Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

Page: 92
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/schwaebarchiv1909/0108
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
92

läuterungen und Ergänzungen zu Jans-
sens Geschichte des deutschen Volkes,
VI. Band, 4. Heft.) gr. 8" (XII und
96). Freiburg 1908, Herdersche Ver-
lagshandlung. Mk. 2.60 br.
Die Falkschen Schristen bringen in der Regel
etwas seither kaum Bekanntes, so auch die vor-
liegende Arbeit über die Ehe. Der Verfasser
nimmt aus dem bis in die neueste Zeit erhobenen
Vorwurfe, die Kirche des Mittelalters habe Ehe,
Familie nicht nach Gebühr gewürdigt, den An-
laß, die neueste Schrift auszugeben. Kapitel I
behandelt die kirchliche Ehrung der Ehe: litur-
gische Gebete, öffentliche und private Gebete,
wobei die Bedeutung der „Brauttüre" an den
größeren Pfarrkirchen klargestellt wird. Ka-
pitel II stellt die teils symbolische teils recht-
liche Bedeutung von Ring, Schleier und Gürtel
dar. Kapitel III „Die bürgerlichen Vorrechte"
ergeben sich aus den Privilegien, wie sie die
Weistümer allerorts angeben; die milde Kriegs-
sitte und die Fürsorge für Wöchnerinnen be-
kunden die charitative Tätigkeit der Kirche; ein
ganz neues Thema ist das Losbitten von Ver-
brechern vom Tode durch Jungfrauen „dem heiligen
Ehestand zu Ehren". Kapitel IV führt die die
Ehe betreffenden Schriften größeren und kleineren
Inhaltes vor (Albrecht von Eyb, Markus a
Weida), woran sich in Kapitel V Auszüge aus
Lehr- und Erbauungsbüchern anschließen und
in Kapitel VI die beliebten Volksbücher (Prosa-
novellen: Genovefa, Griseldis, Grisardis, Graf
im Pflug). Kapitel VII: Ein wertvolles, aus
allen Ecken hervorgeholtes Material sind die
Brautausstattungen für brave unbemittelte Jung-
frauen (pusllus insritnnckns), wobei sich Rom
und die Päpste auszeichnen, in Deutschland:
Hamburg. Kapitel VIII kommt auf die Ver-
klärung und das Madonnen-Jdeal zu sprechen.
Kapitel IX behandelt die Ehe im schlüpfrigen
Humanistenzeitalter, an welches sich die Rcsor-
mationsperiode mit ihrem Niedergang in theo-
retischer und praktischer Hinsicht anschließt. Alles
in allem haben wir eine apologetische Schrift
von hohem Werte, die zugleich Stoff bietet sür
Vorträge, welche das Wirken der Kirche in das
gebührende Licht zu stellen geeignet sind.
Studien zur kirchlichen Reform Josephs II.
mit besonderer Berücksichtigung des
vvrderöfterreichischen Breisgaus. Von
I)r. Hermann Franz, gr. 80. (XXVI
u. 332). Freiburg 1908, Herdersche
Verlagshandlung, br. Mk. 7.—.
Die Erforschung der kirchenpolitischen Ver-
hältnisse des 18. Jahrhunderts in Österreich hat
mehr als nur landesgeschichtliche Bedeutung.
Im Josephinismus gelangte das uralte landes-
sürstliche Streben nach einem staatlichen Kirchen-
regiment zur höchsten Entfaltung. Der Jo-
sephinismus war aber auch Grundlage und
Ausgangspunkt für die Entwicklung der gesamten
Beziehungen von Staat und Kirche im 19 Jahr-
hundert. Geistesgeschichtlich gebührt dem Jo-

sephinismus eine allgemeine Bedeutung. Die
vorliegende Arbeit geht von der ersten Forderung
an ernsthafte Geschichtsarbeit aus: Gesamter-
scheinungen erst nach möglichst vollkommener
Durchforschung des Quellenmaterials zu beur-
teilen: erst nach Klarlegung aller Verhältnisse
und Vorgänge vor, während und nach einer
großen Epoche die Kulturwerte derselben zu be-
stimmen zu suchen. In dieser Hinsicht scheint
in der Erforschung der kirchlichen Reform Jo-
sephs II. noch recht wenig getan. Eine „Ge-
schichte der kirchlichen Reform Josephs II." will
der Versasser — wie schon der Titel sagt —
nicht vorlegen; dazu bedürfte es noch weit mehr
Vorarbeiten, vor allem aber eine längere Durch-
forschung der Archive. Aber die Hauptpunkte
der kaiserlichen Resormpläne und Reformver-
suche werden an der Hand umfassender archi-
valischer Arbeiten hervorgehoben und ihre spe-
zielle Anwendung in einem früher österreichischen
Landesteile verfolgt. — Ausgehend von der
Aufhebung des Jesuitenordens in Öster-
reich und den daran anknüpfenden typischen
Streitigkeiten zwischen Österreich und
Baden um Jesuiten- und Klostergut
(Kapitel I und II) werden die noch von Maria
Theresia eingeleiteten Reformen zur Ver-
staatlichung des Klerus geschildert (III. Ka-
pitel), die Reform der theologischen Studien
durch Maria Theresia, die Errichtung der Ge-
neralseminarien, der staatliche Tischtitel. Das
IV. Kapitel betrachtet die Aufhebung der
Bruderschaften; eingehend wird deren Be-
deutung in Österreich dargelegt und die Ver-
Wendung ihres Vermögens für kirchliche, Armen-
und Schulzwecke. Dabei dürsen wir auch auf
die in unserem Archive XXIII und XXVI von
1905 und 1908 erschienenen Arbeiten über das
Bruderschaftswesen aufmerksam machen. Das
Kapitel (V) über die Klosteraufhebung holt
weiter aus über die Stellung des österreichischen
Staates bis Joseph II. zum Kirchen- und Klo-
stervermögen und die Klosterpolitik Maria The-
resias, behandelt dann ausführlich die Auf-
hebung durch Joseph II. und deren Verlauf im
vorderösterreichischen Breisgau. Ein kürzeres
Kapitel (VI) ist der Aufhebung des sog.
Dritten Ordens und der Waldbrüder
gewidmet. Das >VII. Kapitel wendet sich der
Pfarreinrichtung zu, dem Gebiet ureigensten
josephiniscben Geistes. Die Reform der Seel-
sorge in Österreich wird hier klargelegt und bei
der Pfarreinrichtung im Breisgau ein lebens-
voll anschauliches Bild gezeichnet von den pfarr-
liehen Verhältnissen des schon geographisch so
reichgestaltigen Breisgaus. An den Verhält-
nissen der vorhergehenden Zeit wird die Be-
deutung der Seelsorgereform Josephs II. ver-
anschaulicht; „das Erreichte" wird zum Schluß
zusammengefaßt. Das VIII. (Schluß-) Kapitel
führt im Religionssonds die große Idee
Josephs II. von der Einheit alles geistlichen
Vermögens innerhalb der österreichischen Mo-
narchie vor Augen, deren zwar nur unvoll-
ständige Verwirklichung gewissermaßen eine Ver-
einigung aller Reformpläne des Kaisers zu einem
einzigen großen Ganzen vorslellt. Zum ersten-
loading ...