Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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1911, 7.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Seite 79.

Zu § 3,1. Die Anzahl der Preisrichter muß eine ungerade sein.
Unter ihnen muß die Mehrzahl aus Architektursachverständigen bestehen.
Zu § 3,4. Die Verzichtleistung (auf Beteiligung am Wettbewerb)
erstreckt sich auch auf die Verfasser des Vorentwurfs und auch (vorbehalt-
lich der Ausnahme in § 1 letzter Satz) auf einen zweiten Wettbewerb um
dieselbe Bauaufgabe.
Zu § 3. Bei Wettbewerben von höherer künstlerischer Bedeutung
ist den Bewerbern bzw. ihren Organisationen die Wahl von einem Drittel
der Preisrichter freizustellen.
§ 4,1. Im Programm ist auszusprechen, ob die Absicht, den Bau
auszuführen, vorliegt.
Wenn nichts Gegenteiliges bestimmt ausgesprochen wird, wird an-
genommen, daß die ausschreibende Stelle keinerlei juristische oder mora-
lische Verpflichtungen oder die Absicht hat, einem bestimmten Kreise von
Personen (außer den Preisträgern) die Bearbeitung zu übertragen.
Es wurde als selbstverständlich bezeichnet, daß nur auf
die Preisrichter eingewirkt werden könne, denen man eine
genauere Richtschnur geben müsse. Diese werde um so mehr
Erfolg haben, je allgemeiner die gesamte Künstlerschaft dafür
eintrete. In der weiteren Beratung der Einzelheiten werden dann
etwaige weitere wünschenswerte Ergänzungen berücksichtigt
werden können, die in dem überarbeiteten Bericht und den
vorliegenden Abänderungsvorschlägen nicht zum Ausdruck
gekommen sind, wie z. B. die von Brurein schon ursprünglich
aufgestellte Forderung, daß bei Erteilung des Ausführungs-
auftrags, soweit nicht besondere Bestimmungen für den ein-
zelnen Fall getroffen sind, das Architektenhonorar nach den
allgemein gültigen Normen zu bemessen ist. Deshalb ist es
wichtig, daß die Abänderungsvorschläge von den einzelnen
Verbänden sorgfältig durchberaten werden und etwaige Wünsche
und Vorschläge dazu ihnen baldigst zugehen.



Gartenhaus bei Neustadt a. S. Architekt unbekannt.


Zur Durchführung der Vorschläge sollen Beratungs-
stellen begründet werden, denen zwei, vom B.D.A., vom Ver-
bände Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine und von der
Vereinigung Berliner Architekten einerseits und von den Malern
und Bildhauern andererseits einzusetzende Zentralausschüsse alle
nötigen Mitteilungen zugehen lassen. Sie sollen die gemein-
samen Interessen der Künstler in den allgemeinen Fragen wahr-
nehmen und, wenn auch über kurz oder lang verschiedene Grund-
sätze für die verschiedenen Kunstgebiete ausgearbeitet werden

dürfen wir die lebhafte Anteilnahme begrüßen, welche dem Streben
nach künstlerischer Gartengestaltung neuerdings zuteil wird und in der
raschen Folge zahlreicher gut ausgestatteter Veröffentlichungen über-
zeugenden Ausdruck findet. Immer mehr schärft sich der Blick für den
Zusammenhang und die Wechselwirkung der verschiedenen Gebilde und
Erscheinungen, für die notwendige Rücksichtnahme auf den Nachbarn und
das Einpassen in die Umgebung wie für das unerläßliche Zusammenwirken
aller Künste. Aber in unserm Schaffen klaffen noch gar manche bedenkliche
Lücken, insbesondere da, wo die neuzeitliche Entwicklung völlig Neues
zu fordern, wo die alten Vorbilder zu fehlen oder zu versagen scheinen. Die

müßten, in krassen Fällen
im Namen sämtlicher Or-
ganisationen Einspruch
erheben und so den For-
derungen möglichsten
Nachdruck verleihen.
Die anwesenden Ver-
treter erklärten sich be-
reit, die aufgestellten Ab-
änderungsvorschläge bei
ihren Verbänden als
Grundlage für die weite-
ren Verhandlungen zur
Herbeiführung eines ge-
meinsamenVorgehenszu
befürworten. Wie drin-
gend nötig solches ist,
zeigen die vielerlei all-
mählich bekanntwerden-
den Einzelheiten über die
Handhabung und Ent-
scheidung des Wettbe-
werbs um das Bismarck-
denkmal in Bingen.
OS
Neue Gartenbücher.
Als eine gute Bürgschaft für
das Erstarken eines um-
fassenderen künstlerischen
Empfindens bei Fachleuten
und Laien, für das allmäh-
liche Wiedererwachen eines
Verständnisses für einheit-
liche Lebenskultur im Volke


Gartenhaus im Park des „Bremer Damenheims“
in Kattenesch.

Architekt: Regierungsbaumeister a. D. Carl Krahn
in Bremen.

innere Zusammengehörigkeit
von Wohnung, Haus und Gar-
ten, die notwendigen Wech-
selbeziehungen ihrer einzel-
nen Teile sind uns wieder
zum Bewußtsein gekommen,
ebenso die Bedeutung des
Gartens im Straßen- und
Stadtbilde. Aus dem Ver-
gleich zwischen Altem und
Neuem erkennen wir zwar
die vollkommene Unzuläng-
lichkeit, die entsetzliche
Nüchternheit des in den letz-
ten Jahrzehnten Entstande-
nen, aber noch fehlt die
allgemeine Erkenntnis der
eigentlichen Gründe dieses
Versagens; vor allem fehlt
den meisten für das Um-
setzen des theoretisch Er-
kannten in die Wirklichkeit
der Ausführung das prakti-
sche Verständnis für Garten
und Pflanzenwuchs, das Be-
herrschen der Gartentechnik,
ohne das eine lebensfähige
Gartenkunst ebenso undenk-
bar ist wie eine künstlerische
Reife auf irgendeinem andern
Gebiete ohne zielbewußte
Auswahl und Meisterung des
Materials. Aber während je-
der andre Künstler nur totem
Stoff eine für die Dauer des
Werks gleichbleibende Form
gibt, hat der Gartenkünstler
mitlebendenWesen, mitstän-
digem Wachstum und Ver-
gehen, mit einer nimmer
rastenden Weiterentwicklung
und allen Vorbedingungen
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