Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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1911, 3.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Seite 25.


Hamburger Stadtpark.

Insel mit Bootstation.

Der Entwurf zu einem Stadtpark in Hamburg-Winterhude
von Oberingenieur F. Sperber und Baudirektor Fritz Schumacher.
Hierzu Tafel 26—29.

Hamburg hat sich entschlossen, dem Mißverhältnis, in
dem seine spärlichen Grünflächen zu der Ausdehnung
des Stadtbildes stehen, energisch abzuhelfen und will
einen 130 ha großen Park in Winterhude schaffen,
nördlich von der Außenalster und mit dieser durch den Gold-
beckkanal, mit den verschiedenen Stadtteilen durch zahlreiche
Verkehrsadern verbunden.
Die vorstädtische Bebauung hat das vorteilhaft gelegene
und günstig gestaltete Gelände bereits zum größten Teil um-
klammert. Der westliche, mit dichtem Gehölz bestandene Teil
bildet einen gegen Osten langsam abfallenden Hügel von etwa
16 rn Höhe (siehe Höhenkurvenkarte). Der tiefere östliche Teil
liegt etwa 4 m über dem Spiegel der Alster sowie des Goldbeck-
kanals, der in seiner Südecke aus ihr hierher geleitet ist. Den
Schlüssel für die Lösung der Aufgabe bildet die Bewältigung
dieser eigenartigen Geländegestaltung. Um ihr beizukommen,
schlug man zunächst den Weg des öffentlichen Wettbewerbs
ein (1908), ohne doch für die Ausführung brauchbare Entwürfe
zu gewinnen. Von den an erster Stelle ausgezeichneten Arbeiten
konnte keine ernstlich in Frage kommen. Der nicht prämiierte,
aber vielgenannte Läugersche Entwurf war zwar von hoher
Schönheit und großzügig in seiner akademischen Strenge, doch
rechnete er nicht mit der Bodenformation und beanspruchte zu
seiner Verwirklichung so gewaltige Erdbewegungen, daß diese
allein Millionen verschlungen hätten, womit das Projekt fallen
mußte. Das beste und so ziemlich einzige Ergebnis aus dem
Wettbewerb war die Erkenntnis, daß der als wichtiger Bestand-
teil des Parks vorgesehene See zusammen mit dem Haupt-
restaurant aus verkehrstechnischen und finanziellen Gründen in
die Südostecke des Parks zu verlegen sei, eine Anordnung, von
welcher die Verfasser des vorliegenden, für die Ausführung be-
stimmten Entwurfs denn auch ausgegangen sind. Im übrigen
haben sie vollständig originell und selbständig geplant, indem
sie ein mächtiges, sozusagen den ganzen Park beherrschendes
elliptisches Wasserbecken mit malerisch wirksamen Buchtungen
und Rücksprüngen anordneten, und über diese zusammengefaßte
Wasserfläche und die große Wiese hinweg vom Hauptrestaurant
eine den ganzen Park regelnde, von Südost nach Nordwest
verlaufende Achse bis hinüber zu einem auf waldiger Höhe

thronenden Wasserturm legten, dessen Gestaltung bereits durch
einen früheren Wettbewerb festgelegt war. Das Wasser wird
vom Turm durch den nördlichen Teil des Parks bis zum Rande
des Sees geführt, in den es sich über eine monumentale
Kaskade herab ergießt. Die Wegeführung ist eine derartige,
daß die den Park kreuzenden notwendigen Verkehrsstraßen un-
auffällig sich den Anlagen einfügen.
Sport- und Spielplätze sind gleichmäßig verteilt; auch ein
Sprunggarten fehlt nicht. Der Goldbeckkanal erweitert sich vor
dem Hauptrestaurant zu einer geräumigen Wendestelle und wird


Hamburger Stadtpark.

Höhenkurvenkarte.
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