Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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1903. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 6.

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Die kunsthistorische Ausstellung in Düsseldorf.

XIV. (Mit Abbildung.)

29. HölzemerKrummstab der Frührenais-
sance, Samml. Clemens (Kat.-Nr.25Gl).
iese aus Nufsbaumholz geschnitzte
Krümme nebst Manubrium, 55 cm
hoch, unten 6 cm im Durchmesser,
oben 2'/2 bis 4 cm dick, hat ent-
weder einer nahezu lebensgrofsen Bischofsfigur
als Attribut gedient oder, was noch wahrschein-
licher sein dürfte, einer Äbtissin als Abzeichen
ihrer Würde; denn ganz aus Holz gebil-
dete Stäbe pflegten den Bischöfen nicht bei
ihren Funktionen zu dienen, sondern nur
als Bestattungsbeigabe. — Das vorliegende
Exemplar zeichnet sich durch einen gewissen
Reichtum aus und durch eine originelle, dem
Material vortrefflich angepafste Behandlung, wie
sie sich namentlich zeigt in dem flachen, handlichen
Relief, und in der geschlossenen, kompakten,
Verletzungen nach Möglichkeit ausschliefsenden
Art der Konstruktion, so dafs dasselbe gerade
in dieser Hinsicht als sehr lehrreich und muster-
gültig bezeichnet werden darf. — Von dem
achteckigen gut profilierten Ring, in den der
Rundstab sich einzufügen hatte, leitet eine durch
fünf Blätter verzierte Hohle zur Rundung über,
die in leichter Anschwellung durch fünf Säul-
chen gegliedert ist. Zwischen diesen stehen unter
Rundbogen je eine Relieffigur: St. Ursula, St. Jo-
hannes Baptist, drei nackte Engel; acht Blätter
vermitteln den wiederum achtseitigen Ring, und
aus diesem wächst in viereckiger Führung die
birnförmige Krümme, die in den flachen Kehlen
auf beiden Seiten mit ausgesparten Rosetten ver-
ziert ist. Mit eng anliegenden Blattkrabben rings-
um besetzt, läuft die nur wenig sich verjüngende
Krümme unter der Mitte harmonisch in einen
Blattwulst aus. Über demselben thront, die
Öffnung sehr geschickt füllend, auf einer Blatt-
konsole unter einer offenen Arkade die Gottes-
mutter als Relieffigur, und sehr durchsichtig
gehaltene Blattvoluten füllen neben den beiden
Rundsäulchen die Zwickel aus. — Architektur
und Ornament verraten italienische Einflüsse,
während im übrigen die süddeutschen Formen
vorherrschen, wie sie im III. Jahrzehnt des
XVI. Jahrh. in Übung waren. — Die aus
einem Stück geschnitzte Stabbekrönung war ur-
sprünglich polychromiert, daher mit Kreidegrund
versehen, dessen Reste, weil die Feinheiten des
Schnitzwerks verdeckend, entfernt wurden.

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