Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

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kräftige Natur trug den Sieg davon. Ohne eine
Arznei als Nhabarber, welche Dursch mit sich
führte, und eine Hungeikur von 21 Stunden,
wurde er vollständig hergestellt. Von Räubern
und andern gefährlichen Zuständen, von welchen
vor meiner Abreise so viel gesprochen worden
ist, haben wir dagegen, obgleich wir schon ein
gutes Stück von Italien und die einsamsten Ge-
birgswege bereist haben, bisher überall nichts
wahrnehmen können. Was die Zeitungen sagen,
hat gewöhnlich eine absichtliche Färbung oder
verhält sich ganz anders in der Wirklichkeit. Auch
Danneckers Abenteuer in Rom ist sehr unbe-
deutend, wie er den Vorfall selbst erzählt. Wir
sind in Rom und selbst in dem gewaltigen,
menschenreichcu Neapel öfter einzeln ganz allein,
bei Tag und bei Nacht umhergegangen, ohne daß
uns ein Haar gekrümmt wurde.
Den 20. Okiober 1856.
Gestern waren wir in Pisa. Es sind un-
gesähr 15 Stunden dahin; man legt aber den
Weg per Eisenbahn in 2'/- Stunden zurück,
abends 71/2 Uhr waren wir wieder hier. So
gewaltige und herrliche Gebäude wie den Dom,
den schiefen Glocken-Turm, einzeln für sich be-
stehend, das Baptisterium, den berühmten alten
Kirchhof, Larripo santo genannt, dessen Erde die
alten Pffaner in Jerusalem holten, alle diese
Gebäude aus weißem Marmor wird man auf
einer Stelle beisammen kaum irgendwo so sehen.
Sie machen einen großen unauslöschlichen Ein-
druck. Ueberhaupt ist Pisa, längs den beiden
Usern des Arno gelegen, eine prächtige, aber sehr
vereinsamte, alternde Stadt. Hier in Florenz,
der herrlichsten, großartigsten Stadt am Arno,
überall von malerischen Gebirgen und Hügeln
umgeben, die von Landhäusern übersät sind,
findet man einen unerschöpflichen Reichtum vo»
Kunstgegenständen. Welche köstlichen Perlen ent-
kalken nur die 2 öffentlichen Galerien, die Uf-
fizien und der Palast Pitti! An Gemälden der
edelsten Art ist Florenz fast reicher als Rom.
Man kann nicht genug ansehen und bewundern.
2 Tage widmeten wir nur allein den Uffizien
und einigen Kirchen, den heutigen Tag dem
Dom und Ualu^o stitki. Diese Anstalten sind
glücklicherweise mit Ausnahme des Sonn-
tags täglich 6 volle Stunden für jedermann
offen und im Palast Pttti sind die Säle noch
nebenher mit einer wahrhaft königlichen Pracht
ausgestattet. Morgen werden wir nochmals alle
Galerien hier besuchen. Dann sind aber schon
wieder 6 Tage seit unserer Ankunst verflossen,
und die Zeit mahnt zuni Abschied. Uebermorgen
wird der Vetturin von Bologna und Padua be-
stiegen, wo wir mit einem Aufenthalt von einem
Tag in Bologna, in 5 Tagen einzutreffen hoffen.
Tann sollen 3 Tage auf Venedig verwendet
und darauf die Heimreise angetreten werden.
Bis zum 4. oder 5. November hoffe ich nut
Gottes Hilfe wieder bei Euch Lieben in der
Heimat einzutreffcn .... Gute Trauben haben
wir nur in Rom getroffen. Die Weine waren
aus demselben Grunde häufig schlecht ... Gestern
hatten wir in Pisa noch ein heftiges Gewitter,
doch ist die Lust am Morgen und Abend all-
mählich bedeutend kühl; und die nicht immer-

grünen Bäume fangen an, das Laub zu ver-
tieren .... Vom Kirchenrat (Dursch) viele
Grüße . . . ."
> X. Schwedenkrieg um rvciszenau.
(Andere Hälfte.)
Zweite Flucht der Weißenauer
im Juli 1632.
A^ar es auch den kaiserlichen Truppen
im Verein mit den süddeutschen
Bauern im Mai des Jahres 1632 ge-
lungen, die Schweden aus dem westlichen
Allgäu und aus Oberschwaben bis nach
Biberach zurückzudrängeu, so fühlte man
sich doch nicht sicher, so lange der auf
Rache sinnende Feind sich im Besitze dieser
Reichsstadt behauptete. Man faßte daher
gegen Ende Mai den Entschluß, ihn mit
Gewalt daraus zu verdrängen. Eine
große Schar von Bauern versammelte sich
in den Feldern bei Grünkraut, zum
großen Verdruß des dortigen Pfarrers,
der den durstigen Leuten nicht Wein genug
verabfolgen konnte. Dieser Landwehr
schloß sich eine Abteilung kaiserlicher Sol-
daten an unter dem Kommando des
Grafen Haraucourtst)
Man erwartete alle Tage Belagerungs-
werkzeuge von Lindau her, mit denen man
die Festungsmauern zu erbrechen gedachte.
Wie es dann hieß, die Maschinen wür-
den bald auf einem andern Wege nach
Biberach befördert, so setzte sich der Zug
in Bewegung und gleich am 31. Mai
begann man die Stadt zu bestürmen.
Das Militär, meint Eberlin, habe die
Landleute vermutlich deshalb vorgehen
lassen, weil es ihnen in seiner Eifersucht
eine Schlappe gegönnt habe. Wie dem
auch sei, die Bauern fanden, als sie den
ersten Angriff auf die wohlverschanzte und
hartnäckig verteidigte Stadt machten, viel
heftigeren Widerstand, als sie erwartet
hatten, und wurden großenteils getötet
oder verwundet. Da kein Geschütz von
Lindau eintraf, zudem schwedischer Ent-
satz teils von Ulm, teils von Augsburg
und Memmingen her bevorstand, so mußte
der Oberbefehlshaber schon am 2. oder
st Harecuort bei Eberlin, Harronkurdt
bei Bürster, Harencourt nach Fr. v. Weech,
sonst auch Harrecourt genannt. Wallenstein hatte
denselben im April zum Generalwachtmeister er-
nannt.
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