Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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Seite 84.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

1911, 7.


Jagdschloß Luberegg an der Donau.
Ansicht.

Aufnahme von Architekt Paul Theodor Frankl
in Charlottenburg.

Das Jagdschloß Luberegg an der Donau.
Aufgenommen von Architekt Paul Theodor Frankl in Charlottenburg.
(Zu Tafel 61.)
Einen Kilometer etwa oberhalb des Stiftes Melk, am linken
Donauufer, knapp bevor diese in das durch landschaftliche
Schönheiten vielgerühmte und sagenumwobene Tal der Wachau
eintritt, liegt an einer stillen Straße das Schlößchen Luberegg.
Es wurde im Jahre 1780 für den Freiherrn von Fürnberg erbaut,

Jagdschloß Luberegg an der Donau. Aufnahme von Architekt Paul Theodor Frankl
Ecke im Saal. in Charlottenburg.


und als dieser zugrunde ging, vom Hofe übernommen. In den
Jahren 1803 — 1812 verbrachte Kaiser Franz II. manchen Sommer
in Luberegg, späterhin (1860—1865) pflegte Kaiser Franz Josef I.
nach der Jagd öfters hier zu übernachten, und auch dem Kron-
prinzen Rudolf diente Luberegg in den Jahren 1874 — 1877 als
Jagdsitz. 1866 waren verwundete Sachsen hier untergebracht.
Die ganze Anlage besteht, wie der Lageplan zeigt, aus fünf
in einer Reihe an der Straße hingestellten Gebäuden. Das mittelste
ist das eigentliche
dessen Mitteltrakt
mit einem Ober¬
geschoß und einer
Mansarde höher
geführt ist.
In gleichmäßi¬
ger Anordnung
schließen sich links das Försterhaus und ein Holzschuppen,
rechts das Kapellenhaus, mit einem roten, sich fein gegen den
Himmel abhebenden Schindeltürmchen, und die Schmiede an.
Der Gebäudereihe gegenüber liegt der Park.
Von architektonischer Bedeutung ist nur das Schlößchen,
an dem man trotz des heutigen verfallenen Bauzustands noch
die einstige ruhige Vornehmheit erkennt.
Vor allem mutet die Fassadenbehandlung des Mittelteiles
(Tafel 61) freundlich an, dessen Balkon mit schönem schmiede-
eisernem Gitter von etwas unbeholfen ausgeführten Sandstein-
Karyatiden getragen wird, und dessen grüne Fensterläden sich
von den dunkeln Holzschindeln malerisch abheben.



Jagdschloß Luberegg an der Donau. Aufnahme von Architekt Paul Theodor Frankl
Umrahmung^der Eingangstür. in Charlottenburg.
Im Innern lassen das Stiegenhaus mit den laternentragenden
Putten und mit dem schönen Abschlußgitter im Erdgeschoß
gegen den auffällig schmalen Hausflur (Tafel 61) sowie der
mit schönen gemalten Tapeten und herrlichen Empireöfen aus-
gestattete Saal im ersten Stock die vornehme Behaglichkeit, die
hier geherrscht hat, erkennen. Die Gitter sind einfach, aber
sehr wirkungsvoll farbig behandelt. Die Stäbe und Bandeisen
sind schwarz, das Blattwerk lebhaft grün und die Knäufe der
Rosetten vergoldet. Von der anderen Einrichtung ist leider
nichts erhalten geblieben.
Als Erbauer des Schlößchens wird der Polier Josef Mucken-
ast aus Krems genannt. — Die Entwürfe zu den schönen
schmiedeeisernen Arbeiten stammen von Johann Martin Schmidt,
dem „Kremser-Schmidt“. E.
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