Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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1903.— ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 3.

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ist, in das altehrwürdige Heiligtum demnächst
übertragen werden und dann das Herz des ge-
waltigen Gotteshelden an jenem Orte wiederum
in ungestörtem Frieden und zu frommer Ver-
ehrung ruhen möge, wo es im Leben so oft
Erholung suchte von den Mühen und Sorgen
des Hirtenamtes, neue Begeisterung sammelte
für seine grofsen und weitschauenden Pläne,
wo es im Tode seine erste Ruhe und seine
erste Verherrlichung gefunden hat.

Zur würdigen Wiederherstellung der Ka-
pelle in alter Pracht war vor Jahren schon ein
kleiner Kreis von Kunstfreunden unter dem
Namen St. Markus verein zusammengetreten,
welcher sich zur Aufgabe setzte, die ca. 16000 M.
betragende Bausumme zu beschaffen und neue
Gönner für das Werk zu gewinnen. Der Verein
hat zwar schon jetzt namhafte Erfolge zu ver-

zeichnen ; aber trotz seiner Bemühungen, trotz
der Opferfreudigkeit der Altenberger Gemeinde
und des Eifers ihrer Seelsorger, der Herren
Rektoren Heynen, Grüters und Mostert,
sowie der von der Provinz gewährten Bei-
hülfe von 6000 M. bleiben doch noch Mittel
aufzubringen, um die innere Ausstattung würdig
zu gestalten. Wir glauben daher unsere Aus-
führungen schliefsen zu sollen mit der herz-
lichen Bitte an alle Freunde der farbenfrohen,
fromminnigen mittelalterlichen Architektur und
Malerei ein Scherflein beizusteuern, damit die
St. Markuskapelle, dieses langvergessene Denk-
mal der Vergangenheit recht bald wieder Gott
zur Ehr', der Kunst zur Lehr' in erneutem
Glänze sich der Gegenwart zeigen möge!

Lic. Grüters, Mülheim a. Rh.

Baurat Heimann, Köln.

Straufs und Kranich als Attribute der Gerechtigkeit.

ls ich vor einigen Jahren eine Ab-
handlung über die Rechtssitte des
Stabbrechens schrieb, sammelte ich
I Fälle, in denen die Justitia den
Stab bricht. Das Ergebnis war in dieser Hin-
sicht sehr gering. Aber unter den vielen Dar-
stellungen der Gerechtigkeit, die ich bei dieser
Gelegenheit durchmusterte, fielen mir einige
auf, bei denen Straufs oder Kranich als Attribut
verwendet waren. Sie waren bisher wenig be-
achtet. Und über die Bedeutung waren höchst
abenteuerliche Meinungen geäufsert. So ent-
stand der vorliegende Aufsatz.

I.

Die Fälle, in denen der Straufs als Attribut
der Justitia erscheint, sind nicht zahlreich. Nur
fünf können hier nachgewiesen werden.

1. Weitaus am bekanntesten ist die Ver-
wendung dieses seltsamen Attributs im Kon-
stantinssaal des Vatikans in Rom. In der
Gruppe des Papstes Urban I. hat Giulio Romano
davon Gebrauch gemacht.

2. Ebenso sehen wir einen Straufs neben
der Justitia am Grabmal des Papstes Hadrians VI.
im Chor der Kirche S. Maria dell'Anima zu
Rom.1) Tribolo hat die allegorischen Figuren
daran verfertigt.

>) Burckhardt »Cicerone« II, 1. 2. (1898), p. 137.
»Revue de l'art chr£tien« VIII, (1864) p. 45.

3. Ein Beispiel aus dem XVII. Jahrh. bietet
eine Statue aus Stuck in der Kirche S.Niccolö2)
in Rom.

4. Ferner befindet sich eine Statue der Ge-
rechtigkeit mit dem Straufs als Attribut an der
Rückwand des Hochaltars in der Kirche
S. Giovanni de' Fiorentini3) zu Rom.

5. Endlich begegnet man einer solchen Zu-
sammenstellung von Straufs und Gerechtigkeit
in dem Fresko, das die Wölbung des früheren
Sprechsaals der Minimen in der Kirche
S. Trinitä de' Monti4) in Rom schmückt.

Neben diesen fünf Hauptbeispielen ist zu-
nächst auf Ripas Iconologie hinzuweisen. In
verschiedenen Ausgaben6) derselben finden sich
elende Holzschnitte, auf denen der Justitia ein
Straufs beigegeben ist. Nicht die Bilder, son-
dern der Text sind hier die Hauptsache. Bei
der Erklärung werden wir darauf zurückkommen.

Daneben sind nur noch die Symbola divina
et humana von Jac. Typotius6) zu nennen.
Unter den Symbola sanctae crucis gehört eine
Darstellung hierher, wenn es sich bei ihr auch
nicht um eine Personifizierung der Gerechtig-
keit handelt. Auf fol. 5 (IV. hierogr. gem.)

2) St. Nie. „des Lorrains", »Revue de l'art chre'-
tien« VIII, p. 44 f.

3) »Revue de l'art chrelien« VII, (1863) p. 431 f.
*) »Revue« VII, p. 498 ff.

5) z. B. ed. Ven. (1669) p. 246.
«) (Prag 1601 )
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