Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

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von Stetten, Fleckhen Vnd Dörfern ge-
legen sein, Vnnd doch auch nit gar zue
nahend darbey, damit Vnß die zue vile
Beywohnung vnnd gemainschafft der welt-
lichen, nit zue nachtheil geraiche, genug-
sam wird sein, wann sie gemainkhlich,
souil es khomlich geschehen mag, ohn-
gefahr ein Meine Italienische Meilwegs
daruon gelegen, weil Bnß allzeit lieber
Vnnd erwünschter sein soll, nach dem
Exempel der H. H. Väter fnrnemlich
deß Vnserigen in denn Einödinen Vnnd
Verlaschen örthern, dann in den lustigen
Stätten zuewohnen".
Hinsichtlich der Kreuzerrichtung und
Grundsteinlegung des Klosters gehen die
einzelnen Berichte sehr weit auseinander.
— Vollständig unrichtig ist der Bericht
bei v. Memminger?) der sagt: „Vom
29. Mai bis 25. Oktober 1625 erbauten
sie (die Kapuziner) vor der Stadt auf
der Kuppelau ein Klösterlein mit Kirche,
welch letztere im Jahre 1629 eingeweiht
wurde". — Ebenso irrt Hafners) der
schon am 5. Oktober 1624 den Bauplatz
auweisen läßt. — Ebenso enthält Un-
richtigkeiten der Bericht bei Schlapperitz'?)
„den 5. Oktober hat Johann Christoph,
Prälat des Gottshauses Weißenau,
den ausgezeichneten Ort samt dem da-
selbst aufgerichteten Kreuz ouin
8ol6wmtat6 benediziert. Den ersten Stein
daran hat gelegt besagter Herr Prälat,
Herr Johannes Erbtruchseß, Freiherr
zu Waldburg, Canonikus zu Konstanz,
Straßburg, Cölln und Brixen, Herr Ur.
Eberhardt römisch kaiserlicher Majestät
Nach, und Abgesandter des Gottshauses
Weingarten, auch des schwäbischen Creis
Prälaten-Syndikus. Nachdem die Kirche
wirklich zu Stande gekommen, hielt die
erste Predig darin Ü. ?. Rembold 0.
8 Ukneäieti in Weingarten".
(Fortsetzung folgt.)

') v. Memminger: Beschreib, des Oberamt.
Ravensburg, S. 113. Ebenso nach ihm vr.
Vochezer: Gesch. des fürstt. Hauses Waldburg,
Bd. 3, S. 657.
2) Hafner: Geschichte der Stadt Ravensburg,
S. 573.
°) Schlapperitz: Ravensburgische Chronik,
S. 177.
*) ?. Lilvostar u Nockiolano: Harmlos 6u-
paoinorum, Mailand 1737. S. 1V2.

Aleinere Mitteilungen.
Uoü. Fluglied auf Erzherzog Aarls Siege
in, Jahre l?<)6.
Der französische General Joh. Bapt.
Jourdan (1762—1833), nachmaliger
Marschall und Pair von Frankreich, drang
bekanntlich i. I. 1796 über den Rhein
wiederholt vor, wobei Land und Leute
und namentlich auch das Benediktiner-
reichsstift Neresheim von Feind und
Freund mit Quartieren, Requisitionen rc.
übel mitgenommen wurden. Erzherzog
Karl warf ihn zwar über den Rhein
zurück, mußte aber vor Moreau bis an
die Altmühl zurückweichen, während
Jourdan dann wieder auf der Mainlinie
bis gegen Böhmen vordrang. Der Erz-
herzog wandte sich, Moreau durch geschickte
Manöver täuschend und demselben aus-
weichend, nochmals gegen Jourdan und
schlug ihn in einer Reihe bei Theiming,
Amberg und Würzburg aufs Haupt,
so daß er sich in vollster Auflösung über
den Rhein flüchten mußte. Diese Siege
Erzherzogs Karl besingt nachfolgendes,
in des Neresheimer Benediktiner ?. Nack
handschriftlichem Tagebuch über den fran-
zösischen Krieg in Schwaben 1796 ent-
haltenes, wahrscheinlich von einem Kloster-
geistlichen nach der Weise des bekannten
Lied: „Es flog ein Gänschen über den
Rhein, und kam als Gig-gag wieder
heim re." gedichtetes Lied:
Es ging der Jourdan über'n Rhein
Und sie! ins deutsche Reich herein
Gleich einem Straßenräuber.
Süß war die Proklamation;
Und manche glaubten diesem Ton
Recht wie die alten Weiber.
Chor: Ja manche glaubten diesem Ton
Recht wie die alten Weiber.
Sie reichten freundlich ihm die Hand
Und zeigten statt dem Widerstand
Recht kindliches Vertrauen.
Er aber sprach von Feindschaft nur
Und ließ doch überall die Spur
Zurück von seinen Klauen.
Chor: Und überall ließ er die Spur
Zurück von seinen Klauen.
Er nahm der armen Bauern Pferd,
Die er zur Vorspann nur begehrt,
Mit sich als gute Beute;
Er kehrt auch in die Klöster ein,
Begehrte Geld, trank ihren Wein
Und zechte auf die — Kreide.
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