Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

Page: 39
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/schwaebarchiv1909/0055
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
99

darum dort entweder die Patres Hunger
leiden, oder die Bürger von Wangen zu
sehr in Anspruch genommen werden
müssen. Das sei aber in Ravensburg
wegen der Nähe so vieler Herrschaften
nicht zu fürchten.
Er könne ihnen somit nnr raten, von
ihrem Unterfangen abzustehen, denn so
unerhebliche Einwürfe könne er nicht mit
einer Empfehlung begleiten. Um ein
Ärgernis zu vermeiden, habe er diese
Zeilen bloß an die Katholiken geschrieben,
die er nochmals mahnen wolle, mehr
religiösen Eifer zn zeigen, damit er ihren
guten Willen bald im Werke verspüren
möge. Wenn sie aber mit den Prote-
stanten vereinigt bleiben und ihm keinen
Tag zwischen Ostern und Pfingsten zur
Augenscheinaufnahme gewähren wollen,
so mögen sie die Schuld sich selber zu-
messen, wenn er notgedrungen ihr Schreiben
samt seinen Erinnerungen buchstäblich genau
an den Kaiser senden müsse. — Diesem
Briefe legte der Truchseß auch ein Ver-
zeichnis der Kirchen und Klöster der
Städte Augsburg und Regensburg bei.
Zugleich teilte er seine Antwort an die
Ravensburger dem Bischof von Konstanz
mit.Z Es war dieses noch Jakob von
Fugger, nicht, wie ?. Romuald Uist.
'tut. S. 162 glaubt, der Bruder Hein-
richs. Am nämlichen 20. März sandte
Truchseß Heinrich auch ein Schreiben an
den gesamten Rat, worin er gleichfalls
die gemachten Einwendungen zurückweist.2)
Hinsichtlich des Klösterleins, meint er,
sei man in Ravensburg einer ganz
falschen Anschauung. Es handle sich nicht
um ein Kloster wie Weingarten, sondern
um eines, das nur geringen Platz brauche.
Das Legat allein mache bereits 5000 sl.
aus, wozu noch weitere Spenden von
Wohltätern kommen. Der Stadt stehe
es frei, etwas zu geben oder nicht. Wie
viele Kirchen Ravensburg zähle, wisse er
selbst, wenn es aber dem Kaiser gefalle,
sie noch um ein Klösterlein zu vermehren,
wie es auch an andern Orten geschehen
sei, wo noch mehr Geistliche sich be-
finden, so sollte die Stadt dafür dankbar
sein. Die Platzkosten würden sie beim
Kaiser gewiß nicht entschuldigen, da man
0 Stadtarch. R., Sch. 55, L. o. F. 1975s. 1.
°) Stadtarch. R., Sch. 5b, L. o. F. 1975s 6.

ja keinen größeren Platz brauche als
jenen, den im Jahre 1615 die Stadt
Biberach gutwillig hergegeben habe.
Ähnlich sei es hinsichtlich des Materials,
das von langer Hand vorbereitet werden
müsse. Auch bezüglich des Unterhaltes
der Kapuziner brauchten sie keine Sorge
zu haben. In Konstanz und Biberach
hätten sie erfahren können, daß die Ka-
puziner ihr Almosen mehr bei den nächst-
gelegenen Gotteshäusern, Herrschaften und
Edelleuten suchen. Die geringe Zahl der
Bürger bedeute gleichfalls keinen Ent-
schuldignngsgrnnd. Rapverswil, Frauen-
feld, Engen und Radolfzell hätten noch
weniger Einwohner und seien ärmer.
Wenn sie aber fürchten, ihr Spital und
Seelhaus möchte von den Kapuzinern
überlaufen werden, so mögen sie be-
denken, daß man das Bitten niemandem
verwehren könne, da es jedermann frei-
stehe etwas zu geben oder nicht. Zu-
dem fluchen die Kapuziner nicht, wenn
man sie abweist. Allerdings habe die
Stadt in den Kriegszeiten viel zahlen
müssen, aber gar so groß sei ihre Not
doch auch nicht und der Krieg werde
nicht ewig dauern. Er rate den Herren
darum, ihre Meinung zu ändern und
ihm zu erlauben, daß er dem ?. Pro-
vinzial zwischen Ostern und Pfingsten
einen Tag zur Augenscheinaufnahme be-
stimmen dürfe. Sollten sie aber bei ihrer
Opposition bleiben, so müsse er ihr
Schreiben samt seiner Relation nach
Hofe senden. Er besorge aber, daß der
Kaiser es übel aufnehmen werde, wenn
er bei ihnen weniger Willfährigkeit finde
als bei der Stadt Regensburg, die doch
keinen einzigen katholischen Ratsherrn
habe. (Fortsetzung folgt.)
8. Geschichte des ehemaligen
Hranziskanerinnenklssters
zn Unlingen, (^tsg.)
W^as rückwärts auf der Pfarrkirche
stehende Klosterglöcklein kaufte
Dekan Kleber amro 1784 von der Auf-
hebungskommission und schenkte es der Ge-
meinde zum einem „Zügenglöcklein", das
zu läuten wäre, wenn ein Sterbender in
den letzten Zügen liege. Das ganze
Inventar der Klosterkapelle und was die
loading ...