Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

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länger wegblieb, nach ihm geschickt wurde,
Hadermann rc. Er verkehrte hier mit
Passavant, dem gelehrten Bibliothekar
Kirchner, den Gebrüdern Murhard, Mor-
genstern, Börne, vr. Clemens, Krum-
macher, Rechtskonsulent Savoie und vielen
andern. Mit seinen geistlichen Kollegen
v. Wreden, Burg rc. in der Kommission,
von welchen der Nassauische Kirchenrat
Koch hernach zum Protestantismus ab-
fiel, ebenso mit den katholischen Stadt-
pfarrern Orth und Marx stand er gut.
I. fand in St. einen Mann „voll Kraft
und starr wie Eisen", welcher durch seinen
festen, durch und durch massiven Cha-
rakter tiefen Eindruck auf den so un-
gleichen Domherrn machte. In der
Unterhaltung sprach sich St. „stark, be-
stimmt, energisch und in seiner üblich
barschen (kurz angebundenen) Weise" aus.
Stein zeigte hier I, wie dieser in der
liebeuswürdigen, interessanten Beschreibung
seiner „Gemäldesammlung" (München,
1855, S. 28) weiter erzählt, auf seiner
Burg ein Kuriosum, nämlich einen,
von St. auf den Sturz Napoleons sinn-
bildlich eingerichteten Turm, wo in be-
sonderen Abteilungen und Etagen sich
unten eine Bücherei von lauter Werken
und Broschüren aus der Befreiungszeit
befand, im 2. Stockwerk ein Saal mit
den Büsten der Kaiser und Könige, be-
rühmter Feldherrn und sonstiger Männer,
die zum Sturz Napoleons beigetragen
haben, und endlich im 3. Stockwerk eine
Galerie von Gemälden aus der — Apo-
kalypse, Kap. VI-IX, II, über dessen
Fall! Die Tübinger Professoren E(schen-
mayer?) und v. Sch(rader?) waren um
diese Zeit auch einmal nach Frankfurt
a. M. gekommen; nach einem Zusammen-
treffen derselben mit St. äußerte E.
gegenüber von Jaumann: „Das ist ein-
mal ein Kraftmensch, wie mir nicht bald
einer vorkam; der wäre im Stande, eine
ganze Welt in Bewegung zu bringen!"
Wenn auch in der Folge vieles anders
ausfiel und ganz anders ging, als wie
es sich St. — und zwar manchmal
etwas unpraktisch — dachte, so hat Stein
doch nicht umsonst gelebt und gewirkt
und eine reiche Saat hinterlassen; und
wenn sonst nichts wäre, als das herr-
liche, leuchtende Beispiel seiner Vater-

landsliebe und seines Edelsinns, seiner
Charakterstärke und sittlichen Reinheit,
das er in schwerer Zeit dem deutschen
Volke gegeben, so wäre es genug!
Das
Aapnzinerkloster in Ravensburg.
Von ?. Peter B. Zierler in Bregenz.
(Fortsetzung.)
^Am 7. April sandte auch der Bischof
WM von Konstanz aus Meersburg zwei
Schreiben, eines an den gesamten ff und
ein anderes an den katholischen Rat
allein. Im letzteren-) tadelt er die
Adressaten wegen ihres geringen Eifers
und mahnt sie, doch das wenige Geld
für den Platz nicht zu scheuen, da ja
Gott eine große Ehre daraus erwachse.
Zudem werde der Kaiser ihre Entschul-
digung nicht annehmen. Er rät schließ-
lich den Katholiken, in einem eigenen
Schreiben dem Kaiser zu erklären, sie
hätten zwar gerne willfahrt, seien aber
von den Protestanten überstimmt worden.
Der Kaiser werde dann mit diesen schon
zu verhandeln wissen und sie kämen so
wenigstens aus dem Verdacht, keinen
Eifer für die Ehre Gottes zu haben. —
Diese Schreiben scheinen doch einige
Wirkung gemacht zu haben. Wir finden
nämlich einerseits, daß vr. Albert Ever-
hart am 15. April den Syndikus Mar-
tin Heiß um seine Beihilfe und um
Mitteilung der Ratsentschließungen er-
suchtund andererseits, daß am 21.
April im Stadtrate verordnet wurde,
man solle über die Abstimmung Still-
schweigen beobachten, damit kein Gerede
entstehe, ff Den Grund des letzteren
Beschlusses dürfte ein Schreiben des
Rates an Truchseß Heinrich vom 21.
April angeben, worin es heißt, man
habe sein Schreiben vom 19. April
an den Amtsbürgermeister Joachim
Besserer im Rate verlesen und ge-
sehen, welche Spezifikation sie einliefern
sollten. Es komme ihnen das aber
1) Stadtarch. Rav, Schrank 55, Lade a.
Fasz. 19755.
2) Stadtarch. Rav., Schrank 55, Lade a.
Fasz. 1975a 1, 7 u. 38.
2) Stadtarch. Rav., Sch. 55, L. 6. F. 1975a 8.
ff Stadtarch. Rav., Sch. 55, L. v. F. 1975a
1 u. 38.
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