Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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Seite 58.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

1911, 5.


Entwurf für eine evangelische Kirche Architekt: Martin Elsäßer
in Gaisburg. III. Preis. in Stuttgart.
technik einigermaßen Vertrauten in wenigen Übungsstunden
erlernen und vor der Natur anwenden. Die schnelle Beherrschung
der malerischen Ausdrucksmittel in einer den Zwecken des
Architekten angepaßten Form regt zu Studien an und erhöht
die Freude an ihnen. Der Hauptwert dieser Studien besteht
aber darin, daß der junge Architekt durch die unmittelbare
Anschauung und durch die bei dem Versuch der Wiedergabe
notwendige Vertiefung in den Gegenstand zur Beobachtung ge-
zwungen, sein Auge für die feineren Reize des Architekturbildes
geschärft und zugleich für Störendes und Häßliches empfindlich
gemacht wird. Auch lernt er das einzelne Bauwerk in seiner
Beziehung zur Landschaft, zur Umgebung, zum Straßen- und
Ortsbilde besser erkennen und würdigen und wird dadurch

zugleich zu verständnisvoller Mitarbeit an den Bestrebungen
und Aufgaben des Denkmal- und Heimatschutzes angeregt
und befähigt werden. Derartig zusammengetragene Skizzen-
bücher mit den an die einzelnen Blätter sich knüpfenden Erinne-
rungen an genußreiche Studienfahrten werden dem Architekten
überdies tiefere Eindrücke hinterlassen und ihn zu eigener
schöpferischer Arbeit in höherem Maße anregen, als es photo-
graphische Aufnahmen und Ansichtskarten zu tun vermögen.
Kickton, Regierutigs- und Baurat.
Wettbewerbentwürfe
für eine evangelische Kirche in Gaisburg.
Architekt: Martin Elsäßer in Stuttgart.
Hierzu Tafel 41.
Im Juli 1910 entschied sich in Stuttgart der Wettbewerb
um Entwürfe für eine neue evangelische Kirche in Gaisburg.
Der zur Verfügung stehende Platz und das Programm stellten
eine überaus reizvolle Aufgabe. Die Kirche, welche 1200 Sitz-
plätze fassen und zwei Konfirmandensäle erhalten soll, wird auf
einem vorspringenden Hügel des Neckartales erbaut, beinahe


im Mittelpunkte der Vorstadt Gaisburg, die, früher ein malerisches
Dorf, sich jetzt rasch entwickelt und schon fast völlig Vorstadt-
charakter angenommen hat. Die noch erhaltenen anmutigen
Giebelhäuser werden in den nächsten Jahren fallen müssen, und
schon jetzt bestimmen
die am Fuße des Hügels
gelegene große Stuttgar-
ter Schlachthausanlage
und das Städtische Gas-
werk mit seinem großen
Kessel das Ortsbild.
Die Kirche mußte also
wohl schon entschie-
den städtischen Cha-
rakter und ihrer beherr-
schenden Stellung ent-
sprechend bedeutendere
Formgebung erhalten.
Von den eingegangenen
56 Entwürfen erhielten
die zwei hier wieder-
gegebenen einen II. und
den III. Preis. Ein wei-
terer II. Preis wurde einem
Entwurf der Architekten
Böklen & Feil in Stuttgart
zuerkannt. In dem hier
und auf Tafel 41 wieder-
gegebenen, mit einem
II. Preis ausgezeichneten
und inzwischen zur Aus-
führung bestimmten Ent-
wurf suchte der Verfasser
das Äußere den vor-


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Wettbewerbentwurf für eine evangelische Kirche in Gaisburg. III. Preis.

Architekt: Martin Elsäßer in Stuttgart.
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