Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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Seite 68.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

1911, 6.


Städtische Höhere Mädchenschule in Rixdorf. Eingangshalle.

Architekt: Stadtbaurat R. Kiehl in Rixdorf.

Schulhof und dem anschließenden ausgedehnten alten Friedhof Puhl & Wagner in Rixdorf). Die Aula (Tafel 54) zeigt eine

gerichteten Klassenräume erhielten eine vorzügliche Belichtung.
Das Gebäude enthält 22 Klassen-

für eine Mädchenschule

räume mit den üblichen Nebenräumen
(Gesangsaal, Physiksaal, Zeichensaal
usw.), eine Aula, eine Turnhalle und
Schuldienerwohnung. Daran schließt
sich seitlich das Rektorwohnhaus an,
in dem der besseren Ausnutzung wegen
noch eine Mietwohnung untergebracht
ist. Neben dem Rektorwohnhaus ist
noch ein Platz für ein Lehrerinnen-
seminar freigehalten. Die Bausumme
betrug für den gesamten Bau ein-
schließlich der inneren Einrichtung
und aller Nebenarbeiten M. 580000.
Die architektonische Ausbildung zeigt
große Einfachheit, nur der Mittelbau
hat an den Eingängen und über den
Aulafenstern und das Rektorwohnhaus
über dem Eingang bildhauerischen
Schmuck erhalten, den Professor
Josef Rauch in Berlin mit sicherem
Empfinden den architektonischen For-
men eingefügt hat.
Im Innern fesseln uns neben der
Eingangshalle die mit einfachsten
Mitteln behaglich gestalteten Treppen-
häuser; reizvolle und technisch vor-
züglich durchgebildete Gitter (aus-
geführt von Ed. Puls in Tempelhof)
schließen die Bogenöffnungen der
Treppenmittelwangen.
Die obere Wandelhalle wird durch
zwei kräftige, von dorischen Doppel-
säulen getragenen Gurtbögen von den
Fluren abgeschlossen und durch zwei
in zurückhaltenden Farben gehaltene
Mosaikbrunnen belebt (ausgeführt von

Stadt. Höhere Mädchenschule in Rix- Architekt: Stadtbaurat R. Kiehl


dort. Türe des Rektorwohnhauses.

in Rixdorf.

sehr passende Stimmung. Weiß und
Gelb geben den Grundton; die höl-
zerne Brüstung der Galerie zeigt spar-
samen farbigen Schmuck (ausgeführt
von Birkle & Thomer in Charlotten-
burg). Von der grünlich getönten
Decke heben sich die leichten, in der
Form gefälligen Glaskronen (ausge-
führt von V. Hillmer in Rixdorf) vor-
teilhaft ab.
Bei der Bearbeitung des Ent-
wurfes für die Höhere Mädchenschule
bzw. die Privatbauten an der Berliner
Straße standen dem Stadtbaurat für
den künstlerischen Teil die Archi-
tekten John Martens bzw. Robert
Goetze zur Seite; die technische Be-
arbeitung und die Bauleitung lag dem
Bausekretär Fallnacker vom Städti-
schen Hochbauamt ob.
NO
Bauberatungsstellen.
Wie schon in Heft 4 der Archi-
tektonischen Rundschau aus-
führlich berichtet wurde, hat auf
Veranlassung von Professor Dr.
Albrecht, dem Vorstande der Zentral-
stelle für Volkswohlfahrt in Berlin,
eine Konferenz über Bauberatungs-
stellen und als Ergebnis derselben
die Bildung eines Ausschusses statt-
gefunden, dessen Aufgabe die sinn-
gemäße Weiterentwicklung des Bau-
beratungswesens und seine einheitliche
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