben, aber schlimmer steht es mit
der Einrichtung der dann zu Museumszwecken freigeworde-
nen Räume. Dafür ist nämlich kein Geld da, und die
einzigen Säle, die in absehbarer Zeit dem Publikum ge-
öffnet werden können, sind die für die Sammlungen des
vor einem Jahre verstorbenen Warenhausbesitzers Chau-
chard. Die Haupterbin Chauchards hat erklärt, daß sie
die Kosten der Aufstellung dieser Sammlungen übernehmen
wolle, also daß die Herren von der Kammer und vom
Senat darüber nicht befragt werden müssen. Augenblick-
lich wird die Sammlung Chauchard im Gewächshause der
Tuilerien untergebracht, damit das Publikum sie noch im
gegenwärtigen Frühjahr besichtigen kann. Ganz ähnlich
wie mit dem Louvre steht es auch mit dem Luxembourg.
Die modernen Sammlungen des französischen Staates sind
bekanntlich in der allerun würdigsten Weise in dem Gewächs-
hause des Luxembourg-Schlosses untergebracht. Durch
die Aufhebung der klösterlichen Gemeinschaften ist nun
das Jesuitenkolleg St. Sulpice, das keine drei Schritte von
dem jetzigen Luxembourg-Museum entfernt liegt, Eigen-
tum des Staates geworden, und dieses Gebäude hat man
zum Museum der modernen Kunst ausersehen. Natürlich
geht die Einrichtung nicht so ohne weiteres: die kleinen
Zellen, worin die Jesuiten hausten, sollen in große Säle
verwandelt werden, aus zwei niedrigen Stockwerken soll
ein einziges hohes entstehen, der Innenhof, um welchen
sich auf drei Seiten die Zellen schließen, soll durch ein
Glasdach in eine Art von Wintergarten für die Plastik
verwandelt werden. Am wenigsten Arbeit hat man mit
der Kapelle, welche die vierte Seite des Bauvierecks aus-
macht. Alle diese Arbeiten sollen 1 400000 Franken kosten,
und davon ist von dem Parlament noch kein Pfennig be-
willigt. In dem gegenwärtigen Budget sind allerdings
30000 Franken für St. Sulpice bewilligt worden, so viel
verlangen die Architekten aber allein für die Instandhaltung
der Gebäude, von Umbauten ist dabei nicht die Rede.
Es ist also, so hoffnungsvoll sich auch Leonce Benedite,
der Direktor des Luxembourg, ausspricht, sehr wenig Aus-
sicht, daß man in den nächsten zehn Jahren die modernen
Kunstsammlungen Frankreichs anderswo als in derOrangerie
des Luxembourg wird sehen können. Denn in der Kam-
mer kämpfen die Väter des Vaterlandes so schon ganz
entsetzlich mit dem alljährlich gewaltiger werdenden Defizit:
freilich war Geld genug da, als sie ihre Diäten von qooo
auf 15000 Franken erhöhten und so dem Lande eine jähr-
liche Mehrausgabe von mehr als 5 Millionen auflegten, aber
das ist eben etwas ganz anderes, und man müßte in
parlamentarischen Dingen schlecht Bescheid wissen, wollte

Vereine 414

man sich darüber wundern, daß die 2 Millionen einmaliger
Ausgabe für die Einrichtung der Museen nicht aufzutreiben
sind, während die jährlichen 5 Millionen glatt und schnell
gefunden wurden. Haben die Sammlungen so lange sich
mit dem vorhandenen Räume begnügen können, so werden
sie das auch noch ein paar weitere Jahre können, also
denken die Deputierten, und die große Mehrheit des
französischen Volkes würde ebenso denken, wenn sie
überhaupt an diese Museumsfragen dächte.

VEREINE

-f- München. Im Historischen Verein für Ober-
bayern hielt am 13. April Prof. Dr. Karl Trautmann einen
Vortrag über das Thema »Kurfürst Maximilian I. von
Bayern als Kunstfreund«, in dem er, hauptsächlich den Be-
richten des Augsburger Patriziers Philipp Hainhofer folgend,
der in den Jahren 1611 und 1612 den damaligen Herzog Maxi-
milian in München aufsuchte, die Person dieses bedeuten-
den Sammlers einer ziemlich allgemeinen Betrachtung
unterzog, wobei er auch auf einzelne durch ihn erworbene
Kunstwerke wie den St. Georg in der Schatzkammer und
anderes hinwies. Die Erwartung, Trautmann werde aus
dem Schatz seiner langjährigen und sorgfältigen Archiv-
arbeiten bisher unbekannte Tatsachen über den Kurfürsten
mitteilen, ging leider nicht in Erfüllung, dagegen machte
er nach Schluß des Vortrages noch interessante Mitteilungen
über zwei Altmünchner Häuser, das Achilleshaus in der
Residenzstraße und das Stufflerhaus am Max Joseph-Platz,
das leider in nächster Zeit abgebrochen werden soll. Beide
Häuser waren mit Fassadenmalereien geziert, und man
hofft, daß gelegentlich des Abbruches des Stufflerhauses
unter dem Vorputz eine, wenn nicht vielleicht mehrere
Schichten alter Malerei zutage treten werden. Im Auftrage
des historischen Vereins werden beide Fassaden durch
einen Künstler im Bilde festgehalten werden.

+ München. In der am 3. Mai stattgehabten ordent-
lichen Generalversammlung des Bayerischen Kunstge-
werbevereins gab der Vorstand Professor Pfeifer den
Jahresbericht bekannt, worauf sich die Rechnungsablage
anschloß, die einen Uberschuß von 4256 Mark und ein
Vereins vermögen von 147620 Mark ergab. Bei der Er-
gänzungswahl des Ausschusses wurden die ausscheidenden
Herren: Max Dasio, Professor und Regierungsrat; Theod.
Heiden, Hofgoldschmied; Alexander Heilmeyer, Kunst-
schriftsteller; Fritz Leuning, Möbelfabrikant; Adalbert Nie-
meyer, Professor; Dr. Gabriel v. Seidl, Architekt, Professor;
Hans Sonnenschmidt, Direktor; Eduard Steinicken, Gold-
schmied und Ziseleur; Gottlob Wilhelm, Bildhauer, wieder-
gewählt.

In der Sitzung der Königlichen Archäologischen
Gesellschaft (Oudheidkundig Genootschap) zu Amster-
dam sprach am 14. März Architekt Leliman über die Ver-
unstaltung von Stadt und Land. Dieser Zerstörung des
ursprünglichen Charakters des Landes durch stillose Bauten,
durch Reklame usw. kann nach Ansicht des Redners nur
durch eine Organisation wie den deutschen Heimatschutz-
bund gewehrt werden, dessen Tätigkeit er auch als für
Holland vorbildlich hinstellte; wenn in Holland ein der-
artiger Verein noch nicht bestehe, so sei das andererseits
auch ein gutes Zeichen, daß hier eben noch nicht so viel
zerstört sei, wie in Deutschland, was zum Teil mit dem Fehlen
oder der geringeren Bedeutung der Industrie hierzulande
zusammenhänge, und dann auch, was der Redner nicht er-
wähnte, mit dem konservativeren Charakter der Volksart, die
dem Alten viel größere Liebe und Pietät entgegenbringt als
in Deutschland. Der Redner demonstrierte dann än einer
Reihe von Lichtbildern, wobei er immer ein Beispiel und ein
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