Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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1903.— ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 10.

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Die kunsthistorische Ausstellung in Düsseldorf.

XVIII. (Mit Abbildung.)

34. Zwei hochgotische bronzegegos-
sene Reliefstatuetten im Sigmaringer
Museum des Fürsten von Hohenzol-
lern (Katalog Nr. 2818 und 2819.)
Auf einer aus dem Achteck konstruierten,
oben wie unten sich abrundenden Konsole steht
jede dieser Figuren,
mit ihr. aus einer
Form gegossen und
33 cm hoch. Beide,
etwas kurz u. breit

gehalten; ohne
Zweifel, weil be-
stimmt je eine Ar-
katurzu füllen, sind
Meisterwerke des
Bronzegusses, inso- {
weit in ihm die \
scharf markierten *
Gesichter, die kräf-
tig gewellten
Haupt-, die fein ge-
kräuselten Bart-
haare,die ungemein
gefällig, im grofsen
Stil geordneten Fal-
ten vollständig zum
Ausdruck gelangt
sind, insoweit na-
mentlich auch die
alle Unterschnei-
dungen vermeiden-
de Modellierung auf
die Gufstechnik die
höchste Rücksicht
nahm. — St. Petrus,
auch durch die ein-
gravierte hochgoti-
sche Majuskelun-
terschrift! S'- ßG.

aVRY$ • APD'S bezeichnet, aber auch sofort
kenntlich durch den ausdrucksvollen, rundlichen
Kopf, das kurze, gewellte Haupthaar, den kranz-
lichen Bart und namentlich die grofse Tonsur,
fafst mit der Linken das Buch, und die Rechte
scheint die Schlüssel gehalten zu haben. Der Saum
des vorzüglich geworfenen Mantels, an dem be-
sonders bemerkenswert ist der breit vordie Brust
sich legende und leicht über den rechten Arm

K



herabhangende Zipfel, ist durch Schraffierung
markiert, so dafs bei der flachen Behandlung
der Figur die hintereinander geordneten Fal-
tengruppen um so kenntlicher sich lösen. Dafs
auch selbst die Hände gut modelliert sind
welche diese Periode noch vielfach vernach-
,.. lässigt, ist ein wei-

terer Beweis für die
ungewöhnliche Lei-
stungsfähigkeit die-
ses Meisters. — Den
S'.PAYD'.APIt'S.
charakterisiert der

längliche feine
Kopf, das oben
kahle Haupt mit
den lang herabfal-
lenden Locken, der
Spitzbart und die
für die Fassung des
Schwertes bereite
und geschlossene
Hand. In kühne-
rem Wurf ist der
Mantel weit und
mächtigüber Gürtel
und Knie zum lin-
ken Arm gezogen,
um über ihn herab-
zuhängen. — Es
herrscht mithin in
den beiden sonst
als Pendants be-
handelten Figuren
grofse Mannigfal-
tigkeit als ein neuer
Beweis für die Er-
findungsgabe des
Künstlers, der in der
zweiten Hälfte des
XIV. Jahrh. aus der rheinischen Schule her-
vorgegangen zu sein scheint. Auf diese
weisen nämlich Faltenwurf wie Gesichtsausdruck
hin, und der Umstand, dafs die ihr sonst eigen-
tümliche Schlankheit hier fehlt, findet vielleicht
durch die Bestimmung der Figuren zur Nischen-
füllung seine Erklärung. Die Vermutung, dafs sie
zur Blendarkadenausstattung eines Reliquien-
schreins gehörten, dürfte nicht unbegründet sein.
----------- Schnütgen.

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