Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

Page: 137
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1911, 12.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Seite 137.


Landhaus des Großhändlers Beijer in Skodsborg.

Architekt: Carl Brummer in Kopenhagen.

große Publikum noch keine Ahnung von dem Werte oder
Unwerte der architektonischen Tagesproduktion. Im Heimat-
schutz haben wir also den Wiederbeginn eines architektonischen
Interesses vor uns, das eifrig gepflegt werden sollte, denn es
ist die Hoffnung zu hegen, daß sich auf diese neu gewachsene
Pflanze das Pfropfreis eines eingehenderen Verständnisses für
Architektur aufsetzen läßt. Wenn auch manche Anhänger des
Heimatschutzes vorläufig in der Täuschung befangen sind, daß
man mit dem Rezepte: Heilserum 1830 den kranken Körper
der Architektur kurieren könne, wenn auch den Bauberatungs-
stellen vielfach der Irrtum zugrunde liegt, daß es möglich sei,
einen schlechten Bauentwurf gut zu revidieren, wenn auch die
Diktatorarbeit eines landrätlich berufenen Bauberaters hier und
da Besorgnis erwecken kann, so müssen wir uns doch hüten,
das rege Interesse, das sich im größeren Publikum für diese
Dinge eingefunden hat, durch Hervorhebung der Unzulänglich-
keiten zurückzudrängen. Wir befinden uns eben in einer Not-
lage, in der auch Ersatzmaßregeln akzeptiert werden müssen.
Nichts wäre in ihr gefährlicher, als etwa vom Standpunkte der
höchsten künstlerischen Anforderungen herab alle diese seitlich
vorgenommenen Heilversuche zu verneinen. Erste Staffel der
Popularisierung der Architektur ist Erweckung des tätigen Anteils;
als zweite erhoffen wir dann die Erweckung des wirklichen Ver-
ständnisses. Und hier sei es gleich einmal ausgesprochen, daß
die von Künstlern oft verurteilte Art der Popularisierung des
Kunstverständnisses durch breite literarische Propaganda, wie
sie etwa der Kunstwart oder der Dürerbund bisher so erfolg-
reich betrieben haben, als ein unbedingt notwendiges, in Deutsch-
land noch nicht zu entbehrendes Erziehungsmittel freudig an-
erkannt werden muß, und daß die Besorgnis jener, die in dieser
Arbeit etwas Minderes, ja Kunstgefährliches erblicken wollen,
angesichts unserer trostlosen Allgemeinzustände verfrüht ist.
Mit dem Grundsatz ,,1’art pour hart“ können wir am aller-
wenigsten in der Architektur etwas anfangen, die eine im Grund
ihres Wesens populäre, eine soziale Kunst ist. Es ist sehr
schön, wenn sich die Kunstliteratur damit beschäftigt, einigen
erhabenen Künstlerpersönlichkeiten Anerkennung zu zollen,


Die Villa ist auf einem Abhang am Strande gelegen, so daß man eine
vorzügliche Aussicht über den Öresund und die schwedische Küste hat.
Der Bau ist auf einem Sockel von öländischen Steinen aufgeführt;
die Fassaden sind geputzt. Die Dachflächen sind mit schwarzen glasierten
Falzziegeln gedeckt; die lotrechte Wand im Mansarddach ist mit Kupfer
bekleidet. Die Küche und die Ökonomieräume sind im Keller. Die Halle
reicht durch beide Geschosse und hat im Erdgeschoß Ausgang nach dem
halbrunden Säulenvorbau, der im Obergeschoß eine offene Galerie trägt.
Über der großen Loggia ist ein Altan.

aber was nützt uns das, wenn gleichzeitig das große Heer der
unkultivierten Bauproduzenten unser unschuldiges Land in den
Zustand der Verunstaltung und Verrohung versetzt! Hiergegen
vor allem gilt es anzukämpfen.
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