Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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1903. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.

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Türme zu bezeichnen, welche statt des vorge-
fundenen Sternenmusters in Weifsblech eine
Arkadenfüllung erhielt, wie diese an den recht-
eckigen Turmgeschossen vorhanden war.

Vor der Wiederherstellung bildete die
Stellung der Lichthalter eine zweifelhafte Frage.
Der verstorbene Professor Küsthardt wollte
nach seinen Untersuchungen am Leuchter die
vorgefundene Stellung oberhalb der Zinnen
nicht als die ursprüngliche gelten lassen. Nach
dem Befund beim Zerlegen des Leuchters kann

finden gewesen, sodafs man nur auf Vermu-
tungen angewiesen ist, die allerdings durch
folgenden Umstand etwas an Gewifsheit ge-
wonnen haben: am Rande der Portalöffnung
der Türme wurde an einem kleinen Niet das
Bruchstück eines Silberplättchens gefunden.
Man kann hieraus wohl folgern, dafs in den
Öffnungen der Architekturen eine aus Silber-
blech getriebene Füllung, die auch eine figür-
liche Darstellung enthalten haben kann, ange-
bracht war, und die bei den verschiedenen

es jedoch keinem Zweifel unterliegen, dafs die
Stellung über den Zinnen die allein richtige
und ursprüngliche ist. Es ist nämlich an der
Rückseite der Zinnen, an der Stelle, wo die
röhrenförmigen Halter die Zinnen decken, die
Vergoldung ausgespart, ein Beweis dafür, dafs
die Anbringung an dieser Stelle bei der An-
fertigung von vornherein vorgesehen war. Eine
Zutat bei der jetzigen Wiederherstellung ist die
konsolartige Endigung der Röhren.

Nicht geklärt ist die Frage, ob Figuren in
den Öffnungen der Tore und Türme den Auf-
schriften entsprechend, gestanden haben. Un-
zweifelhafte Nachweise hierüber sind nicht zu

Zerstörungen des Leuchters verschwunden ist.
Ebenso sind auch die aus Silber gefertigten
Engelfiguren verschwunden, welche nach ur-
kundlichem Bericht vorhanden waren und bei fest-
lichen Gelegenheiten an den bajonettförmigen
Spitzen oberhalb der Tore angebracht wurden.
Die Wiederherstellungsarbeiten wurden dem
Professor Küsthardt (der vor 30 Jahren die Nach-
bildung für das Kensington - Museum geliefert
hatte) übertragen, nach seinem Tode von seinen
Söhnen fortgeführt unter Zuhilfenahme eines im
Berliner Kunstgewerbe-Museum ausgebildeten
Kupfertreibers.

Hildesheim.

Richard Herzig.
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