Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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Seite 82.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

1911, 7.

Architekten: Schmieden & Boethke in Berlin.

Entwurf zu einem Dienstgebäude für die obersten Marinebehörden in Berlin. Hauptquerschnitt (C—D).



Entwurf zu einem Dienstgebäude für die obersten Marinebehörden in Berlin.
Architekten: Schmieden & Boethke in Berlin.
Hierzu Tafel 62.

eine
haus
dem

Architekten: Schmieden & Boethke
in Berlin.

im Vordergebäude zentral angelegte Oberlichthalle mit Haupttreppen-
und zwei anschließenden Flurtrakten, die das Hintergebäude mit
vorderen verbinden.
So wird wenigstens für den Eintretenden eine entsprechende
repräsentative Raumwirkung gewonnen

Entwurf zu einem Dienstgebäude für die obersten
Marinebehörden in Berlin. Oberlichthalle.

und zugleich die Übersicht über
die Hauptgeschosse erleichtert.
Das Programm verlangte Ge-
schäftsräume für drei selbstän-
dige Behörden, für das Reichs-
marineamt, das Marinekabinett
und den Admiralstab. Für die
Chefs der ersten beiden, ein-
ander gleichgeordneten Behörden
waren große Dienstwohnungen
vorzusehen, außerdem noch 23
größere und kleinere Beamten-
wohnungen zu schaffen. Von
vornherein war die Front an
der Königin-Augusta-Straße für
dasReichsmarineamtundden Ad-
miralstab bestimmt; die Räume
für letzteren sollten indes nur
untergeordnet und vom übrigen
völlig getrennt angelegt werden.
Dagegen war ein direkter per-
sönlicher Verkehr zwischen
dem Reichsmarineamt und dem
Marinekabinett zu ermöglichen,
für das der hakenförmig an¬
schließende Grundstücksteil an der Bendlerstraße mit einer Frontlänge
von 24 m erworben war.
Von dem Gesamtflächeninhalt von 20360 qm nimmt das Reichs-
marineamt mit seinen 27 Departements und Abteilungen einschließlich einer

Zu einem engeren, durch Umfang und Eigenart der Aufgabe bemerkens-
werten Wettbewerb um den Neubau eines Geschäftsgebäudes für die
obersten Marinebehörden in Berlin hatte das Reichsmarineamt die Berliner
Architekten Cremer & Wolffenstein, Kayser & von Großheim, Reinhardt & Süßen-
guth, Schmieden & Boethke und Schwechten eingeladen. Von den beiden
Preisen erhielten Reinhardt &
Süßenguth den ersten, Schmie¬
den & Boethke den zweiten
für die hier wiedergegebene
Arbeit.
Als Baustelle war eine an
der Königin-Augusta-Straße nahe
der Bendler-Brücke gelegene
Gruppe von Grundstücken ge¬
wählt, die eine Frontentwicklung
von 91 m und eine Gebäude¬
tiefe von 184 m bei einem Ab¬
stande von 10 m von der hin-
teren Nachbargrenze ermöglicht
und eine reizvolle gärtnerische
Umgebung für das neue Amts¬
gebäude bietet. Anscheinend ist
letzteres für die Wahl der Bau¬
stelle ausschlaggebend gewesen,
die sonst sowohl für den Zweck
als im Hinblick auf eine gro߬
zügige städtebauliche Entwick¬
lung Groß-Berlins nicht allzu
glücklich erscheint.
Die Bedeutung des Gebäudes, in dem sich außer dem ungewöhnlich regen
Bureaubetriebe ein sehr lebhafter Verkehr wichtigster Faktoren unserer großen
staatlichen und privaten Arbeitsorganisationen abspielen, außerdem aber eine
ansehnliche Repräsentation entfalten soll, wird auf dem eingebauten Grund¬




stück inmitten
der ruhigsten,
vom Haupt-
verkehr et-
wasabgelege-
nen Wohnge-
gend schwer-
lich voll zum
Ausdruck zu
bringen sein.
DieseSchwie-
rigkeit ist nur
im Ergebnis
des Wettbe-
werbs hervor-
getreten. —
Immerhin zei-
gen die bei-
den preisge-
krönten Ent-
würfe eine
sehr großzü-
gige Tiefen-
aufschließung
des Grund-
stücks durch

Bücherei von 150000 Bänden den Hauptteil ein. Hier waren nicht nur
gewisse Gruppen von Ressorts in bequeme Verbindung zu bringen, sondern
auch die wichtigsten Departements in eine enge zentrale Beziehung zur
Person des Staatssekretärs zu setzen, außerdem nach dem besonderen
Wunsche des gegenwärtigen Leiters dessen Dienstwohnung mit fast
allem Zubehör in einem einzigen Geschoß unterzubringen, unter an-
gemessener Verbindung mit seinen Diensträumen und mit dem Plenar-
sitzungssaal.
Der Entwurf von Schmieden & Boethke ordnet unter sorgsamer Aus-
nutzung der durch die Gartenumgebung gebotenen Vorteile das Gebäude
um Binnenhöfe an und macht dabei von der Anregung des Programms,
die Flure stellenweise beiderseitig mit Geschäftsräumen zu besetzen, einen
angemessenen Gebrauch. Der Erdgeschoßgrundriß zeigt die stattlich ge-
dachten Eintrittsräume an der Königin-Augusta-Straße mit dem in der Mitte
der Halle frei aufsteigenden vornehmen Treppenlaufe, an den aufwärts eine
vom Hof her erleuchtete doppelzweiarmige Haupttreppe anschließt, welche
die drei oberen Geschosse bzw. die Flurtrakte verbindet. Die Oberlicht-
halle erweitert sich in der Tiefenrichtung über den mit dem zweiten Ober-
geschoß liegenbleibenden Galerien, deren Stützen in freien, das Bild malerisch
überschneidenden figürlichen Endigungen ausklingen. Über dem Vestibül
liegt der fünfachsige Plenarsitzungssaal in der Mittelachse der Straßenfront;
an ihn schließen sich nach links die Repräsentationsräume der Wohnung
des Staatssekretärs an. Die Wohnung umfaßt den linken Hof des Vorder-
gebäudes beiderseits und gewinnt rückseitig die durch eine mittlere Ein-
ziehung geschickt verlängerte Frontentwicklung eines palaisartigen Garten-
hauses, das durch das Zuriicktreten des obersten Geschosses, den Balustraden-
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