Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

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Drei abgegangene Dörfer auf den
Markungen Linsingen u. Lggingen
(MberaintNlmbezw.Nlanbenren).
^^uf der Markung Einsiugen erwähnt
WM die Oberamtsbeschreibung Ulm ein
untergegangenes Dorf Sunthusen. Seine
Lage war bisher nicht festzustellen. Aus
welcher Quelle obiges Werk geschöpft,
konnte ich auch nicht eruieren, bis ich jüngst
ganz unerwartet auf diesen Namen in einer
Urkunde aus dem Jahre 1303 stieß und
nicht bloß auf diesen, sondern in derselben
Handschrift gleich auf zwei weitere Dörfer:
Rusberch und Ussenriet.
Usfenriet liegt auf der Markung Ein-
singen, Rusberg hart daneben auf der
von Eggingen, Sunthusen aber wohl auf
Markung Erbach bezw. Wernau. Dieselben
mögen schon Mitte des 14. Jahrhunderts
bei den Städtekriegen, welche die Ulmer
Gegend stark mitnahmen, zerstört worden
sein. An zwei derselben erinnern nur
noch die Flurnamen und so kann auch
ihre ehemalige Lage ziemlich sicher be-
stimmt werden. Auch die Urkunde (s. An-
lage) gibt ein recht anschauliches Si-
tuationsbild, so daß auch der dritte Ort:
Sunthusen leicht gefunden werden kann.
Norden
Eggingen
-l>-O—Ussenriet
Westen Osten
Süden
-<1-l>-0-
Rusberch Einsingen Sunthusen
Halten wir uns an diese Schilderung!
Dieselbe verlegt: Sunthusen —Einsingen
— Rusberch rechts des Ortsbaches, Eg-
gingen—Ussenriet links desselben. Die
beiden Geraden stehen parallel zu einander.
Gegenüber von Eggingen liegt Rusberch,
gegenüber Ussenriet ist Sunthusen: Ein-
singen nimmt die Mitte der Linie Rus-
berch-Sunthusen ein. Da, wo die Senk-
rechte von Eggingen die Gerade Sunt-
Husen-Einsingen trifft, muß Rusberch ge-
legen sein. Die dortige Flur trägt nun
heutzutage noch den Namen „Rießberg".
Es ist ein großer sandiger Hügel, ganz
in der Nähe befinden sich die bekannten
alten steinernen Kreuze. Ebendort kreuzt
die Straße Eggingen—Erbach den Vizi-
nalweg Einsingen — Ringingen. Es ist
also über allen Zweifel erhaben, daß an

diesem Kreuzigungspunkt das Rusberch
gestanden war.
Wo haben wir aber Ussenriet') zu suchen?
An der nördlichen Geraden Eggingen—
Schaffelkinger Wald, gegenüber von Sunt-
husen, das wir uns zu denken haben,
etwa in der Mitte zwischen dem Bahn-
hof und Dorfe Einsingen rechts des
Baches. Fällen wir von dieser angenom-
menen Lage von Sunthusen eine Senk-
rechte (von Süden nach Norden) auf die
Linie Eggingen - Schaffelkinger Wald, so
stoßen wir auf die Flurbezeichnung Düs-
senried. Das Wort ist sicherlich aus
Ussenriet entstanden. Das »ä« vor Ussen-
riet ist der abgekürzte Artikel »ck-w«.
Man sagt: Ich geh ins Düssenried, komm
vom D. Daß hier ein Dorf gewesen
sein muß, dafür spricht auch der Um-
stand, daß bis zum Anfang des 19. Jahr-
hunderts in unmittelbarer Nähe eine Ka-
pelle aus dem 14.Jahrhundert mit Mesner-
haus sich befand. Die Äcker bei dieser
Kapelle führen heute den Namen sulü
linnsü (Äcker) (oup. uck sunetum üo-
ImiEm). Ob nicht diese Kapelle zu
diesem Dorfe gehört hat und in den
blutigen Fehden des 14. Jahrhunderts
verschont geblieben ist?
So hätten wir die Lage von Ussenriet
gefunden. Ihm gegenüber an der Linie
Rusberch-Einsingen muß Sunthusen ge-
wesen sein. Leider konnte ich bisher keine»
daran erinnernden Flurnamen entdecken.
Selbstverständlich haben wir uns unter
den untergegangenen Dörfern keine Kom-
plexe in der Größe der modernen Dörfer
vorzustellen, es waren, wie auch der la-
teinische Name andeutet (villue), wohl
nur Weiler im heutigen Sinn, aber für
damals groß genug. Die Dörfer konnten
sich erst entwickeln, als die Wälder, welche
die ganze dortige Gegend bedeckten, ge-
lichtet worden.
Einsingen. Maier, Pfarrer.
Anlage.
Aus der Pergamentrolle betr. Zehntstreitig-
keiten zwischen den Pfarrern von Harthausen
und Erbach vom Jahre 1303/04.
1. VValtirsrus villieus osnsnariu? aitaris s.
Martini in 6ünrsburoch, resictsns in ll'almas-
sinZan at rseoräatnr guinguaxinta . annis
. . . . aä oeeulnrn äsinonstravit viäsliest,
') Es ist hier eine Ausrodung des Waldes
vorgenommen worden; daher der Name.
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