Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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1903. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr 3.

Unhandliches, aber eigentlich nur für das ganze Werk,
nicht für die einreine Tafel; dagegen den Vorzug, dafs
es nicht blofs grofse Dimensionen für einzelne Auf-
nahmen gestattet, sondern namentlich auch die Ver-
einigung von mehreren, oder gar manchen gleicharti-
gen Einzelheiten, deren Studium dadurch aufserordent-
lich erleichtert und gefördert wird. Diese Umstände
hat der Verfasser sich sehr zu nutze gemacht, indem
er sowohl einzelne mächtige und reiche Bauwerke,
besonders deren Innenansichten, sehr grofs wiedergab,
als auch sehr viele Blätter mit zusammengehörigen
Details in vorzüglicher, überaus lehrreicher Gruppierung
füllte: Basen und Kapitale, Profile und Friese, Portale
bezw. Tympane und Giebel, Mafswerkfenster und
Türme, auch Epithaphien, Altäre und manches andere.
Durch diese übersichtliche Zusammenstellung ladet der
Atlas auf Schritt und Tritt zu Vergleichungen ein,
also gerade zu der lokalen Studienart, die durch die
Inventarisation in erster Linie gefördert werden soll,
und dieser Vorzug möchte dem imposanten Werke zu
allermeist nachgerühmt werden. Aber er ist nicht sein
einziger: die Abbildungen sind auch alle gut, die
meisten ausgezeichnet, sowohl die auf photographi-
schen Aufnahmen beruhenden, als auch die den durch-
weg vortrefflichen Zeichnungen nachgebildeten, und
diese sind glücklicherweise sehr zahlreich. Dazu
kommt, dafs die Mafse der Wiedergaben der Bedeu-
tung wie der Eigenart der Denkmäler entsprechen,
so dafs auch in dieser Beziehung der Eindruck durch-
weg sehr befriedigt, nie ermüdend, immer anregend.

Als so grofs erwies sich der Reichtum selbst an
hervorragenden Denkmälern, wie des Mittelalters, so
namentlich der Renaissance und des Barocks, dafs
hinsichtlich der Abbildungen Beschränkung auch in
dem Sinne eintreten mufste, dafs einzelne Gruppen
(wie die vorgeschichtlichen, die Steinmetzzeichen,
Tafelbilder, Gold- und Silberschmiedewerke, Gewebe,
Paramente etc.) späteren Veröffentlichungen vorbe-
halten, in öffentlichen Sammlungen befindliche Gegen-
stände ganz ausgeschlossen bleiben.

So eng der Anschlufs an das Verzeichnis ist,
die Anordnung ist eine wesentlich andere, indem bei
jenem die Geographie mafsgebend war, hier die kunst-
geschichtliche Entwicklung in die Schranken tritt.
Ganz mit Recht, denn das Kunstleben Schlesiens sollte
in seiner Entfaltung sich zeigen vom Zeitalter mittel-
deutscher Einwanderung durch das späte bedeutende
Mittelalter (Breslau), die zuerst von Norditalien, dann
von den Niederlanden abhängige Renaissance, das
glanzvolle Barock, bis in das vornehme, hier eigenartige
Rokoko und den hier frühzeitig auftauchenden Neu-
klassizismus. — Daher sind die Mappen derart
eingerichtet, dafs die erste 72 Tafeln enthält und
zwar 67 des Mittelalters (1—52 Architektur, 53
bis 56 figürliche Plastik, 61 — 67 Altarschreine), 5
Holzbau; die zweite 80 Tafeln, und zwar 49 der
Renaissance, 31 des Barocks; die dritte
wiederum 80 Tafeln, und zwar 153 — 166 Fortsetzung
des Barocks, Rokoko, Neuklassik, sodann
167 —191 Gesamtansichten und Turmhelme,
Innere Ausstattung: Holz 192-199, Metall
(Bronze und Schmiedeeisen) 200—215, Wand- und
Deckenmalerei 216 — 220, Bildnisse in Stein

und Erz 221—232. — Jeder Mappe ist ein Inhalts-
verzeichnis beigegeben, welches in fortlaufender
Reihe jede Tafel anführt unter Angabe der Einzel-
nummern und deren Besprechung im Verzeichnis
und im Wegweiser, also dem Textband, der der
ersten Mappe beiliegt und nicht weniger als 369 Spal-
ten umfafst. Diese beschreiben in musterhafter typo-
graphischer Anordnung die einzelnen Tafeln, um an deren
Hand den künstlerischen Zusammenhang darzulegen
in ganz ungewöhnlicher Beherrschung des Stoffes, und
die 84 Textbilder, die hier eingeflochten sind, er-
gänzen vorzüglich die Tafelbilder. So erscheint der
Wegweiser als ein vollständiges Kollegium über die
ganze Geschichte der schlesischen Denkmäler vom
frühen Mittelalter bis zum Barock und seinen Aus-
läufern auf dem Gebiete der Architektur und Plastik,
überall belebt durch den Hinweis auf die Denkmäler,
deren Auffindung in jeder Hinsicht erleichtert ist, auch
durch die geographisch e Übersicht, welche für
sich allein 30 Folioseiten umfafst und auf diesen 1. die
altschlesischen Landschaften vorführt, nämlich das rechte
Oderufer, das Flach- und Hügelland des linken Oder-
ufers, das Bergland; 2. die angegliederten Land-
schaften, nämlich die Grafschaft Glatz und die Maik-
grafschaft Oberlausitz (preufsischer Anteil). So kommt
alles zusammen, um die leichteste Auffindbarkeit und
die schnellste Orientierung zu ermöglichen. — Dem mit
so viel Hingebung und Geschick tätig gewesenen Ver-
fasser, dem inzwischen die Pflege des ganzen Denk-
mälerschatzes der Monarchie anvertraut worden ist,
darf gratuliert werden zur Vollendung dieses so eigen-
wie grofsartigen Werkes. SchnGtgen.

Hanfstaengl's Galerie-Publikationen Al-
ter Meister. Verlags-Katalog II. Teil.
München, London, New-York. — Im Anschlufs an
den im vorigen Jahre erschienenen Katalog (I.Teil):
„Galerie Moderner Meister" mit mehr als 11000
Nummern (Preis 1,50 Mk.), ist soeben der II. Teil
(Preis 1 Mk.) herausgegeben, der über 7000 Dar-
stellungen (Gemälde und Skulpturen) in verschie-
denen Gröfsen und Vervielfältigungsarten umfafst. Aus
den bedeutenderen Museen Europas und manchen
Privatkollektionen mühsam zusammengesucht, erschei-
nen sie als Bilderschatz, der hinsichtlich der Zahl,
Mannigfaltigkeit, Ausführung nicht seines Gleichen
hat und so allen Bedürfnissen auf diesem Gebiete ent-
gegenkommt, mag es sich um ganz grofsen (bis zu
fast einen Meter Ausdehnung1) oder um kleineren (recht
wohlfeilen) Wandschmuck handeln, um Gravüren und
Pigmentdrucke oder um Silber- und Kohlephotogra-
phien. Der übersichtlich geordnete, reich illustrierte
Katalog orientiert in sehr lehrreicher Art über das be-
zügliche Material. s.

Kupelwiesers Herz-Jesu- und Herz-Mariä-
Brustbild als Heliogravüren vom St. Norbertus-
Verlag in Wien herausgegeben ä 1,50 Mk.
Diese beiden durch ihre Anmut und Milde an-
sprechenden Medaillons sind vortrefflich reproduziert
und als erbaulicher Wandschmuck wohl zu empfehlen.
Der blattgemusterte Hintergrund hätte noch etwas
duftiger gehalten sein dürfen. s.
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