Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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1903.— ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 1.

20

Die kunsthistorische Ausstellung in Düsseldorf.

IX. (Mit 2 Abbildungen.)

23. Reliquienbuch der katholischen
Kirchengemeinde zu Wetzlar.

on dem hier abgebildeten Re-
liquienbuch (Nr. 715 des Kata-
logs), 31 cm hoch, 23 cm breit,
Sü 5 cm dick, besteht der Kern in
Buchenholz, das nur auf der Rückseite in die
Erscheinung
tritt, mit Ver-
schlufs ver-
sehen zum
Schutze der
zu bergenden
Reliquien.
Ringsum
sind Silber-
platten auf-
genagelt,
auch auf der
Vorderseite
als Einfas-
sung für die
vertiefte Mit-
telfüllung,
wie als Grund

derselben,
mithin als
Fond für die
Kreuzigung.
Die Figuren
derselben:
der Kruzi-
fixus, Maria
und Johan-
nes, etwas
derbe, aber
gut model-
lierte und
charakteri-
sierte Gestal-
ten in spät-
gotischer mitteldeutscher Stilisierung, sind
aus Silber getrieben und ganz vergoldet mit
Ausnahme der Karnationspartien und des
Kreuztitels. Auch die flachen breiten Kreuz-
balken, welche durch die eingravierte Nach-
bildung der Holzmaserung eine gewisse Glie-
derung erhalten haben, sind vergoldet. Am
Fufse des Kreuzes ist eine quadratische

Kapsel angebracht, von der der Deckel ver-
schwunden ist, bestimmt, das Heiligtum zu
verdecken, das hier aufbewahrt wurde, viel-
leicht eine Kreuzpartikel. Ein aufgenageltes
kräftiges Doppelprofil rahmt die Mittelgruppe
wirkungsvoll ein, sie scheidend von der breiten
Einfassung, welche ringsum von einem eben-
falls aufge-
nagelten
Profil um-
säumt wird.

Auf den
Ecken, etwas
in dieses ein-
schneidend,
sind die Me-
daillons der
Evangelisten
Symbole an-
gebracht, gut
gezeichnete,
silbergegos-
sene Reliefs,
welche die
Ecken vor-
trefflich mar-
kieren und
vergoldet
vom Silber-
grund gut
sich abhe-
ben. — Alles
wirkt somit
zusammen,
um mit ein-
fachen Mit-
teln eine gu-
te Wirkung
zu erreichen,
als'die Frucht
der klaren

Anordnung, der korrekten Modellierung, des
geschickten Wechsels von Silber und Gold.
Als Vorbild für das Frontale eines Mefsbuches
würde sich diese Tafel eignen, die für ihren
ursprünglichen Zweck kaum noch in Frage
kommen könnte, denn diese Art der Reliquien-
fassung ist für die heutigen Bedürfnisse der-
selben nicht geeignet.
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