Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

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Heiligen Meß ohne weiteres Herumlausen je-
weils beywohnen können.
Wo aber das ausgewöhlte Hause an der
Pfarrkirche nicht angebauet ist, da wird täglich
in der ehemaligen Klosterkirche zur Stunde,
welche in der Tag-Ordnung bestimmet wird, von
dem Oirsctor die Hl. Meß gelesen werden, bey
welcher sich die Jnnwohnerinnen des Hauses
fleißig, und andächtig einzufinden haben, es
wäre denn, daß Sie Krankheits halber zu er-
scheinen gehindert würden. An Sonn- und
Feyrtagen aber haben sie sich in die Pfarrkirche
des Orts zu verfügen, um alldorten der Predig
und Pfarrlichen Gottesdienst bey zu wohnen.
IV. Bon Empfang der Heiligen Laaramonton.
Alles gute komt von Gott, und aus un-
serem eigenem Kräften vermögen wir nichts.
Wir müßen uns also befleißen, daß wir uns
der Göttlichen Gnade, die das gute in uns
würkt, theilhaftig machen.
Das sicherste Mittel hierzu ist der öftere
Gebrauch der Hi- Sakramenten der Buße nem-
lich und des Hl. Altars Sakraments, als der
reichesten Quellen, aus welchen uns die Gnad
Gottes zufließet.
Durch die Buße erhalten wir nach den Un-
verwerflichen Zeugnüssen der göttlichen Schrift
die Gnade wider, die wir durch die Sünde ver-
lohren haben.
Und wer weißt nicht welcher Gnaden wir
durch den Gebrauch des Heiligen Altars Sakra-
ments theilhaftig werden? wer mein Fleisch
isset, sagt der Heyland bey Johannes 6ten
Lnpitol 5?ten v. und mein Blut trinket,
der bleibt in mir und ich in ihm. Hätte
er wohl ein trostreicheres Versprechen von sich
geben können? Denn laßt sich wohl dieser Aus-
spruch anderst verstehen, als wir werden ver-
mittelst der Gnade, welche uns durch das Altars-
Sakrament zu theil wird, mit Christo so eng
verbunden, als wären Wir mit ihm ein Fleisch
und Blut geworden.
Wenn also durch das Altars-Sakrament, eine
so enge Verbindung zwischen Christo, und uns
Hergestellet wird, so mag es den Seelen, welche
in dieser Vereinigung verharren, leicht seyn, das
Böse zu meiden, und das gute zu würken, leicht
den Versuchungen Widerstand zu thun, die böse
Anmuthungen zu unterdrücken, und aus dem
Weeg der Tugend sortzuschreiten, denn, wie sich
der Weltapostel in dem Brief an die Philipenser
am 4ten Kap. IZftn V. ausdrücket: in dem,
welcher uns stärket, das ist, mit der Gnade
Gottes, vermögen wir alles.
Es soll also die Lobwürdige Gewohnheit,
alle 14 Täge zu beichten, und «omunioiren
auch im neuen Institut beybehalten werden,
doch damit aller Gewissenszwang entfernet bleibe,
so wird den Mitgenossenen frey gelassen, aus
der Kirche, wohin sie zu beichten angewiesen
werden, einen Beichtvater zu wählen, welchen
sie wollen.
Der Regel nach ist die Beichte in der Psarr-
kirche zu verrichten, doch, wenn in dem Orte,
worin sie wohnen können ein oder mehrere

Klöster vorsindig wären, so wird es der Ver-
fügung des virsators überlassen, seine Unter-
ordnete nach Beschaffenheit der Länge, Bequem-
lichkeit, oder anderer Umständen in der Pfarr
oder Klosterkirche beichten zu taffen.
Die Beicht hat allemals am Vorabend zu
geschehen, der Oirsotor soll hiezu die Täge, und
die Stunde bestimmen.
Um aber aller Unordnungen vorzubeugen
hat er die Vorsicht zu treffen, daß alle Mit-
schwesteren zur bestimmten Stunde sich mit-
einander in die Kirche zu verfügen, und von
dar auf gleiche Weise zurückkehren. Die Kranke
und gebrächliche sollen ihre Beicht zu Haus
verrichten. Folgenden Tags sollen alle ins-
gesamt nach vorangehörter heiligen Meß die
Heilige Llonaunion, aus der Hand des Oirsctor«
empfangen, denjenigen, welche kränklicher Um-
ständen halber dabey nicht erscheinen können,
soll das heilige Abendmahl von dem Oirsotor
mit Einverständniß des Pfarrers zugetragen
werden. (Forschung folgt.)
keck. Zum Hütkinderwesen.
Nachtrag.
meiner Abhandlung über dasselbe
im D.-A. XXXIII., 1905, Nr. 9/10,
S. 131, 2. Spalte, welche inzwischen da
und dort, meist ohne Angabe der Quelle,
gehörig ab- und ausgeschrieben worden
ist, habe ich infolge eines Übersehens be-
merkt, in dem Werke Weizenegger-
Merkles über Vorarlberg geschehe
gar keine Erwähnung von dieser merk-
würdigen Dienstwanderung. Dem ist
nicht so, vielmehr hat vorgenanntes Werk
dieser Erscheinung sogar einen eigenen
Abschnitt unter der Aufschrift „Aus-
wanderung" in Bd. II, S. 316--320
(Innsbruck, 1839, im Verlage der
Wagner'schen Buchhandlung) gewidmet,
wo es u. A. heißt: „Das Erträgnis des
Bodens, des Kunst- und des Handels-
erwerbes reichen nicht zu, das Bedürfnis
der Bevölkerung an Nahrungsmitteln
und barem Geld zu befriedigen, das
Ausland muß daher für ein Stock-
kapital gelten, das einerseits die Wan-
dernden nährt, vorzüglich aber fo viele
Zinse an sie abgibt, daß sie in der
Heimat ihre unvermeidlichen Ausgaben
bestreiten können. Nach Lichtmeß, wenn
anders schon gelinde Witterung eintritt,
beginnen die Züge der Kinder, die in
Scharen nach den schwäbischen Ufern des
Bodensees, in das Allgäu und bis
Waldsee und Biberach wandern;
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