Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 3.1887

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Aunstgewerbeblatt. z. Jahrgang.

Nr. 4.

Füllung von dem Tiroler Schubkaftenschronk des Kunstgcwerbemuscums zu Leivzig. (Vergl. S. 75.)

Die Silberausstellung in petersburg t885/)

Von Marc Rosenberg.

Mt Jllustrationen.

Der im Jahre 1884 verstorbene Baron
Stiglitz in St. Petersburg hat mit reicheu Mit-
teln, welche nach seinem Tode uoch sehr wesent-
lich vermehrt worden sind — man sagt um
8 Millionen Rubel —, eine Kunstgewerbeschule
gegründet, welche schon in der kurzen Zeit ihres
Bestehens sehr wohlthätige Einslüsse ausgenbt
hat. Neben dem direkten Lehrzwecke verfolgt
das Jnstitut auch andere mit seiner Aufgabe
eng verbnndene Ziele. So wurde eine kunst-
gewerbliche Sammlung angelegt, so werden von
Zeit zu Zeit kleine Ausstellungen veranstaltet.
Das Jahr 1885 brachte eine solche, welche all-
gemeines Jnteresse verdient, wenn sie sich auch
anf einem sehr engcn Gebiete bewegte; es war
eine Silberansstellung, hauptsächlich der fran-
zösischen Arbeit nnter Ludwig XV. und Lud-
wig XVI. gewidmet, aber mit Stücken aller-
ersten Ranges beschickt.

Der geistige Leiter dieser ausgezeichneten
Ausstellung, wie sie anßer in Petersburg nur

l) Dieser Artikel ging uns bereits Nnfang vorigen
Jahres zu, mußte jedoch aus Mangel an Raum zu-
rückgelegt werden. Die allgcmeinen Darlegungen des
Herrn Verfassers gestatten jedoch den Abdruck auch
jetzt noch, und bei dem lebhaften Jntercsse, welches
das Stiglitz'sche Jnstitut durch sein Erscheinen mit sast
unbeschränkten Mitteln auf dem Kunstmarkte seit
knrzem erregt, glauben >vir auch unsern Lesern mit
dem Abdruck zu dienen. D. Red.

Kunstgewerbeblatt. m.

noch in Paris hätte zusammengebracht werden
können, Staatssekretür Polewzew, ist ein Mann
von feinstem Kunstgefühl und von hervorragen-
der Stellung in der Gesellschaft. Die Ver-
bindung dieser beiden Eigenschaften war ent-
schieden notwendig, um einerseits den Kaiser
und die Großfürsten sowie die reichen Adels-
familien für die Beschickung der Ausstellung zu
gewinnen nnd andererseits derselben noch die
hervorragendsten Stücke einer eigenen Samm-
lung einzuverleiben, welche sowohl nnmerisch
wie qualitativ die Sammlungen von Pichon und
Endel zusammengenommen weit übertrifft, so-
wie endlich um das klare zielbewußte Pro-
gramm des Unternehmens zu entwerfen.

Die Zahl der ausgestellten Objekte betrug
nur 277, aber fast lanter Perlen. Als Katalog
wurde ein summarisches Verzeichnis nnd ein Heft
mit40 Blatt Radirungen ausgegeben, dessenTitel
in Übersetzung lautet: Katalog der Ausstellung
älterer (18. Jahrhnndert) Silberarbeiten in den
Räumen der Zeichenschule des Baron Stiglitz.
Mit Radirungen der Graveurschnle der An-
stalt. Petersburg 1885.

Jn der Anlage und äußern Ausstattung
schließt sich diese Publikation aufs engste dem
bekannten Kataloge der Sammlung Eudel:
60 p1s,not>S8 ä'orksvrsris cks In sollsotion äs
Lnnl Huäsl. Lnris, tznnntin 1884. an, nur

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