Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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1903. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 8.

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Wismar. — Für diese schöne Frucht der Düsseldorfer
Ausstellung und eigenen Forschens verdient der Ver-
fasser wärmsten Dank. Schnütgen.

Weltgeschichte in Charakterbildern. I.Ab-
teilung. Entstehung und Blüte der allorientalischen
Kulturwelt. Cyrus von Ernest Lindl. Mit
einer Karte und 98 Abbild. Kirchheim. (Pr. 4 Mk.)
Die gerade jetzt im Vordergrund der speziellen
Forschung wie des allgemeinen Interesses stehende
altorientalische Kultur, insoweit sie sich auf Baby-
lonien, Ägypten, Assyrien bezieht, wird hier
hinsichtlich ihres Ursprunges und ihrer Entwicklung
untersucht, bis zu dem Abschlüsse, den sie durch
den grofsen Eroberer Cyrus gefunden hat, den Ver-
einiger der einzelnen Staaten zur persischen Welt-
monarchie, durch die Eroberung Babylons 539 v. Chr.
__ In 4 Kapiteln wird diese Entwicklung darge-
stellt, in der bald dieses, bald jenes Volk mehr hervor-
tritt, stets aber das israelitische eine grofse Rolle
spielt bis zur Zerstörung Jerusalems und dem baby-
lonischen Exil. — Das V. Kapitel ist dem kultur-
geschichtlichen Rückblick gewidmet, der den
Zusammenhang der einzelnen Staaten in bezug auf
ihre Kulturentwicklung in Kunst, Wissenschaft, Religion
eingehend erörtert. Dieser Erörterung dienen die
meisten der durch das Buch zerstreuten vorzüglichen
Abbildungen, die nicht nur den Vorzug zutreffender
Erläuterung, sondern auch ungewöhnlicher Originalität
haben, so dafs schon das Durchblättern grofses Inter-
esse weckt. __ Bei der Aktualität vieler hier behan-
delter Fragen darf grofse Teilnahme gerade für dieses
Charakterbild erwartet werden, welches ohne Zweifel
dasjenige Alexanders des Grofsen vorbereitet, des
Schöpfers vom griechisch-mazedonischen Weltreich.

Schnütgen.

Weltgeschichte in Charakterbildern. V. Ab-
teilung. Die Vollendung der Revolution. Napo-
leon I. von Karl Ritter von Landmann.
Mit 119 Abbildungen. Kirchheim. (Preis 4 Mk.)
Die Würdigung des grofsen Kaisers als Meister
(Erfinder) der modernen Kriegführung steht hier im
Vordergrunde, so dafs hinter den FeldzUgen, die in
sehr klarer, ja drastischer Weise meisterhaft geschil-
dert werden, die übrigen Grofstaten des gewaltigen
Korsen etwas in den Hintergrund treten. Gewifs
werden auch seine staatsmännischen Vorzüge und
Leistungen, die mit seinen kriegerischen Erfolgen aufs
engste zusammenhangen, geschildert, auch seine För-
derungen des öffentlichen Lebens, der ganzen Ver-
waltung wie des künstlerischen Betriebes. Dieser
knüpfte, ganz im Geiste des napoleonischen Denkens
und Strebens, an die Antike an und erreichte eine
eigenartige Ausgestaltung im Empirestil, der, dank
zugleich seiner technischen Vollendung, nach der Re-
volution Einflufs erlangte, weit über die Grenzen Frank-
reichs wie dieses vor derselben dem Geschmack fast
überall die Wege gewiesen hatte. Diese Stilrichtung,
wie sie namentlich im Kunstgewerbe sich zeigte, wird
hier durch mehrere Illustrationen veranschaulicht,
während die meisten Abbildungen den zeitgenössischen
Persönlichkeiten und hervorragenden Begebenheiten,
Schlachten, Paraden usw., als interessante Beigaben
gewidmet sind. Schnütgen.

Henry Thode: Schauen und Glauben (40 Pf.),
— Wie ist Richard Wagner vom deut-
schen Volke zu feiern? (60 Pf.)— Carl Win-
ters Verlag in Heidelberg.

I. Den bereits früher von ihm ausgesprochenen
Gedanken, dafs die Kunst zur Religion und Kultur
führen müsse, entwickelt der Verfasser weiter, indem
er das XIX. Jahrh. als die durch Beethoven, Goethe,
Richard Wagner geschaffene, grofse Kulturepoche
preist, die dem schauenden Auge klar vorliege als
die Vorstufe zum Gl au b e n, und zwar an das Christen-
tum, für welches der Verfasser einen neuen Reprä-
sentanten ersehnt und erhofft, aber ohne hierbei, im
Überschwange der Phantasie, auf die Kirche hinzu-
weisen.

II. Welche Stellung Richard Wagner in dieser
neuen christlichen Kulturperiode einzunehmen habe,
sucht der Verfasser darzulegen durch eine Feier, die
er für seinen Heros plant, die Gestaltung derselben
den Ideen des zu Feiernden entnehmend. Hierbei
geht er auf die Tragödie der Hellenen zurück, ihr
Entstehen aus dem Wesen der Völker prüfend, ihren
Nachklang in Schiller und Goethe preisend, ihre
Vollendung durch die Tonkunst in dem christlichen
Mysterium fordernd, welches der Genius Wagners ge-
schaffen habe. — Diesem müsse eine eigene Feier
gewidmet werden, fUr die der Verfasser eingehend
das Programm entwirft, und zwar in der Einrich-
tung für Deutschland, wie für das Ausland. B.

Die .Alte und Neue Weif (deren Verleger,
Benziger & Co., jährlich 21 Hefte ä 35 Pf. versendet)
beginnt ihren neuen, XXXVIII. Jahrgang schon mit
dem 1. August und verspricht für denselben 1000
Illustrationen wie vermehrten Umfang. Für dieses
Versprechen darf sie Glauben beanspruchen auf Grund
ihrer Leistungen im letzten Jahrgang, die aufserordent-
lich mannigfaltig sind hinsichtlich der Schrift- wie
der Bildwerke. Gedichte, Romane, Novellen, Bio-
graphien, literarische, kunslgeschichtliche, technische
Aufsätze, Reisebeschreibungen und Naturbilder wech-
seln in bunter Reihe, und für die Frauen und Kinder
sind eigene Abteilungen eingerichtet. Ungemein reich-
haltig ist auch die Illustration, in der selbst farbige
Kunstbeilagen nicht fehlen. Diesem durchweg gut
ausgewählten und ausgeführten Apparat, der religiöse,
historische, allegorische, naturwissenschaftliche, land-
schaftliche, namentlich auch zeitgeschichtliche Bilder
(Porträts) mit anerkennenswerter Aktualität bietet, darf
besonderes Lob gespendet werden. B.

Der „Regensburger Marien . Kalender" für
das Schaltjahr 1904 (Verlag von Pustet, Preis 50 Pf.)
ist wiederum reich an belehrenden Mitteilungen und
interessanten Erzählungen, dazu gut illustriert; nament-
lich verdienen die Farbentafel von Schmalzl-Knöfler
und die Originalholzschnilte Eva und Maria nach
Feuerstein alles Lob.

»Benziger's M arien-Ka lender" und .Ein-
siedler-Kalender" für 1904 bieten viele zeilge-
mäfse Anweisungen wie erbauliche Berichte, und auch
die zahlreichen Abbildungen sind durchweg recht be-
friedigend, zumal das Titelbild: Veronika reicht Jesus
> das Schweifstuch, ein Farbendruck aus dem Kreur-
I weg-Cyklus von Feuerstein. G.
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