Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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1903. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 1.

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Messingtafel am gefälligsten zu gestalten, am
leichtesten und wirkungsvollsten anzubringen
sein, mag sie eingelassen, vorgelegt, selbst nur
aufgehängt werden. Auch für private Zwecke
erscheint sie geeignet, denn wer möchte
leugnen, dafs sie auch im Zimmer an der Wand
als Festgeschenk einen ernsteren Eindruck
machen würde, als manche gemalte Adresse,
bei der die Komposition selten einheitlich, die

ordentlich gepflegt und auf den Gipfel künstleri-
scher Durchbildung erhoben hat, bis tief in die
Renaissance, die das Erbe des Mittelalters gerade
auf diesem mehr technischen Gebiet gehütet und
entwickelt hat. An diesen Schatz mufs wieder
angeknüpft werden für alle Inschriften, die mo-
numentalen Zwecken dienen sollen, also auch
für die der liturgischen Gefäfse, an denen sie
im Laufe der Zeit verkümmert sind.

Wirkung in der Regel zu spielend ist, nicht
im Verhältnis zu der Feier, an die sie die Er-
innerung festhalten soll. Diese würde in viel
einfacherer Art, auf viel monumentalere Weise
bewahrt durch eine Metalltafel, wenn ihr ein-
gegrabener Schmuck auch nur in einer In-
schrift besteht, etwa mit einer Initiale (in die ein
Figürchen komponiert werden könnte). In allen
Stilarten gibt es dafür vortreffliche Muster von der
romanischen Periode an, in der die Buchstaben
wuchtig eingegraben wurden, durch die ganze go-
tische Zeit, welche die ornamentale Schrift aufser-

Was der Mode zu dienen, Aufsehen zu er-
regen bestimmt ist, wie das Firmenschild, das
Plakat u. s. w., mag in allerlei Buchstaben-
Spielereien sich gefallen, was aber Erinnerungen
bewahren, ernste Gedanken wecken, auf die
Dauer befriedigen soll, das behaupte sich im
Fahrwasser der alten guten Beispiele. Wird
der ernste Schriftcharakter und seine korrekte
Ausführung von den Bestellern wieder betont,
dann wird es nicht fehlen an Künstlern, die
Inschrifttafeln zu entwerfen und auszuführen
verstehen, auch in Metall. Schnütgen.
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