Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

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ttveti. Lser in Ronr und Florenz.
(Mit dem Bildnisse Esers).
bekannte schwäbische Kunst- und
Naturforscher, Württemberg. Ober-
finanzrat, Friedrich Eser, besuchte Rom
im Herbste 1856. Er wurde — um seinen
nachfolgenden Briefen aus der ewigen
Stadt und Florenz Einiges über feine
Persönlichkeit vorauszuschicken (s. auch Nr. 4
dieser Zeitschrift, XXV, 1907, S. 49—53)
— am 14. Januar 1798 zu Hiirbel, O.-A.
Biberach in Oberschwaben, geboren als das
jüngste von 5 Kindern, von welchen aber !
nur eine um 10 Jahre ältere Schwester
am Leben geblieben war. Sein Vater
war bei der dortigen Gutsherrschaft, dem
Freiherrn v. Freyberg-Eisenberg als Rat
und Obervogt in Diensten und stand als !
ein nach Geist und Gemüt wohlgebildeter
Mann und als ein geschäftsgewandtertüchti-
ger Beamter in allgemeiner Achtung und
Ansehen. Von ihm und von der Mutter,
einer geborenen v. Zwergern, wurde der
Knabe unter glücklichen Verhältnissen aufs
Sorgfältigste erzogen. Seinen ersten
Unterricht empfing er von seinem Vater
und dem Kaplan des Orts. Angeregt
von diesen zeigte er frühe eine große
Freude an der ihn umgebenden Natur
und wurde hierin von seinem Vater mit
liebevollem Eingehen auf seine kindlichen
Liebhabereien bestärkt und gefördert.
So legte er schon als Kind den Grund
zu den naturwissenschaftlichen Bestrebungen,
die lebenslang seine Freude geblieben sind,
und deren Frucht die reichen Kenntnisse
waren, die er noch als Greis zu erweitern

und mitzuteilen bereit war. Aber auch
die Liebe zur Kunst, die ihn nachmals
so sehr erfreute und auszeichnete, erwachte
frühe in ihm und wurde schon im Eltern-
hause und noch mehr auf den Gymnasien
zu Kempten i. A. und Rottweil, die er zu
seiner weiteren Ausbildung besuchte, durch
fleißige Übung des Zeichnens gepflegt.
Doch überwog in ihm mit der Zeit der
Naturforscher den Kunstfreund; als letz-
terer ist er auch als abgesagter Gegner
von allem Barock und Rokokko etwas ein-
seitig. Seine Anschauungen über die neu-
erwachte, altdeutsche Kunst und deren
Meister (so z. B. über Martin Schön
(!) bezw. Schongauer, Hemling (!) waren noch
in der unklaren verschwommenen Rich-
tung befangen, wie sie den „Romantikern"
zu eigen war. Daneben wurden aber die
andern Lehrgegenstände von ihm keines-
wegs vernachlässigt; wie durch die edlen
Eigenschaften seines Charakters, so erwarb
er sich durch seine Wißbegierde und seinen
Fleiß Liebe und Anerkennung bei Lehrern
und Mitschülern. Mit reicher vielseitiger
Bildung wohl ausgerüstet, bezog er im
Herbst 1815 die Tübinger Hochschule, zu-
nächst um Medizin zu studieren. Äußere
Umstände führten eine Änderung dieses
Plans herbei: nach dem Wunsche des
Gutsherrn sollte er später der Amtsnach-
folger seines Vaters werden und wandte er
sich daher dem Studium der Rechtswissen-
schaft zu, das i. I. 1819 mit den üb-
lichen Prüfungen abgeschlossen wurde.
Nur kurze Zeit war er im württember-
gischen Justizdienste als provisorischer Ge-
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