Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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1911, 8.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Seite 85.


Wettbewerbentwurf für das Rathaus in Herne i. W. (II. Preis.)

Architekt: W. Brurein, B.D.A., in Charlottenburg.

Katholische Pfarrkirche zu Wasserliesch.
Architekt: Peter Marx, b.d.a., in Trier.
Hierzu Tafel 73/74.

Für die rund 1500 Seelen zählende katholische Pfarr-
gemeinde Wasserliesch-Reinig bei Trier wurde die
nebenstehend und auf Tafel 73/74 dargestellte Kirche
in den Jahren 1909 bis 1910 errichtet. Die von dem
landläufigen Schema der unverstandenen Gotik abweichende
Form und Konstruktionsweise stieß zunächst auf Widerstand
seitens der zuständigen kirchlichen Organe. Es gelang aber,
dieselben zur Genehmigung zu bewegen, da die dem Archi-
tekten gestellte Aufgabe, eine 500 qm Laienraum fassende
praktische Pfarrkirche für M. 80000 zu erstellen, in der bisher üb-
lichen Weise nicht zu lösen war. Da guter Betonkies und scharfer
Sand in der Nähe der Baustelle am Moselufer reichlich vorhanden
waren, entschloß sich der Erbauer zur weitgehenden Verwendung
von Eisenbeton. Der weiträumige Grundriß weicht stark von der
gewohnten Anordnung ab und erregte manches „Schütteln des
Kopfes“. Die fast über Erwarten gut gelungene Raumwirkung hat
aber aus den bisherigen Gegnern begeisterte Freunde gemacht.
Die Kirche hat drei Eingänge an der Hauptstraße, einen
Nebeneingang an der Ostseite. Zwischen den Windfängen der
drei Haupteingänge verbleiben kleine Kapellchen, die als Tauf-
bzw. Andachtskapellchen eingerichtet sind. Die durch zwei
Wendeltreppen zugängliche Empore nimmt die ganze Frontbreite
ein; die Orgel findet in dem linken Seitenjoch der Empore
Platz, der übrige Teil erhält Bankplätze für den Kirchenchor.
Das Schiff, eine dreiteilige Halle, ist im mittleren Teil
tonnenförmig überwölbt, während die Seiten mit kassettierten
Eisenbetonplatten überdeckt sind, die, über die Mauer hinaus-
ragend , zugleich das Hauptgesims bilden. Die Stützen sind
ebenfalls in Eisenbeton mit Zementverputz hergestellt, ebenso
das Tonnengewölbe mit eingeputzten Rippen und angetragenen
Ornamenten.
Der an der Nordnordwestecke stehende Turm enthält zu
ebener Erde einen Vorraum für die Meßdiener und eine Treppe

zu dem darüber gelegenen Paramentenraum. Die Glockenstube
liegt in dem obersten verschieferten Turmgeschoß. Alle Turm-
decken sind aus Eisenbeton. Die Sakristei liegt an der Ost-
seite des Chores, dem Turm gegenüber.

Katholische Pfarrkirche zu Wasserliesch. Architekt: Peter Marx, b.d.a., in Trier.
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