Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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1911, 9.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Seite 97.



Fenster einer
Friedhofskapelle.

Entworfen und ausgeführt von Glasmaler
Georg K- Rohde in Bremen.

Fenster im Speisezimmer im Haus Fincke Entworfen und ausgeführt von Glasmaler
in Bremen. Georg K. Rohde in Bremen.

Ein moderner Glasmaler.
Hierzu Tafel 90.

Wir haben heute sehr viele Leute, die Architektur machen, aber
nicht viele Architekten. Und ebenso haben wir viele, die auf
Glas malen, aber wenige, die Glasmaler sind. Wie es zur Ge-
staltung einer guten Architektur nicht genügt, wenn ein mit
Phantasie und Geschmack begabter Zeichner mit seinen dekorativen Gedanken
ein Bauwerk schmückt, so wird auch nie eine richtige Glasmalerei heraus-
kommen, wenn derselbe Mann, der bisher nur auf Papier und Leinwand seine
Kraft erprobt hatte, nun zur Abwechslung die Glasfläche als Karton für die
Darstellung seiner Entwürfe benutzt. Wir haben lehrreiche Beispiele genug
aus der Entwicklungsgeschichte unseres modernen Kunstgewerbes, die uns
deutlich erkennen lassen, wie schnell in solchen Fällen nach der ersten
staunenden Überrumpelung die ablehnende Erkenntnis sich einstellt: „Trotz
aller Originalität und trotz allen Reizes der Darstellung doch nicht auf die
Dauer befriedigend, doch kein Kunstwerk, weil nicht auf dem Boden der
materialbeherrschenden technischen Erfahrungen gewachsen!“ Weil eben ein
Werk der angewandten Kunst nur dann vollkommen sein, nur dann Stil
haben kann, wenn in ihm sowohl die Forderungen der Schönheit als die der
Technik mit zielsicherer Meisterschaft erfüllt sind. Die Werke unserer Väter,
bei denen wir noch lange in die Schule gehen müssen, zeigen uns auch
auf dem schwierigen und lange Zeit so besonders unglücklich bearbeiteten
Gebiete der Glasmalerei den richtigen Weg. Vergleichen wir die straffen,
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