Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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Seite 88.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

1911, 8.

Trauzimmer im Bremer Standesamt. Architekt: Professor Emil Högg in Bremen.


behandelt, daß sie über die Kleinheit der Verhältnisse hinweg-
täuschen.
Der ganze Raum einschließlich der Decke ist mit matt-
poliertem Mahagoni getäfelt. Die Nischenfelder sind mit grünen
Gobelins bespannt. Über den Nischen faßt ein Figurenfries mit
Palisanderholzgrund die Wandflächen zusammen.

Trauzimmer im Bremer Standesamt.

Stuhl des Beamten.

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Alle Darstellungen stehen in sinniger Beziehung zur Be-
stimmung des Raumes. Die Gobelinbilder zeigen in Anlehnung
an das Lied von der Glocke der Liebe Erdenwallen. In den
Figuren des Frieses sind die Beziehungen zwischen Mann und
Weib dargestellt. Rosen und Dornen, Ketten und flammende
Herzen zeigen die Einlegearbeiten, und lustiges Getier belebt
die kleinen Füllungen der Decke. In den Malereien der Fenster
hat Glasmaler Rohde das Weib als Genius des Lebens ver-
herrlicht.
Für den pultartigen Tisch (vergl. Tafel 75/76) ist eine neue
Anordnung gefunden. Durch einen einfachen Handgriff ist es
dem Standesbeamten möglich, das vor ihm liegende Buch mit-
samt dem Pult dem Brautpaar zur Eintragung der Unterschrift
zuzuschieben. Die Amtshandlung gestaltet sich so einfacher
und würdiger. Zwei in Bronze geschmiedete Lampenständer
flankieren das Pult. Die Stühle sind mit Leder bezogen.
Die vortreffliche Tischlerarbeit ist von H. Bremer in Bremen
ausgeführt. Die Schnitzereien sind das Werk der Bildhauer
Rebhan & Lüdeke in Bremen. Die Gobelins wurden nach Ent-
würfen des Malers L. Gunkel gewebt. tz.
21. Tagung des Verbandes Deutscher
Kunstgewerbevereine.
Am Sonntag, den 2. April, tagten in Magdeburg die De-
L legierten der Deutschen Kunstgewerbevereine unter dem
bewährten Vorsitz von Geheimrat Muthesius, dessen geschickte
Leitung es abermals verstanden hat, die vielfach auseinander-
strebenden Meinungen zu ersprießlicher Arbeit und wertvollen
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