Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Nekrologe — Personalien — Weitbewerbe

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bildes wie der deutschen Monumentalarchitektur überhaupt
so wichtige, daß man in der Tat hätte wünschen müssen,
sie entweder einer einzelnen überragenden Persönlichkeit
anvertraut oder einem allgemeinen deutschen Wettbewerb
vorgelegt zu sehen. Nicht ohne Grund wird darauf hin-
gewiesen, daß Ludwig Hoffmann, der durch die Museums-
bauten und sein städtisches Amt vollauf in Anspruch ge-
nommen ist, für das Opernhaus so gut wie gar nicht in
Betracht kommt, daß es sich hier vielmehr gleichsam um
eine Aufforderung ehrenhalber handelt; daß Littmann eine
ausgesprochen münchnerische Baukunst betreibt; daß
Schwechten und Ihne alle Theatererfahrungen fehlen. Blei-
ben Seeling und Qenzmer, die allerdings mit den speziellen
Anforderungen eines Bühnenhauses eng vertraut sind, von
denen aber Seeling, ein tüchtiger Praktiker, durchaus nicht
immer künstlerisch einwandfreie Theaterbauten geschaffen
hat, während Oenzmers Arbeiten in Wiesbaden und vor
allen Dingen sein höchst bedenklicher Innenumbau des
Berliner Schauspielhauses eine allgemeine Ablehnung er-
fahren haben. Die Berliner Kunstfreunde sind durch die
ganze Konkurrenz lebhaft beunruhigt, und nach vielfachen
besseren Ansätzen auch der offiziellen und staatlichen Ar-
chitektur in Preußen setzen, wie es scheint, abermals
die Befürchtungen, Kämpfe und Unerquicklichkeiten ein,
die bis vor kurzem unser öffentliches Kunstleben aufwühl-
ten, und auf deren Ende man schon gehofft hatte. Das in
Aussicht genommene Gelände am Königsplatz hat eine
Tiefe von 152 und eine Breite von 92 Metern. Die beiden
benachbarten, gleichfalls im staatlichen Besitz befindlichen
Baublöcke an den beiden nach den Zelten zu führenden
Straßen sollen zur Bebauung für fünfgeschossige Wohn-
häuser veräußert werden! Gegebenenfalls sollen in einem
Teil dieser Bauten die Theaterwirtschaft nebst Wohnung
für den Wirt, in einem andern Teil die Diensträume für
die Generalintendanz untergebracht werden. An der Hinter-
seite der Oper ist ein Betriebs- und Speichergebäude ge-
dacht. Der Zuschauerraum des neuen Theaters soll 2250
Sitzplätze, von denen mindestens 650 im Parkett unterge-
bracht werden müssen, und im obersten Rang 250 Steh-
plätze enthalten. In der großen Kgl. Hofloge sind etwa
80 Sitzplätze und im Proszenium, im Parkett und ersten
Rang für den Hof je zwölf Vorderplätze vorgesehen. Die
Hauptbühne soll eine Breite von 32 Metern, eine Tiefe von
30 Metern und eine Bühnenöffnung von 13^2 Meternerhalten.
Da der Bühnenfußboden 3,50 Meter über dem Erdboden
vorgesehen ist, und über dem 34 Meter hohen Schnürboden
ein zwei Meter hoher Rollboden und darüber ein minde-
stens sieben Meter hoher Dachraum liegen muß, so erhält
das Bühnenhaus voraussichtlich die stattliche Höhe von
56V2 Metern. Von den aufgeforderten Architekten wird
außer den Zeichnungen im Maßstabe von 1 :200 ein Ge-
samtanlageplan mit der Anlage für den künftigen Fuß- und
Wagenverkehr, sowie eine perspektivische Ansicht gefor-
dert. Die reinen Baukosten dürfen die Summe von zwölf
Millionen nicht übersteigen. Es wird den Architekten
übrigens anheimgestellt, außer den für den Krollschen Bau-
platz aufgestellten Entwürfen noch andere, ihnen geeignet
erscheinende Bauplätze mit Erläuterung durch eine Skizze
des Grundrisses in Vorschlag zu bringen.

Ein nachgelassenes Werk Franz Skarbinas ist soeben
an die Öffentlichkeit gekommen: eine farbige Künstler-
steinzeichnung »Der Gendarmen-Markt in Berlin«, die im
Verlage von R. Voigtländer in Leipzig erschienen ist. Das
Blatt, das in der chalkographischen Abteilung der Reichs-
druckerei hergestellt ist, schließt sich dem älteren Berliner
Skarbina-Blatt in gleicher Technik: »Das Kaiserliche Schloß
in Berlin«, an und gibt wie dies das schöne Stadtbild an

einem hellen Wintertage mit frischgefallenem leuchtendem
Schnee wieder. m. o.

NEKROLOGE
o Köln. Im Alter von 89 Jahren starb hier der Historien-
maler Prof. Johannes Niessen. Von 1866—1890 war er
Konservator am Wallraf-Richartz-Museum. Er hat auch
einen Katalog der Gemäldesammlung verfaßt, der noch
bis zum Jahre 1902 in Gebrauch war. — Seinem Nach-
folger im Amt, Carl Aldenhoven, ist auf dem Melaten-
friedhof in Köln von Freunden und Verehrern ein Denk-
mal in Form einer vom Bildhauer J. B. Schreiner ent-
worfenen griechischen Stele gesetzt worden, das demnächst
enthüllt werden soll.

In Berlin starb am 1. September d. J. der Geschichts-
maler Franz Steffens, eins der ältesten Mitglieder des
Künstlervereins, im Alter von 92 Jahren.

PERSONALIEN
© Dr. Elfried Bock, bisher wissenschaftlicher Hilfs-
arbeiter am Königl. Kupferstichkabinett zu Berlin, wurde
an Stelle des verstorbenen Dr. Walter Gensei zum Direk-
torial-Assistenten ernannt.

+ München. Der bekannte Maler Gabriel von Max

— in den siebziger und achtziger Jahren einer der ge-
feiertsten Künstler Münchens — wurde am 23. August
siebzig Jahre alt. Prinzregent Luitpold von Bayern verlieh
dem Jubilar die Prinzregent-Luitpold-Medaille in Silber.

Die für Verdienste um das Bauwesen gestiftete Medaille
in Silber wurde vom preußischen Minister der öffentlichen
Arbeiten dem Geh. Baurat Prof. Richard Borrmann, von
der Technischen Hochschule zu Berlin-Charlottenburg, ver-
liehen. Die Auszeichnung erfolgte in Anerkennung der
Verdienste, die sich Borrmann durch seine Lehrtätigkeit an
der Technischen Hochschule sowie durch seine wissen-
schaftlichen Arbeiten um die Förderung der Baukunst und
Bauwissenschaft erworben hat.

WETTBEWERBE
Die Sieger im Menzelpreisausschreiben. In dem

von der Berliner Illustrierten Zeitung veranstalteten Menzel-
preisausschreiben für deutsche Illustratoren ist die Ent-
scheidung gefallen. Die Jury, der Prof. Max Liebermann,
Prof. Arthur Kampf, Prof. Franz Kruse und Karl Schnebel
sowie Georg Hermann angehörten, hat sich für die
Arbeiten von Fritz Koch-Gotha und Heinrich Zille ent-
schieden, die beide des Menzelpreises würdig befunden
wurden. Infolgedessen wurde der für die beste Zeichnung
des Jahres ausgesetzte Preis von 3000 Mark vom Verlage
auf das Doppelte erhöht, so daß jeder der Preisträger den
vollen Menzelpreis von 3000 Mark erhielt. Die für die
nächsten beiden Jahre ausgesetzten Menzelpreise von je
3000 Mark bleiben trotzdem in voller Höhe bestehen. Die
beiden preisgekrönten Zeichnungen werden in der Nummer
der Berliner Illustrierten Zeitung vom 16. September ver-
öffentlicht.

Berlin. Unter den Mitgliedern der »Vereinigung
Berliner Architekten« war ein Ideen Wettbewerb für die
rentabelste Bebauung des Grundstücks Potsdamerstraße 38
ausgeschrieben worden, zu dem insgesamt 39 Entwürfe
eingereicht waren. Preisgekrönt wurden die Entwürfe nach-
stehender Architekten: Toebelmann und Groß (2000 M.),
R. Seel (1500 M.), Heidenreich und Michel, Zaar und Vahl,
Ernst Müller und Arthur Wolff (je 1000 M). Angekauft
wurden zwei Projekte der Architekten Heidenreich und
Michel und ein Entwurf von Prof. Bruno Möhring.
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