Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

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meister Peter Schmid der Weinschank be-
willigt, ebenso ein Fuder Holz, jedoch
unter der Bedingung, daß das Umgeld
ordentlich an die Stadt geliefert werde.
Peter Schmid war Koch in der Weissenau
und meldete sich beim Rat laut Protokoll
vom 12. April 1669 an, das Sennerbad
zu „bestehen", das er Sommer und
Winter an Haus, Bad und Feldern be-
wohnen und bestellen wolle. Doch zur
Zeit werde er sür seine Person dasselbe
noch nicht beziehen, sondern sein Weib
und zwei erwachsene Töchter dorthin tun,
daß die Badleute versehen und akkom-
modiert seien. Das Sennerbad wurde
ihm nun auch auf ein Jahr in Bestand
gegeben mit Haus, Bad und zugehörigen
Gärten und Feldern. Die Stadt hatte
ihn mit Holz zum Baden, wie für die
Küche und die Ofen zu versehen, nur hatte
er es auf seine Kosten machen zu lassen.
Das Badgeld von jeder Person 6 Kreuzer
hat er der Stadt abzuliefern, er aber
erhält von jeder Person einen Kreuzer.
Vom Wein, den er ausschenkt, soll er
das Umgeld an die Stadt liefern, aber
einen eigenen Wein soll er nicht schenken,
sondern an die von jeher gewohnte Ord-
nung der Zunft- und Stubenknechte ge-
bunden sein. Den Wein soll er nur in
der Stadt Ravensburg kaufen dürfen.
Er soll befugt sein, zwei Kühe auf den
gemeinen Stadttrieb auszuschlagen. Da-
für soll er jährlich 24 Gulden Bestand-
geld geben, die Gräben auf seine Kosten
säubern und aufmachen, die Felder be-
bauen und die Bäume putzen. Als Gegen-
dienst will ihm die Stadt „Dach und
Gemach" erhalten. Weil nicht jeder Be-
stände!, wie ein Elias Kutter, taugte, kam
es zu Mißhelligkeiten und dies, wie die
durch die paritätische Verleihung ent-
standenen Reibereien und Streitigkeiten !
dürfte der Grund des Verkaufs des Bades
gewesen sein. Die Streitigkeiten wurden
genährt durch den Protest des Abts von
Weingarten gegen jeden protestantischen
Bestände! mit der Begründung, daß das
Sennerbad in die Weingarten'sche Pfarrei
Berg gehöre.
Nach den Protokolleinträgen hatten
Arme, die das Senner- und Heiligkreuz-
bad benutzen wollten, an den Rat bezw.
Armendeputation sich zu wenden, welche

die Supplikanten in eine Liste eintrug.
Der Stadtphysikus gab je sein Gutachten
ab, entweder für den Gebrauch des Heilig-
kreuz- oder des Sennerbades. Nach dem
Armenratsprotokoll vom 22. Mai 175(U)
bitten 2 Frauen aus Ravensburg, weil
sie bei dem Heiligkreuzbad einen weit
besseren Effekt als im Sennerbad ver-
spürt, ihnen dessen Gebrauch noch ferner
zu gestatten. Der bessere Effekt hattte
aber seinen Grund nicht in der Ver-
schiedenheit des Wassers, sondern in der
Billigkeit des Gebrauchs. Denn die
Vermögenden sollten das Heiligkreuzbad
gegen Gebühr, die Armen aber nach
eines der Stadtphysicorum Ermessen un-
entgeltlich zu gebrauchen Erlaubnis haben.
Einen Ausfall seiner Quellen hatte aber
das Sennerbad nicht zu verzeichnen wie
das Heiligkreuzbad. Am 7. Januar 1763
zeigte der Herr Senator und Heiligkreuz-
pfleger Merz beim Rate an,-) daß bei
dem Heiligkreuz der Schwefelbrunnen
vermutlich wegen länger anhaltender Kälte
ausgeblieben sei. Der Rat aber ließ die
Anzeige bis „zu abgeänderter Witterung"
auf sich beruhen. Hatte Stadtphysikus
Lorenz Grubermann (s. D.-A. XII.,
1894, Nr. 1, S. 2 f. zur Geschichte der
Buchdruckerkunst in Ravensburg rc.) 1653
über das Heiligkreuzbad berichtet, daß sein
Wasser aus Kiesel in 3 Quellen heraus-
fließe und einen guten Teil Salpeter und
einen guten Teil Schwefel und nicht
wenig Vitriol oder Kupferwasser enthalte,
so konnte unterm 21. Januar 1706 Or.
Johann Ludwig Schlapperiz über das
Sennerbad an den Magistrat das Gut-
achten abgeben: Dieses Wasser im Senner
fließt aus drei unterschiedlichen Quellen
wiewohl von gleicher Qualität in eine
mit Quadersteinen wohlverwahrte Haupt-
quelle aus einem weißgrauen Kies heraus.
Und es enthält einen guten Teil Kalk-
stein, Alaun, jüdischen Salniter und
Schwefel, davon der Kalkstein den Vor-
zug oder vierten Teil, der Salniter und
Alaun 2 Teile und der Schwefel einen
Teil behält.3)

i) Seite 7 Stadtarchiv Ravensburg.
?) Ratsprotokoll.
ff Heft XXI der Ravensburger Chronik
S. 676 und 677, Manuskript in der Stadt-
bibliothek Ravensburg.
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