Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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1911, 6.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Seite 61.

Blick von den Schlachthallen auf den Eingang und das Verwaltungsgebäude. Architekt: Stadtbaurat Prof. H. Erlwein in Dresden.


Der neue Städtische Vieh- und Schlachthof in Dresden.
Architekt: Stadtbaurat Professor Hans Erlwein.

Zu den wichtigsten sanitären und wirtschaftlichen Auf-
gaben der städtischen Bauverwaltungen gehört die
allen Anforderungen entsprechende Ausgestaltung der
öffentlichen Vieh- und Schlachthöfe, die, erst in den
letzten Jahrzehnten allgemeiner eingeführt, durch das gewaltige
Wachstum der Großstädte und die vielseitigen hygienischen und
veterinären, wie Verkehrs- und betriebstechnischen Errungen-
schaften der Neuzeit rasch eine außerordentliche Entwicklung und
Vervollkommnung erfahren haben. Anfangs der siebziger Jahre
bestanden in Deutschland im ganzen nur 70—80 öffentliche
Schlachthäuser, während Ende 1902 schon 836 öffentliche Schlacht-
höfe vorhanden und davon 71 mit Viehhöfen verbunden waren.
Für kleinere und mittlere Städte, die mit geringer Be-
völkerungszunahme zu rechnen haben, genügt ein Bau, der
die von allen zu benutzende Schlachthalle mit den wichtigsten
Betriebsräumen unter einem Dache vereinigt, oder durch Über-
dachung der zwischen den einzelnen Bauteilen liegenden Gänge
und Höfe ein geschlossenes Ganzes bildet, das bei geringem
Platzbedarf leichte Übersicht und infolge bequemer Verbindung
und Zeitersparnis niedrige Betriebskosten ermöglicht. Zwei be-
deutende Nachteile derartiger Anlagen sind die geringe Er-
weiterungsmöglichkeit und die oft schwierige und daher un-
zureichende Zufuhr von Luft und Licht.
Diesen Nachteilen wird für große Anlagen vorgebeugt, wenn
die einzelnen Betriebe in besonderen, durch offene Höfe und

Straßen getrennten Gebäuden untergebracht werden, die sich
nach den Betriebserfordernissen aneinanderreihen, wodurch
aber naturgemäß die Übersichtlichkeit und Einfachheit des
Betriebs leidet.
Um die Vorteile beider Systeme zu vereinigen, hat man
daher in neuester Zeit beide zu verschmelzen gesucht, indem
man die wichtigsten Betriebsgebäude parallel nebeneinander
stellte und sie an einem Kopfende in eine Verbindungshalle
münden ließ, welche den Verkehr zwischen den Schlachthallen
vereinfacht und den Transport des Fleisches schützt und an
die sich auf der anderen Seite unmittelbar das Kühlhaus an-
schließt.
Diese Anordnung ist auch für den neuen, nach eingehen-
der Planung 1906—1910 mit einem Kostenaufwand von rund
15 Millionen Mark erbauten Vieh- und Schlachthof der Stadt
Dresden gewählt worden, der jetzt für den Bedarf von 600000 Ein-
wohnern berechnet ist (für den Schlachttag 550 Rinder, 3450 Stück
Kleinvieh und 2500 Schweine). Er kann bis für den Bedarf von
1 Million Einwohnern vergrößert werden, indem die Schlacht-
und Markthallen in der Längsachse fortgeführt und neben die
Futterställe Parallelbauten gestellt werden. Der umstehende
Lageplan zeigt die dafür bestimmten, jetzt mit Gras bewachsenen
und eingezäunten Flächen.
Der neue Vieh- und Schlachthof liegt im Großen Ostra-
gehege unterhalb Dresdens, unmittelbar an der Elbe, zwischen
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